„Wir sind mittlerweile die größte Werft in Deutschland."

im Gespräch mit Oliver Burkhard

Als CEO des größten deutschen U-Bootbauers kann man eines nicht tun: abtauchen. Schon gar nicht in anspruchsvollen Zeiten wie diesen. So fokussiert sich Oliver Burkhard seit diesem Jahr ganz auf seinen Job als Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp Marine Systems GmbH (tkMS) und steht uns im „Zukunftstalk mit Madsen“ Rede und Antwort. Dabei verrät er Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen, wie er vom Verwaltungsfachangestellten im Statistischen Bundesamt zum Chef eines der wichtigsten Rüstungsunternehmen des Landes wurde. Außerdem erklärt uns der gebürtige Hesse, welchen Einfluss die aktuelle Zeit auf das Geschäft der tkMS hat, wie sich die Wahrnehmung der Branche in der Gesellschaft verändert hat und was die U-Boote aus dem echten Norden auszeichnet. 

Das und vieles mehr erfahren Sie in dieser Podcast-Folge.

> Folge auf Spotify anhören
> Folge bei Apple Podcast anhören


Claus Ruhe Madsen: thyssenkrupp Marine Systems, also auch tkMS, ist Weltmarktführer beim Bau von konventionellen U-Booten und führend in der Entwicklung neuer Über- und Unterwasser-Technologien der Marine. Ich spreche heute mit dem CEO Oliver Burkhard und erfahre, warum Schleswig-Holstein der perfekte Standort für das Unternehmen ist und wie ein Hesse seine Work-Beach-Balance findet. Ich bin Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen und du hörst meinen Podcast.

Claus Ruhe Madsen: Ja, Moin lieber Oliver. Erstmal vorweg: Ich habe mir persönlich gewünscht, dass du heute hierherkommst, dass wir mal miteinander sprechen können. Ich kenne natürlich schon dein Unternehmen und auch dich persönlich. Das ist so faszinierend für mich. Aber ich glaube, nicht jeder, der zuhört, weiß, wer du bist. Vielleicht kannst du das kurz erläutern.

Oliver Burkhard: Ja, sehr gerne. Vielen Dank für die Einladung. Zunächst einmal, Claus – also Name bekannt. Oliver Burkhard, 53 Jahre alt, jetzt hier an der Küste, seit zweieinhalb Jahren als CEO der tkms, war zuvor 13 Jahre Konzernvorstand in Essen bei ThyssenKrupp, der Muttercompany von tkMS. Und ja, ich bin genauso fasziniert von der Technologie. Da werden wir sicher noch darauf zu sprechen kommen. Und auf all deine Fragen, die du hast.

Ja, du hast es ja schon gesagt, ehemaliger Verwaltungsangestellter und auch langjähriger Gewerkschafter. Wie kommt es dazu, dass man sagt: „Komm, lass uns den mal lieber im Norden schicken?“

Na ja, weißt du, wir können ja alle lange viel über Diversity diskutieren. Man muss auch ein bisschen was mitbringen an Diversity. Und als über 50-jähriger weißer Mann ist das noch nicht besonders divers. Also, habe ich einen diversen Lebenslauf immerhin zu bieten, der tatsächlich damit anfing, dass ich Verwaltungsfachangestellter im Statistischen Bundesamt gelernt habe. Was mir aber durchaus gut getan hat, denn die Vorstellung, das noch weitere 50 Jahre machen zu müssen und ich habe mit 16 angefangen, war wahrscheinlich auch eine der Triebfedern dafür, mein Abi nachzumachen, nebenbei zu studieren und dann noch mal was ganz anderes zu machen. Was mich dann Ende der 20er zur IG Metall brachte, nennt sich genau der IG Metall Vorstand. Klingt immer so, als sei man Vorstand. Man arbeitet aber nur beim Vorstand. Ist ein kleiner Unterschied.

Aber klingt gut.

Klingt gut. Genau. Und war dann dort der jüngste Tarifabteilungsleiter. Das war wirklich ungewöhnlich. Ich hatte, vielleicht kann man das so sagen, an jeder Stelle in meinem Leben Menschen, die in mich vertraut haben und mir was zugetraut haben. Und so wurde ich Bezirksleiter der IG Metall – jünger noch als Franz Steinkühler, das heißt was in Gewerkschafterkreisen, und war dann 40 Jahre alt. Und dann fragte mich ThyssenKrupp, ob ich mir nicht vorstellen könnte, Personalvorstand zu werden. Das war ich jetzt, 13 Jahre, das hat gerade vor ein paar Tagen geendet. Und jetzt habe ich die volle Konzentration für die tkms und wir haben viel vor.

Hier bei mir kommt sofort der Gedanke auf: Sitzt man so in der Zentrale in Essen und denkt, wo möchte ich eigentlich gerne hin? Und dann klopft man an und sagt: „Also, Kiel finde ich interessant“. Oder sagen die, also den müssen wir ganz schnell nach Kiel schicken?

Es ist wie im echten Leben, auch als Konzernvorstand, jeder hat einen Chef oder eine Chefin. Und dieser hier, der Chef in dem Fall, Aufsichtsratsvorsitzender Siegfried Russwurm, war bis vor wenigen Wochen noch der BDI Präsident hier in Deutschland. Der fragte mich 22, ob ich mir denn vorstellen könnte, die Marine in einen Weg zur Selbstständigkeit zu führen. Und das konnte ich mir vorstellen. Ich habe das jetzt eine Weile, wie gesagt, fast zweieinhalb Jahre parallel gemacht. Das war ein ganz schöner Schlauch. Ich würde es mal sehr freundlich sagen. Essen liegt aus Kieler Sicht nicht gerade zentral. Was dazu führt, dass natürlich lange Wege dazwischen sind. Und mein Lebensmittelpunkt ist auch tatsächlich noch in der Nähe von Frankfurt. Das heißt, ich war in irgendeiner Form in einem Bermudadreieck zwischen Kiel, Frankfurt und Essen unterwegs. Und, da der Job sehr viele politische Bestandteile hat, dann auch noch in Berlin. Also war das ein Bermuda-Viereck irgendwie. Und das war jetzt zweieinhalb Jahre okay. Aber für das, was wir jetzt vorhaben, war es richtig und wichtig zu sagen, eine Sache beende ich jetzt. Und ich habe mich nicht gegen etwas entschieden, sondern für etwas. In dem Fall für die tkMS.

Die thyssenkrupp Marine Systems ist in welcher Branche unterwegs und welche Produkte macht ihr ganz genau? Ich denke, die meisten Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner wissen das, aber vielleicht trotzdem kurz.

Nein, völlig berechtigte Frage. Also tatsächlich stellen wir Plattformen her, nämlich U-Boote und Überwasserschiffe. Wir haben einen großen Elektronikanteil und tatsächlich sind wir an der Küste von Emden bis jetzt neu nach Wismar in jedem Bundesland vertreten. Aber die Zentrale und der Hauptsitz ist in Kiel mit fast über dreieinhalbtausend Beschäftigten. Und U-Boote sind wahrscheinlich das bekannteste. Warum Kiel, werden wir sicherlich noch draufkommen? Aber vieles spricht genau für diesen Standort.

Ich hatte mal die Gelegenheit, euer Unternehmen zu besuchen. Das ist auch Hochtechnologie. Das ist ja nicht nur, ich sage jetzt einfach mal, ein Boot. Ich habe es so verstanden: Auf einen Meter ist, glaube ich, ein Kilometer Kabel verbaut. Korrekt?

Genau. Man denkt, das ganze Ding hält ja nur aus Kabeln. Nee, es ist schon noch der Druckkörper, der das in Form hält. Aber es ist am ehesten vergleichbar tatsächlich mit Raketen mit Ariane 45. Was auch immer. Das Medium drumherum ist kompliziert. Wasser ist kompliziert, das Weltall auch offensichtlich. Ich habe keine Ahnung davon, aber ich glaube es zumindest. Und es ist wirklich Hochtechnologie. Eine Manufaktur, könnte man sagen, und braucht sehr, sehr viel Expertenwissen.

Ja, gefühlt, wenn man unterwegs in einem U-Boot ist, ist, dass dort eigentlich nur noch Ingenieure arbeiten können und weniger Soldaten. Gefühlt.

Die Mannschaft ist bunt besetzt, sind alle Dienstgrade dabei. Alle werden auch gebraucht tatsächlich, klar. Aber es ist schon technisch anspruchsvoll und man muss es auch mögen. Man muss es auch wollen. Die Menschen, die mit dem U-Boot fahren, haben sich ganz bewusst dafür entschieden. Es ist auch noch mal anders als über Wasser oder am Land. Sehr eingeschworene Gemeinschaft, eine enge Gruppe, enge Räume, aber auch die Gruppe sehr eng beieinander. Man erlebt sicherlich schon viel und ich wünsche mir, dass noch mehr Leute sogar den Weg dorthin finden. Denn das ist auch immer ein Thema bei der Marine. Das Thema Nachwuchs.

Ja, tkMS und auch die Wehrindustrie insgesamt hat natürlich eine sehr besondere Rolle für Schleswig-Holstein. Zum einen hat tkms dort auch 3700 Personen beschäftigt, hier bei uns im echten Norden. Das bringt sicherlich mit der aktuellen Verteidigungs- und Sicherheitssituation auch eine besondere Situation für euch als Unternehmen. Wie ist das denn aktuell bei euch?

Wenn man davon ausgeht, und die Hypothese ist nicht falsch, es ist ja auch so bewiesen worden, letztendlich war seit Anfang der 90er Jahre der Verteidigungssektor im Schrumpfkurs. Man würde auf Englisch sagen Rock Bottom. Also auf das Unterste, das Niedrigste, was man brauchte, was man dachte, was man brauchte, runtergefahren. Und spätestens nach dem Angriffskrieg der Russen in der Ukraine war klar, mit der Skalierung wird man nicht weiter vorankommen. Man muss jetzt das Ganze wieder hochfahren. Wir haben jetzt zum allerersten Mal, muss ich sagen, von der Zeitenwende erst im Dezember 24 profitiert, indem wir vier neue U-Boote der Klasse 212 CD bauen dürfen.

Das ist, glaube ich, die, die ihr auch mit Norwegen zusammengebaut habt?

Genau zusammen mit Norwegen, ist Leuchtturmprojekt, weil es nirgendwo, zumindest uns so bekannt, und in der Größenordnung ein vergleichbares Projekt gibt, wo zwei Marinen, zwei Länder so eng miteinander arbeiten, dass sie sogar theoretisch und wahrscheinlich auch praktisch in der Zukunft die Mannschaften mixen können und ein und dasselbe Produkt sozusagen benutzen. Worauf ich hinaus wollte: Die Zeitenwende kam bis dato noch nicht bei uns an, wohl aber am 19. Dezember 24, als das Kabinett, nein, der Haushaltsausschuss und damit dann auch später im Großen gesprochen das Parlament sich diese Bestellung genehmigt hat. Davor war das nicht der Fall. Das heißt, alle haben zwar erwartet, dass tkms jetzt tollen Zeiten entgegengeht, aber bis dahin kam nichts an. Und wir haben es geschafft aber in den zwei Jahren, uns eigentlich ganz gut darauf vorzubereiten, dass wir jetzt sehr stark wachsen müssen, indem wir die alten Aufträge sauber weiter abgearbeitet haben, stabil abgearbeitet haben. Diese Firma hatte Jahre, das ist gar nicht so lange her, da hat sie 400 Millionen Minus gemacht im Jahr. Heute, das ist alles veröffentlicht, deswegen nicht geheim, machen wir 150-180 Millionen plus. Das heißt, wir haben es geschafft, hier an der Küste gemeinsam das Ding zu drehen. In einer Zeit, wo zwar alle erwartet haben, dass wir sehr erfolgreich sind, aber noch gar nicht erfolgreich sein konnten, weil wir noch gar nicht die Aufträge hatten. Und jetzt gilt es an uns das Vertrauen, was wir bekommen haben. Wir dürfen jetzt zehn Boote der gleichen Klasse bauen 212 CD, wie du es eben erwähnt hast. Dann auch das in uns gesetzte Vertrauen quasi zu beweisen und diese Boote rechtzeitig, so wie die Marinen Norwegen und Deutschland das haben wollen, dann abzuliefern

Es ist ja auch nicht so, dass ihr, nur weil du immer davon sprachst, noch nicht von diesem Sondervermögen profitiert, sondern ihr habt ja auch andere Kunden. Da es ja einige Komplikationen tatsächlich, eine Genehmigung zu bekommen, dass man tatsächlich auch an einen Natopartner und ähnliches ein U-Boot verkaufen darf.

Genau, das wird in Deutschland, finde ich, okay streng reguliert, dass wir sagen, das Primat liegt bei der Politik. Politik entscheidet, was wir produzieren und wohin wir es liefern. Bevor wir einen Auftrag annehmen können, müssen wir fragen, ob wir den Auftrag annehmen dürfen. Ob das politisch legitim ist, sage ich mal. Und bis zu sieben Jahre später, wenn das erste Boot dann ausgeliefert wird und das dauert manchmal so lange, dann müssen wir wieder fragen, ob wir es auch tatsächlich dahin exportieren dürfen. Um ein Beispiel zu geben: Als der Arabische Frühling war, haben sich Länder Nordafrikas durchaus in andere Richtungen entwickelt, als man es vielleicht sieben Jahre vorher dachte. Und dementsprechend ist das natürlich immer auch ein Stück weit ein politisches Geschäft, wo man, und noch mal in Deutschland als Hersteller von solchen Dingen, die wir dort herstellen, dem Primat der Politik unterliegt, die sagt, ob das okay ist oder nicht.

Und hierzu muss man ja wissen, wir reden hier von Größenordnungen etwa 1 Milliarde, das musst du ja jetzt nicht in der genauen Summe bestätigen, für ein U-Boot, das man dann quasi fürs Regal produziert. Wenn nach sieben Jahre jemand sagt: Nee, doch nicht dahin. Das heißt, das ist kein ganz leichtes Geschäft.

Ich stimme dir fast in allem zu.

Und wenn ich das richtig verstanden habe, ist es ja auch so, dass jedes Land eine andere Profil hat, dessen, was sie haben wollen. Das heißt, man kann auch nicht produzieren und sagen: Wer will es denn jetzt haben?

Richtig, das ist nicht so ganz einfach. Jede Marine, die Kunden sind ja neben den Marinen in der Regel Beschaffungsbehörden oder sogar direkt die Ministerien, haben natürlich sehr eigene Anforderungen an so ein Boot, was die Fähigkeiten angeht, die dieses Boot mitbringen soll. Und dementsprechend ist das nicht, auf Englisch würde ich mal sagen: One size fits all. Also eins für alle, sondern eigentlich für jeden eines. Und das ist dann ein etwas anderes Konzept.

Allerdings macht es einem auch Freude, wenn man in Schleswig-Holstein Minister ist, bei euch zu Besuch ist und dann fremde Länder herkommen, so wie neulich die Israelis, und deswegen wiederkommen, weil ihr einfach so hohe Qualität liefert, dass die unbedingt hier in Kiel weiter ihre Schiffe machen lassen wollen.

Aus Vertriebssicht wäre es manchmal schöner, wenn sie nicht so lange halten würden. Aber sie halten sehr lange und das ist gut so! Das ist auch ein Teil der Qualität, die wird da, denke ich, abliefern. Und was man aktuell sehen kann, nahezu jedes Land hat steigende Verteidigungsausgaben aktuell. Aber was uns auch auffällt ist, sie gehen dorthin mit dem Geld, was sie mehr haben, wo sie schon mal waren. Und das hilft uns natürlich, weil die HDW als Vorgängergesellschaft und dann später ThyssenKrupp hat natürlich eine wirklich große Anzahl von Schiffen und Booten in den letzten 50 Jahren ausgeliefert und dementsprechend kennt man uns am Markt. Und so kommt es auch, dass wir tatsächlich Weltmarktführer sind in diesen konventionellen U-Booten dieser Größenklasse, so zwischen 1500 und zweieinhalbtausend Tonnen Verdrängung. Da ist tkms der Standard, wenn ich das so sagen darf. Zumindest bei den Nationen, die nicht ganz alleine für sich auch etwas bauen, nehme ich jetzt mal die Russen, die Amerikaner, die Chinesen aus, weil die würden natürlich kein deutsches Boot bestellen, sondern immer ein amerikanisches oder ein russisches oder ein chinesisches.

Jeder, der mal bei euch war oder genau hingehört hat, wird die Frage, die ich jetzt stelle, trotzdem beantworten können. Aber ich stelle sie: Produziert ihr nur hier in Kiel oder forscht ihr auch?

Wir tun beides, klar. Kiel als Hauptstandort ist ein Unterwasserstandort, eine Unterwasserwerft. Wir bauen dort die U-Boote. Wir engineeren, also wir konzipieren. Wir designen sie hier. Und zu dem Engineering und Design gehört natürlich auch, dass wir forschen und entwickeln und natürlich diese Schiffe immer weiterentwickeln. Wer heute ein 212 CD für Norwegen/Deutschland mit einem 212 Alpha oder 206 aus früheren Jahren, die in Deutschland gefahren wurden, vergleichen will, das ist so ein bisschen Äpfel mit Birnen oder, wie soll ich sagen, S-Klasse mit VW Lupo oder so, man kann das nicht vergleichen. Und da drin steckt natürlich jede Menge an technischem Fortschritt, den wir im Laufe der Jahrzehnte auch erzielt haben. Also es ist schon alles hier, schon komplett voll ausgestatteter Standort von F und E bis zur Produktion und dazwischen das Design und das Engineering.

Und dabei natürlich auch viele smarte Anwendungen. Ich durfte ja in der Produktion mal reinschauen, dass man auch Produktionsbrillen haben, die genau aufzeichnen können, wo welche Schraube verschraubt werden muss. Das ist schon ziemlich interessant, so eine Datenbrille aufzusetzen, weil man damit natürlich auch dem Thema Arbeits- und Fachkräfte ein bisschen entgegenkommt, weil man Learning letztendlich auch auf dem Arbeitsplatz hat.

Genau. Einsatz von, in dem Fall ist das der Hololens. Der ist tatsächlich ein Teil unserer Produktion. Jetzt schon. Aber auch KI, also künstliche Intelligenz, gerade beim Schweißen, das kann eine KI mit einer Million Erfahrungswerte, die wir dorthin eingespeichert haben, besser als jemand, der dasteht und das versucht händisch zu machen. Wir nutzen die neuen Technologien, wo wir können, will aber trotzdem sagen, das ist nicht vergleichbar mit der Automobilindustrie oder Flugzeugbau, wo jeden Tag irgendwie Dutzende oder einige am Ende des Fließbands rauskommen. Das dauert bei einem U-Boot schon deutlich länger und ist wirklich eine Manufaktur, ich bleibe dabei.

Ja, das Interessante ist, weil du das gerade ansprichst, ich glaube, das Thema Fachkräfte ist bei euch auch omnipräsent. Und ich kann mir vorstellen, dass es ein bisschen schwierig ist, beim, ich sage mal, Nachbar oder Gegennachbar oder wo auch immer anzuklopfen und zu sagen: Habt ihr auch U-Boot-Schweißer? Wie kommt ihr an eure Fachkräfte dann ran?

Also, ich denke, dass es gerade jetzt nach Frühjahr 22 ein etwas anderes Bild gegenüber der Verteidigungsindustrie in der Gesellschaft gibt. Das würde man so ein bisschen technisch sagen: das sicherheitspolitische Narrativ hat sich verändert. Es ist, glaube ich, unbestritten, dass es wahrscheinlich zur Verteidigung dessen, was uns wichtig ist, auch Dinge braucht, die dafür eingesetzt werden könnten. Ich sage nicht müssen, aber könnten. Und dass, ich sage es mal in meinen Worten, mancher Straßenschläger, der da so in der Welt unterwegs ist, vielleicht sich davon auch beeindrucken lässt und besser keine Schlägerei anfängt. Also die Verteidigungsfähigkeit dieses Landes mit zu unterstützen, mit diesen Produkten – U-Boote, Fregatten, Korvetten. Der Elektronikseite, die da auch mit dazugehört, die wichtiger wird. Das ist wie im Auto auch, die Software wird immer wichtiger, die Technik wird immer wichtiger als das Produkt selbst. Das ist schon ein Privileg. Das ist auch etwas, was uns motiviert. Wo wir auf der Werft, glaube ich, auch einen Stolz haben. Und ich muss da auch keine großen Purpose Diskussionen anfangen, was man jetzt alles, warum man arbeiten gehen sollte und wofür das gut ist. Die Menschen wissen, dass wir die Dinge herstellen, die die Menschen brauchen, die sich verpflichtet haben, bei der Marine unser Land, auf der Seeseite zumindest, zu schützen. Und das ist schon ganz schön gute Motivation.

Ich glaube auch bereits die Römer sagten ja schon: Möchtest du Frieden, musst du den Krieg vorbereiten. Und das ist ja ein bisschen, was du da schilderst, auch das Signal nach außen zu sagen: Wir sind vorbereitet, wir sind bestens vorbereitet. Und ich finde, auch gegenüber den Kameradinnen und Kameraden der Bundeswehr gehört sich das auch, denen zu sagen, das ist das beste Equipment, das ihr bekommen könnt.

Und was auch ganz wichtig für mich als Wirtschaftsminister ist, ist natürlich das Thema Innovation. Wenn man im Bereich der Wehrindustrie entwickelt, dann kommen natürlich auch sehr viele Innovation dabei auch raus. Dafür seid ihr ein Paradebeispiel. Und ich finde, gerade weil du das ja etwas bescheiden beschrieben hast, junge Menschen, die einmal bei euch auf der Werft gewesen sind und das gesehen haben, die träumen dann, glaube ich, auch davon, ein Teil dieser smarten Technologien, das Ganze mit zu schaffen. Und das ist auch gut, dass wir einen anderen Blick bekommen haben. Was zeichnet denn jetzt eure Produkte aus im Vergleich zur Konkurrenz?

Also, ich möchte vorwegstellen: Auch andere können U-Boote und Schiffe bauen. Das heißt, wir leben gar nicht davon, dass wir sagen, was wir, was die anderen nicht können, sondern ich glaube, wir können ziemlich stolz auf das sein, und das ist auch das Ziel deiner Frage, was wir können. Was haben wir? Wir haben eine Brennstoffzelle, eine Außenluft unabhängige Antriebsart, die wiederum die Batterien speist, die wiederum den Fahrmotor, der elektrisch und auch per Diesel vorliegt, weiter vorantreibt. Das haben andere nicht so. Das ist beim U-Boot sehr wichtig, dass man keinerlei Geräusche macht, So ein bisschen wie beim Podcast hier keine Nebengeräusche bitte. Das möchte das U-Boot auch nicht. Und das ist natürlich für die Fähigkeit, die in der Regel verlangt wird, von einem U-Boot mit das Wichtigste. Wie leise kann ich den Antrieb, die Fortbewegung, all das organisieren, was an Bord stattfindet, was gar nicht so sehr – und das ist immer so das Bild, ich denke da immer noch an das Boot und geben Vollgas und Angriff und über Wasser usw. Ein U-Boot möchte nicht gesehen werden. Das ist das Ziel. Möchte nicht gehört werden. Vor allen Dingen weil Wasser wunderbar alle Geräusche überträgt. Also muss es sehr leise sein. Dafür haben wir einzigartig, in dieser Form hat es kein anderer, ein Angebot für alle die, die das haben wollen bzw. die es sich leisten können. Ganz billig ist es auch nicht. Das zweite ist.

Allerdings die Frage direkt oder die Anmerkung: Ohne ist auch nicht billig.

Ohne könnte billiger werden – erst recht, wenn man sie verliert, genau.
Das Zweite, was glaube ich die tkms auszeichnet, und ich will das nur noch mal sagen: Wir sind mittlerweile die größte Werft in Deutschland. Viele denken da an Meyer, aber jetzt reden wir heute nicht über Meyer, weil das ist ein anderes Thema und mehr Niedersachsen. Aber wir sind die größte Werft in Deutschland. Das bedeutet, wir haben auch eine gewisse Verantwortung da. Wir könnten, denke ich, wahrscheinlich weiter wachsen, weil die Nachfrage nicht nur aus dem Inland, sondern auch aus dem Ausland sehr groß ist. Und ein Stück des Weges gehen wir ja auch jetzt, indem wir in Wismar einen neuen Standort aufbauen, der ähnlich wie Kiel in der Lage sein wird, U-Boote zu bauen, und zwar komplett von Anfang bis Ende. Dafür braucht man technische Investitionen, entsprechende Maschinen. Man braucht die Menschen dafür. Das wird alles bis 2027 stattfinden und dann unser Werften-Verbund noch mal weiter ergänzen. Warum ich das erwähne ist auch, weil ich glaube, das dürfen wir ja auch als Steuerzahler alle miteinander sagen, ich wünsche mir natürlich, dass der Bund nicht zu viel zahlen muss. Und so viel wir verdienen können geht auch nicht, weil da gibt es klare Begrenzungen. Das öffentliche Preisrecht ist nicht so flexibel wie der freie Wettbewerb. Es ist auch völlig okay, ja. Aber am Ende ist es schon wichtig, dass diese Firma vielleicht ein Teil von etwas Größerem wird in Deutschland. Man könnte national konsolidieren, man könnte aber auch europäisch konsolidieren. Jetzt komme ich dazu, warum eigentlich alle in Europa zu viel zahlen. Wir haben 26 verschiedene Fregatten- Typen zum Beispiel. Das sind viel zu viele. Jedes Land leistet sich seinen eigenen Marinestandort, seine eigene Firma, die Boote nicht U-Boote, aber überwiegend Überwasserschiffe baut. Man könnte das konsolidieren. Das hat es schon mal gegeben. Das hat sogar funktioniert. Und zwar in der Luft. Da nannte sich das Airbus. Ob wir jetzt beim Seabus irgendwann landen, das weiß ich noch nicht. Aber wir könnten, und das wäre von Kiel aus alles möglich, tatsächlich die Zentrale eines etwas größeren, noch größeren deutschen oder gar europäischen maritimen Verteidigungsindustrie-Unternehmens werden. Und ein bisschen träumen darf man ja auch noch bei allem, was gut läuft aktuell. Man muss ja auch Ziele haben. Und das wäre eines der Ziele gesund weiter zu wachsen, nicht zu übertreiben, nicht den Fehler zu machen, wenn man gerade mal sehr gute Zeiten hat. Wir hatten auch schlechte, dann schon im Überschwang irgendwelche Sachen zu beschließen und zu machen. Das kannte man auch aus dem alten Rom: Die größten Bauten entstanden kurz vor Untergang. Ja, das wollen wir alles nicht. Wir wollen solide weiterwachsen. Das ist ein solides Geschäft. Solide, anständige Menschen, mit denen man das machen kann. Und das ist unser Ziel.

Ich glaube aber, du sprichst tatsächlich einen ganz wichtigen Aspekt an, ich hatte auch mit der dänischen Regierung Kontakt aufgenommen. Tatsächlich, weil ich hörte, die wollen auch Werften bauen, um Schiffe zu bauen. Und das macht durchaus mehr Sinn, dass man einfach schaut, wer kann welche Komponenten in was einbringen. Wie können wir als Europäer stärker werden? Ich glaube, Amerika zeigt uns ja gerade, wie wichtig das ist, dass wir jetzt zusammenhalten, dass wir jetzt ein starker Markt sind, der dann auch interessant ist, damit man eher auch bereit ist, mit uns zu reden, auf Augenhöhe. Deswegen: Ich finde die Idee sehr gut. Andererseits wird da auch die eine oder andere Befindlichkeit noch im Spiel sein. Da müssen wir dann miteinander, für uns alle, letztendlich einen Weg finden. Ich weiß auch, weil ich bei euch war, dass ihr ja auch was tut im Bereich der Räumung von Munition in anderen Schiffsarten, weil wir jetzt quasi fast nur von U-Booten gesprochen haben. Du hast jetzt auch die Fregatten angesprochen. Was macht ihr denn so alles?

Ja, also tatsächlich die nächstgrößere Einheit nach den U-Booten sind Korvetten, Fregatten. Dort ist ein großes Projekt die F 127, das ist eine Luftverteidigungsfregatte, die gibt es so noch nicht im Marineverbund, die aus Sicht der Marine notwendig ist, spätestens 31 32 im Zulauf zu haben. Die wollen wir zusammenbauen mit Lürssen. Dafür haben wir eigens eine Firma gegründet und würden die auch in Hamburg, das ist unser Überwasser-Engineering Standort, ehemals Blohm und Voss. Da sind noch Teile von übrig, und eben in Wismar bauen. Was jetzt hinzukam, auch kurz vor Weihnachten, war die Auftragsvergabe für die Polarstern zwei, ein Expeditionsschiff. Kennen vielleicht einige der Hörerinnen und Hörer, weil sie haben mal im Eis einfrieren lassen, ein halbes Jahr lang, dann mit der Eisscholle getrieben sind. Und man muss sich das vorstellen, wie eine große Stadt im Prinzip auf einem Schiff, die dann in der Lage ist, sechs Monate autark bei den widrigen Bedingungen des arktischen Winters irgendwie weiter voranzukommen, zu forschen, zu entwickeln. Was immer sie da alles als Wissenschaftlerin und Wissenschaftler machen. Das ist ein toller Auftrag, weil er sicherlich Komponenten sogar hat, glaubt man erstmal nicht, die man auch in der Verteidigungsindustrie findet. Sensoren, insbesondere auf einer Fregatte, Korvette sind auch unter anderem in so einem Polarstern 2 Projekt mit verbaut. Unsere Kompetenz, die wir haben dort, kann ich nutzen. Das war wahrscheinlich auch das überzeugende unseres Angebotes, da haben mehrere darauf geboten. Und ist ein, wie soll ich sagen, die andere Seite der Nachhaltigkeit. Also, wenn Frieden sichern nachhaltig ist, wo ich erst mal sagen würde, das stimmt, dann ist es natürlich auch genauso die Klimaforschung, der Umweltschutz ebenfalls etwas, was nachhaltig ist. Deswegen freuen wir uns sehr, dass wir das machen können. Ein weiteres Projekt hattest du angesprochen. Wir stellen auch Torpedos her für U-Boote. Das heißt, wir kennen den Umgang mit explosiven Stoffen und das kann man natürlich auch von der anderen Seite betrachten, indem man das, was unter anderem hier in unserer Ostsee verklappt wurde, nach dem Zweiten Weltkrieg, dringend bergen sollte, sogar müsste. Und wir könnten dann also mit einer von uns entwickelten Munitionsentsorgungsplattform, denn diese Munition direkt auf dem Wasser nicht nur bergen, sondern auch entschärfen, sortenrein trennen und dann quasi wirklich entschärft und damit harmlos und ungefährlich an Land bringen, um dann dementsprechend die Entsorgung durchzuführen. Die Finale.

Was übrigens ein richtig großer Schritt nach vorne wäre, weil heute wird das aus dem Wasser geholt. Das ist in der Tat ein riesige Innovation, das direkt auf dem Wasser zu tun. Heute ist es glaube ich so, dass das direkt nach Niedersachsen gebracht wird.

Ja, das wird, wie du sagst, nach Niedersachsen gebracht. Die Munition ist noch scharf, wird dann an Land gebracht, darf nicht durch den Elbtunnel fahren, ist verboten, muss außen rum und wird dann in Munster quasi kontrolliert gesprengt. Das geht besser. Wir glauben mit unserer Plattform, die wir da anbieten, auch einen guten Weg gefunden zu haben. Jetzt ist noch ein bisschen die Frage: Wie kommen die Mittel zustande dafür? Denn wir sind ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Wir können jetzt natürlich etwas entwickeln. Aber wir brauchen natürlich auch eine entsprechende Nachfrage. Und so mühsam nährt sich das Eichhörnchen, bis man irgendwann mal die Summe hat, die notwendig wäre, um die erste Munitionsentsorgungsplattform dann auch tatsächlich in Betrieb zu nehmen.

Du sagtet es, es stammt in großen Teilen aus dem Zweiten Weltkrieg, es ist allerdings ein weltweites Thema. Das heißt, das ist auch ein echtes Geschäftsmodell. Ja, jetzt ist viele Jahre geforscht worden. Ich glaube, ein Modell könnte einfach eine Preisentwicklung sein und sagen, das ist das, was man für eine Tonne bekommt und dann müssen Unternehmen schauen, kann ich mir dieses Geschäftsmodell umgehen? Natürlich muss der Preis realistisch für beide Seiten sein. Euer Hauptsitz ist ja in Kiel. Liegt es ausschließlich an der Nähe zum Wasser, was ja durchaus notwendig ist? Oder sprechen auch andere Gründe für Schleswig-Holstein?

Also, der Hauptgrund ist sicherlich natürlich die Nähe zum Wasser. Gäbe es aber auch noch an anderen Ecken. Es sind die 180 Jahre Howaldtswerke HDW, die damals sicherlich den Grundstein gelegt haben für das, was wir heute haben. Und man darf auch mit berechtigten Argumenten davon ausgehen, dass man hier eine Kompetenzvermutung hat. Was den U-Boot-Bau angeht. Und deswegen nicht nur die vielen Jahre, sondern eben auch jetzt in der Neuzeit natürlich eine Belegschaft, die so gut wie kein anderer Ort in Deutschland dieses Produkt kennt.

Du bist ja gebürtiger Frankfurter und du hast lange Zeit in Mainz gelebt. Und, du hast es ja eben auch beschrieben, deine vielen Reisen zwischen Essen, Berlin, Kiel. Was gefällt dir denn besonders an Schleswig-Holstein? Und ich könnte auch dranhängen. Was müssen wir eigentlich dafür tun, dass wir dich jetzt so quasi 100 % in unser schönes Bundesland bekommen?

Also, habt ihr ja schon geschafft, mich geködert, mit einer spannenden Aufgabe. Damals, als das alles losging, fragte man sich: Wo wird man arbeiten, was wird man tun? Und wir waren immer entschlossen, unsere Homebase sozusagen, im Rhein-Main-Gebiet zu halten. Jetzt haben wir aber ein leeres Netz zu Hause. Kinder sind weg, also Dinge sozusagen entstehen noch mal neu in der Diskussion. Ich finde das schon schön hier. Lass mich das bitte so sagen. Das ist eine sehr, sehr schöne Ecke Deutschlands.

Unser Wein ist vielleicht nicht ganz so auf dem Level.

Das sei euch entschuldigt, das liegt auch ein bisschen am Klima, fürchte ich.

Ich bin auch Tourismusminister. Also alle, die jetzt von außerhalb Schleswig-Holsteins kommen, damit ist gemeint, dass wir hier durchaus ein sehr angenehmes Klima haben, aber nicht unbedingt weintauglich.

Nein, genau. Mein Großvater war Winzer und Eisenbahner. Also die Kombination gibt es auch selten. Aber tatsächlich war das so und deswegen weiß ich, wie anstrengend Weinbau sein kann, weil er das immer in seiner Freizeit gemacht hat. Und er wollte mir die auch vermachen, aber das war nie eine Option. Und es ist wirklich ein harter Job. Das stimmt. Der wäre auch hier oben zu machen, wenn die, wie soll ich sagen, die Voraussetzungen, dass hier ein Klima-Gunstgebiet für Wein wäre, etwas größer wären.

Vielleicht liegt es auch an den schleswig-holsteinischen Bergen. Dass es hier nicht so viel Weinhang gibt. Daniel Günther hat mich seinerzeit auch geködert, indem er sagte: Claus, wir brauchen einen krisengewohnten Minister, wir brauchen jemanden aus der Wirtschaft und du musst auch gar nicht nach Schleswig-Holstein ziehen. Heute lebe ich in Schleswig-Holstein und wohne auch hier. Kannst du dir auch vorstellen, dass man uns quasi so halb anködert? Und wenn man dann erst mal hier ist, eines Tages, dass du deine Frau überredest und sagst: Komm doch her.

Das will ich nicht ausschließen. Nein, das kann ich mir vorstellen, dass das passieren kann. Das kommt jetzt ein bisschen darauf an, nicht weil wir Krise können, glaube ich das. Ich arbeitete 13 Jahre bei ThyssenKrupp. Kann ich mit Fug und Recht behaupten, ich kann Krise. Ich würde eher sagen, diese Aufgabe und das ist so, man muss ja ehrlich miteinander sein, manche Manager reklamieren für sich, sie wollen eine Work-Life-Balance haben und es soll alles irgendwie so ausgeglichen sein usw. Ab einem bestimmten Punkt ist diese Balance ein bisschen verschoben und Arbeit vielleicht sogar mehr als das halbe Leben, obwohl man das immer so langläufig sagt. Für mich ist das eine super spannende Aufgabe, allein die reizt mich schon. Und wenn es dann drumherum noch nett ist, was es ist und sehr schön, dann ist das umso besser. Aber wäre das jetzt woanders, wäre das auch kein Kriterium gewesen, mich davon abzuhalten. Umgekehrt ist es aber nur weil es hier ist, erst recht kein Kriterium, mich davon abzuhalten, sondern ich möchte diese Aufgabe wahrnehmen. Und das ist das, auf das ich mich jetzt konzentriere.

Ich glaube, als CEO von einem Konzern mit einigen 1000 Mitarbeiter direkt unter sich ist das gut nachvollziehbar mit der Work du sagtest Work-Life-Balance, hier bei uns heißt ja Work-Beach-Balance.

Ich habe davon gehört.

Und was machst du denn, wenn du gerade dann nicht gestresst U-Boote zusammenschweißt?

Gott sei Dank lässt mich niemand U-Boote zusammenschweißen. Das würde in einem Desaster enden.

Aber ich habe doch vorher gesagt, eigentlich kann das jeder wegen der Brille.

Ja, ja, ja. Man kann durch die Brille erkennen, wo man die Schweißpunkte setzen muss. Aber man muss es dann trotzdem noch machen. Und das überlasse ich lieber den Expertinnen und Experten. Was mache ich in meiner Freizeit? Also tatsächlich war da gar nicht so viel übrig, die letzten zweieinhalb Jahre durch diese beiden Doppeljobs, durch das Hin- und Herfahren, weil das Reisen fand in der Regel abends oder in die Nacht statt.

Doppeljob musst du kurz erklären. Ich weiß es, du hast es quasi eben vorher gesagt. Was war denn der Doppeljob?

Genau. Danke, danke. Der Doppeljob war, dass ich sowohl Konzernvorstand, Personalvorstand zwischendrin auch mal für IT, für legal, also für Recht und andere Themen – Konzernsprachen sind immer Denglisch. Und auch der CEO der tkms. Und heute habe ich das Privileg, wenn ich das so sagen darf, nur noch der CEO der tkms zu sein, um mich ganz darauf zu konzentrieren. Du fragtest nach Hobbys. Will nicht sagen, dass ich, wenn ich nichts zu tun habe, in ein Hobby-Loch falle. Aber ich bin eigentlich ganz froh, dass ich die Zeit mit meiner Familie verbringen kann. Wir haben einen Hund, der beschäftigt uns. Was das Thema „Geh mal vor die Tür und beweg dich mal“ angeht. Und ansonsten gar nicht so spektakulär, weil es ist nicht mehr viel Zeit übrig gewesen. Das kann sich jetzt ändern. Fahr gern Boot. Das tue ich tatsächlich. Solche Sachen. Aber da weiß ich, wie kurz das in den letzten zweieinhalb Jahren gekommen ist. Und noch mal: Das ist kein Beschweren. Wir kriegen dafür auch eine ordentliche Bezahlung. Man weiß es vorher. Besser ist, man weiß es vorher, dass man eben zwar sich sehr einsetzen kann, dass viele Leute in einer Work-Life oder wie du sagst, Work-Beach-Balance leben, aber trotzdem ist das Aufwand und was zu tun. Gerade als Personalvorstand in der Firma, die in den letzten Jahren deutlich geschrumpft ist, die viele Restrukturierungen hatte, erfordert das auch eine gewisse Sensibilität und auch einen hohen Einsatz. Den darf man dabei nicht ganz verkennen.

Wir sind ja hier beim Zukunftstalk und ich hätte eine letzte Frage an dich: Wir stellen uns jetzt vor, zehn Jahre später gebe ich Oliver die Chance, dem zehn Jahre jüngeren Oliver anzurufen. Was würdest du ihm denn sagen?

Ich würde ihm sagen: Hör mal mit dem Rauchen auf, du Blödmann. Dann würde ich sagen: Sieh zu, dass du ein bisschen abnimmst. Das ist alles förderlich für die zehn Jahre später dann, ja.

Und sei nett zu Claus.

Sei nett zu Claus – wüsste ich wahrscheinlich schon. Müsste ich gar nicht noch mal sagen. Ich würde nett sein zu dir. Auch dann, wenn ich zehn Jahre zurück wäre. Aber. Also der Mensch wird ja nicht irgendwie 80 oder so im Schnitt, wenn er rückwärts nicht ein bisschen verklärt wäre auch. Und dass alles in der Vergangenheit gar nicht so schlecht war. Und heute ist halt alles so kompliziert. Und deswegen sage ich, wird wahrscheinlich gar nicht so viel anders machen. Ich muss mir nichts vorwerfen, Ich habe keine kein schlechtes Gewissen, sondern bin froh. Und da bleibe ich bei. Und das will ich versuchen auch vorzuleben, dass ich immer Leute hatte, die an mich geglaubt haben. Und manchmal braucht es so jemand auch, weil man natürlich ins Zweifeln kommt. Erst recht, wenn du jünger bist und noch nicht vielleicht ganz so lebenserfahren, noch nicht alles so einmal durchlebt hast. Das hilft dann schon, deswegen mit guten Ratschlägen sowieso immer zurückhalten. Das sind auch Schläge, wie man weiß.

Und wenn ich neben dir dastehen würde, in zehn Jahren und mit dem Telefonat, dann würde ich dem Oliver von heute sagen: Richtige Entscheidung, hierherzukommen. Großartig auch in Richtung der Konzernspitze in Essen, dass sie mit dir den richtigen Mann, wie ich finde, für uns hier im echten Norden gefunden haben. Der versteht Innovation und Forschung gleichzeitig mit der Motivation der Menschen, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier vor Ort. Das ist ein echtes Leuchtturmunternehmen hier für uns in Schleswig-Holstein. Etwas worauf, wir wissen es ja alle, Schiffsbau ist DNA, da sind die Leute so stolz drauf und es ist eine große Freude, dass sie so erfolgreich unterwegs sind. Wir freuen uns immer über internationale Gäste, die hier ihre Produkte abholen. Schön, dass du heute da warst, dass wir ein bisschen darüber haben erfahren können. Und ja, für einen jungen Menschen kann ich euch nur sagen vielleicht einen Moment sich damit beschäftigen, was da alles an Ausbildung möglich ist, was dort alles passiert. Man kann sich ja vorstellen, wenn ein Konzernchef, der viele Jahre in der Gewerkschaft in dem Thema Personal unterwegs war, dass man hier auch beste Arbeitsbedingungen vorfindet. Danke, dass du hier warst, Oliver.

Vielen Dank für die Einladung. Danke, Claus.