Die Gewinner stehen fest

Schleswiger „Laromed“ lässt Matratzen sprechen und gewinnt das StartUp-Camp 2018

Eine Woche lang haben über 30 Jungunternehmerinnen und -unternehmer mit Profis an ihren Geschäftsideen getüftelt und gefeilt – dann hatte am späten Abend die Jury das Wort: Das Schleswiger Unternehmen LAROMED GmbH ist Gewinner des diesjährigen StartUp-Wettbewerbs der schleswig-holsteinischen Landesregierung.

„Die beiden Gründer Clemens Winter und Günter Nieuwenhuis haben über ein elektronisches Verfahren eine Art intelligente Matratze entwickelt, die rund um die Uhr Druckpunkte messen und auswerten kann. Damit liefert das Konzept wichtige therapeutische Ansätze und könnte einen gewaltigen Qualitätsschub in der medizinischen Pflege auslösen“, sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz bei der Preisverleihung in Lübeck. Das habe sowohl ihn als auch die anderen Jury-Mitglieder überzeugt.

„Wir haben nicht wirklich daran geglaubt, dass wir bei diesem guten Bewerber-Umfeld so weit kommen – umso glücklicher sind wir über den Preis und packen nun entschlossen die nächsten Schritte unserer Unternehmensgründung an“, sagte Winter. Der 34-jährige Maschinenbauingenieur stammt wie sein Geschäftspartner Nieuwenhuis aus Schleswig und führt in der Schleistadt bereits eine weitere Firma. Mehr zu Laromed: hier

Den zweiten Platz belegte das aus Wedel im Kreis Pinneberg stammende Unternehmen „elbWalker“ mit der Entwicklung eines erweiterten E-Commerce-Tracking, mit dem etwa Daten für Marketing-Kampagnen online besser überwacht und gesteuert werden können. Mehr zum Unternehmen hier

Den dritten Preis erhielt das Kieler Jung-Unternehmen „Instrument of Things“, dessen Gründer neuartige Interaktionsmöglichkeiten zwischen Musik-Künstlern und deren Publikum entwickeln. Mit seinem Produkt möchte das Unternehmen das Steuern von Musikinstrumenten mithilfe von unterschiedlichen Sensordaten ermöglichen. So können Künstler neuartige Performances durch die Symbiose von Bewegung und Klang entwickeln. Desweiteren kann das Publikum eingebunden und somit eine interaktive Performance geschaffen werden. Ihr Produkt soll planmäßig im Mai 2019 fertiggestellt werden und auf den Markt kommen. Mehr zu dem Kieler Startup: hier

„Alles in allem waren alle neun vorgestellten Konzepte durchweg gut und förderungswürdig“, sagte Wirtschaftsminister Buchholz. Aber die Jury habe sich nun einmal auf drei Sieger festlegen müssen.

Partner und Sponsoren des StartUp-Camps 2018 sind neben dem Lübecker Medizin-Technik-Konzern Dräger die internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC, der Lübecker Software-Hersteller Mach AG, die Lübecker „tec.tous UG“, die Hamburger Firma „Digital Hub Logistics“ sowie die  Patent-Verwertungsagentur Schleswig-Holstein. Die Preise sind mit 1.300 bis 3.000 Euro dotiert – zusätzlich erhalten die Gewinner umfangreiche Beratungspakete. Den Sonderpreis, einen einwöchigen Aufenthalt in Dubai und Singapur inklusive des Besuch von dortigen StartUps, erhielt ebenfalls das Kieler Unternehmen „Instrument of Things“.

Wie Buchholz vor den rund 150 Zuschauern des Abschluss-Wettbewerbs beim Dräger-Konzern sagte, hatten in dem einwöchigen Camp insgesamt neun junge Unternehmen zwischen Flensburg und München die Chance genutzt, um mit Profis an ihrer Geschäftsidee zu feilen. „Auch wenn wir uns mit jährlich knapp über 12.000 Firmen-Gründungen in Schleswig-Holstein sicher nicht mit Berlin oder München vergleichen können, so liegen wir bei der Gründungsintensität unter den Flächenländern nach Hessen und Nordrhein-Westfalen bundesweit immerhin an dritter Stelle“, so Buchholz.

Draeger-Vorstandsmitglied Anton Schrofner zeigte sich von den Geschäftsideen der Teilnehmer ebenfalls begeistert: „Es ist uns deshalb wichtig, eine tolle Initiative wie das Startup-Camp zu unterstützen, denn auch Dräger als technologiegetriebenes Unternehmen profitiert davon, wenn gute Ideen zu ausgereiften Lösungen werden.“ Vernetzung und Know-how-Transfer sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens sei ein wichtiger Faktor, wenn auch Dräger als innovatives Unternehmen fortbestehen wolle. „Von Startups wie den heutigen Preisträgern, können wir lernen, Dinge aus neuen Blickwinkeln zu betrachten und mit Begeisterung an den Lösungen von morgen zu arbeiten“, so Schrofner.

Ein wichtiger Zukunftsbaustein, so Wirtschaftsminister Buchholz, sei auch die Förderung und Begleitung des Netzwerks „StartUp Schleswig-Holstein“ mit insgesamt 6,8 Millionen Euro bis zum Jahr 2021 durch das Land. In dem Netzwerk seien mittlerweile 18 Unternehmen, Hochschulen und hochschulnahe Einrichtungen zusammengeschlossen. „Wenn wir die Herausforderungen der Zukunft wie etwa die Digitalisierung meistern wollen, dannn brauchen wir eine Gründerkultur im Land, die dazu führt, dass unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft keine einzige gute Idee verloren geht“, so Buchholz. Sämtliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer des StartUp-Camps hätten dabei eindrucksvoll belegt, dass dies möglich sei.

Unterdessen hat die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC eine Studie vorgelegt, wonach die Landeshauptstadt Kiel mit ihrem Umland bundesweit den höchsten Anteil an Existenzgründern verzeichnet, die für 2018 ein Umsatzwachstum erwarten.  Für das laufende Jahr erwarten den PwC-Zahlen zufolge 82 Prozent der jungen Unternehmen im Kieler Raum ein Umsatzplus – und zwar durchschnittlich um acht Prozent.

Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt liegt die Quote der Unternehmen auf Wachstumskurs lediglich bei 67 Prozent. Auch personell wollen die Gründer im Raum Kiel in den kommenden zwölf Monaten spürbar wachsen: Zwei Drittel planen, ihre Belegschaft aufzustocken, im Schnitt um neun Prozent – auch diese Werte liegen über Bundesdurchschnitt von 61 und acht Prozent. Bundesweit wurden für die Studie 1000 Start-ups befragt, darunter 50 aus dem Raum Kiel.

Trotz der positiven Zahlen sei es enorm wichtig, „dass Wirtschaft und Politik sich weiter aktiv für die Standortattraktivität im Norden einsetzen“, sagt Andreas Focke, Leiter des PwC-Standorts in der Landeshauptstadt. Zwar verzeichne die Region Kiel seit Jahren eine zunehmende Ansiedlung von Unternehmensgründern. „Doch nach wie vor“, so Focke, „ist die Gefahr groß, dass erfolgreiche Gründer in Metropolen wie Berlin oder Hamburg abwandern – dorthin also, wo die Dichte an Tech-Talenten, Investoren und anderen Unternehmen zum Wissenstransfer höher ist.“

 

Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein