Student:innen Aufgepasst!

Land legt für Gründer noch eine Schippe drauf.

Frischer Rückenwind für ideenreiche und geschäftstüchtige Hochschul-Absolventen im echten Norden: Nachdem sich Schleswig-Holstein im bundesweiten Gründungsmonitor der KfW-Bankengruppe seit 2017 bereits von Rang 10 auf Platz 3 hochgearbeitet hat, legt Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz nun noch einmal nach. Das 2016 vom Land eingeführte Gründungsstipendium geht bis 2027 in die Verlängerung. Damit können junge Akademikerinnen und Akademikern in der Phase der Gründung eines Unternehmens weiterhin einen Zuschuss von monatlich bis zu 1.750 Euro für maximal ein Jahr erhalten. „Die bisherigen Zahlen und Erfolge, immerhin 39 Gründungen mit über 100 neuen Arbeitsplätzen belegen eindrucksvoll, dass dieses Geld sehr gut angelegt ist“, sagte Buchholz heute in Kiel. Besonders erfreulich sei, dass der Frauenanteil unter den Stipendiaten mit 21,1 Prozent klar über dem Bundesdurchschnitt liege.

Wie der Minister weiter sagte, habe sich die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Wirtschaft und Verwaltung in den letzten Jahren deutlich verbessert: „Dank unserer Wirtschaftsförderer von der WT.SH, aber auch durch Einrichtungen wie dem Zentrum für Entrepreneurship an der Uni Kiel oder dem Lübecker Start-up-Beschleuniger „Gateway 49“ sind wir inzwischen zum gründungsaktivsten Flächenland Deutschlands aufgestiegen – dieses Niveau wollen und werden wir halten“, versprach Buchholz. Für die Neuauflage des Stipendiums setze sein Haus 2,7 Millionen Euro ein.

Hier ein Livestream des heutigen Pressegesprächs:
https://www.facebook.com/100009385987671/videos/1018388469009404/

Als besonders gründungsfreudig haben sich in den letzten Jahren die Absolventinnen und Absolventen der Universitäten Kiel und Flensburg gezeigt. Zu ihnen gehört der Flensburger Johann Olsen mit seinem Start-up „IO-Dynamics“. „Schon in meiner Zeit als Elektrotechnik-Student an der Kieler Uni hatte ich mit Kommilitonen aus dem Bereich Informatik die Idee, einen kleinen Fiat zum E-Auto umzubauen. Immerhin hatte einer meiner späteren Mitgründer schon mal eine Playstation erfolgreich in seinen alten Mercedes eingebaut“, erinnert sich Olsen. Als die studentische Bastelei später in die konkrete Gründungsphase überging, sei das Gründungsstipendium seine erste Wahl gewesen: „Ohne dieses Geld und die damit verbundene Gewissheit, zumindest immer was im Kühlschrank zu haben, hätten wir uns sicher nicht mit dem nötigen Nachdruck um die Gründung kümmern können“, sagt der 31-Jährige. Heute beschäftigt Olsen in seiner Firma zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die erfolgreich Software für Ladevorgänge von Elektroautos entwickeln und vertreiben.

Ähnlich erging es Carl-Felix Lentz aus Steinberg (Kreis Schleswig-Flensburg) mit seinem Tiny-House-Unternehmen „noordsk.studio“. In seinem Betrieb geht es naturverbunden zu. Der gelernte Tischler und ehemalige Skandinavistk-Student wusste nach einer Auslands-Zeit in Norwegen vor allem eines: „Ich wollte nicht immer nur für andere arbeiten“, so der 34-Jährige. Der Wunsch einer befreundeten Designerin nach einer Unterkunft im Grünen gab den Anstoß, Gesundheit und Ökologie mit Design zu verbinden und Rückzugsorte in der Natur zu schaffen. Das Ergebnis: edle kleine Holzhäuser als neues Angebot für den Individualtourismus. „Die finanziellen Mittel aus dem Gründungsstipendium war dabei neben dem Seed- und Startup-Netzwerk tragender Faktor, das erste Modell marktfähig zu machen“, sagt Lentz. Auch er beschäftigt heute zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 

Nach Angaben von Start-up-Teamleiterin Dr. Annelie Tallig von der WT.SH wurden seit 2016 in Schleswig-Holstein insgesamt 39 Gründungsteams mit 95 Stipendiatinnen und Stipendiaten gefördert. Durch die Vorhaben wurden insgesamt 127 Arbeitsplätze geschaffen. Zwei Drittel der Gründungsvorhaben hatten ihren Fokus dabei auf Digitalisierung, knapp ein Drittel auf dem Thema Nachhaltigkeit. Hauptbranchen seien Software-Anwendungen (54 %), Handel & Dienstleistungen (36 %) sowie Energie und Umwelt. „Viele Ideen sind bis zur Marktreife auf den Weg gebracht, viele Start-ups gegründet worden. Die Fortsetzung des Förderprogramms ist also ein gutes Aufbruch-Signal für die Gründerinnen und Gründer im Land“, sagt Tallig.