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„Alles geht, nichts muss.“

im Gespräch mit Maike Rotermund

Maike Rotermund von ORION wollte niemals das Unternehmen ihres Vaters übernehmen. Heute ist sie glücklich, mit dem legendären Erotikversand immer wieder positive Standards setzen zu können. Selbst an der Entwicklung einer ISO-Norm für Sexspielzeuge war man beteiligt. Claus Ruhe Madsen interessiert neben der Produktentwicklung auch, wie man in der Region Fachkräfte aufbaut. Eine Folge, die zeigt, was Menschen berührt. Viel Spaß beim Reinhören.

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00:00:01,280 --> 00:00:37,660 [Claus Ruhe Madsen]

Sie wollte nie, nie, nie in das Unternehmen ihres Vaters einsteigen. Heute steht sie dennoch an der Spitze des Erotik-Versandhandels Orion in Flensburg. Das Unternehmen verschickt täglich achtzigtausend Pakete, national und international. Warum der Firmenname nicht immer glücklich ist, welche Rolle Beate Uhse spielt und welche Produkte am erfolgreichsten sind, das erzählt sie uns heute selbst. Mein Gast ist Maike Rotermund, Geschäftsführerin von Orion. Ich bin Claus Ruhe Madsen, Wirtschaftsminister in Schleswig-Holstein und du hörst den Podcast aus dem echten Norden.

 

00:00:40,100 --> 00:01:03,100 [Off]

Zukunftstalk mit Madsen. Der Podcast für alle, die Schleswig-Holsteins Weg zum ersten klimaneutralen Industrieland begleiten möchten. Es geht um das Leben und Arbeiten im echten Norden, um spannende Wirtschaftsthemen und wichtige Zukunftsbranchen. Außerdem erzählen Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner ihre inspirierenden Erfolgsgeschichten und geben Einblicke in ihre ganz persönliche Work-Beach-Balance. Viel Spaß beim Reinhören.

 

00:01:05,140 --> 00:01:27,800 [Claus Ruhe Madsen]

Vor einem Monat haben wir über Kinderspielzeuge gesprochen. In diesem Monat sprechen wir mal über erwachsene Spielzeuge. Ich hab mich sehr gefreut, dass du zugesagt hast. Finde das faszinierend. Es passt zu Schleswig-Holstein, eine starke Marke für uns. Und ja, wie ist es denn aus deiner Sicht, warum ist Orion ein unglücklicher Firmenname?

 

00:01:28,500 --> 00:03:05,269 [Maike Rotermund]

Also erst mal möchte ich sagen, herzlichen Dank für die Einladung, denn ich freue mich auch sehr, hier zu sein. Ähm, Orion ist ein sehr schöner Name und ich würde jetzt auch nicht unbedingt sagen, in erster Linie unglücklicher Name, aber wir waren damals in der Situation, dass wir einen neuen Firmennamen brauchten. Wir waren nämlich eigentlich tatsächlich zu dem Zeitpunkt noch der Beate-Uhse-Versand, gehörten aber nicht mehr zur Beate-Uhse-Gruppe. Das heißt, es wurde ganz klassisch eine Agentur beauftragt, es wurde eine Namenssuche gestartet und, ähm, mein Vater suchte damals was Internationales, also was leicht in vielen Sprachen auszusprechen ist, ähm, was sich leicht schreiben lässt. Und, äh, die Agentur schlug den Namen Orion vor und das gefiel ihm total gut. Sternbild, Assoziation, romantisch, die O's da drin fand er so schön, hat er mal gesagt. Und dann wurde es Orion-Versand. Und, ähm, das war Mitte der 80er. Und was natürlich keiner voraussehen konnte, war, dass es irgendwann mal das Internet geben würde. Und im Internet tummelte sich nicht nur eine Firma mit dem Namen Orion, sondern sehr, sehr, sehr viele Firmen weltweit fanden diesen Namen wunderschön und haben ihre Firma irgendwie in einem Namen mit Orion benannt. Und, äh, ja, so jetzt ist das so, dass wir natürlich jetzt im Internet eine gewisse Sichtbarkeit brauchen. Und wenn man heute nach Orion googelt, dann kriegt man Raumfahrtmissionen, Pharmaunternehmen, ähm, tausend andere Dinge, die Orion sind. Äh, einer meiner Kollegen wurde sogar mal beglückwünscht, dass er ja jetzt günstiger an Fernseher rankommen könnte, als er bei uns angefangen hat. Und insofern, ja, also Orion als Name ist eine Herausforderung. Ein einzigartiger Name wär sicherlich damals besser gewesen, aber ich möchte ihn hier heute nicht mehr hergeben.

 

00:03:05,269 --> 00:03:22,240 [Claus Ruhe Madsen]

Aber auch sehr eingängig, wie ich finde. Und in der Tat, wenn ein Name muss ja auch einfach sein, international sein, verständlich in der Form. Es gibt ja, ja kunstgeschaffene Namen, mit denen man dann aber auch echt Schwierigkeiten hat, sich die, die zu merken zu schreiben. Das ist gerade ja beim Googlen dann auch von großer Bedeutung.

 

00:03:22,240 --> 00:03:27,800 [Maike Rotermund]

Ja, genau. Und er hatte eben die Erfahrung gemacht mit Beate Uhse, dass dann dieser Name international natürlich schwieriger ist.

 

00:03:27,800 --> 00:03:29,540 [Claus Ruhe Madsen]

Ja, Beate Uhse.

 

00:03:29,540 --> 00:03:30,140 [Maike Rotermund]

Uhse, ja.

 

00:03:30,140 --> 00:03:50,120 [Claus Ruhe Madsen]

 Auch speziell, in der Tat, ja. Ähm, ja, nun, dann hab ich das mit dem Namen verstanden, aber dann würde ich vielleicht trotzdem das von Anfang ein bisschen aufgreifen. Wenn ich's richtig verstanden hab, wolltest du niemals im Unternehmen deines Vaters einsteigen, nicht in Schleswig-Holstein leben und keine Kinder haben. Wie sind da, wie ist es gelaufen mit deinen Vorsätzen?

 

00:03:50,120 --> 00:04:54,960 [Maike Rotermund]

[lacht] Ja, das habe ich schon mal berichtet. Also wenn ich das angucke, dann bin ich auf ganzer Linie gescheitert. [lacht] Das ist, wenn man so in der Retroperspektive ist. Ähm, ich muss zu meiner Verteidigung sagen, ich bin auf einem Dorf, äh, zwischen, also eigentlich zwischen einer Kleinstadt und einem Dorf aufgewachsen, wo der Bus dreimal am Tag vorbeikam. Und, ähm, ähm, mit einem Fam, mit einem Familienunternehmen aufzuwachsen bedeutet auch, dass man natürlich zu Hause am Küchentisch alle Höhen und Tiefen mitkriegt. Das haben ja auch schon ganz viele anderen hier im Podcast berichtet, dass es auch viel nach Hause getragen wird. Und, äh, ich hab Unternehmertum nicht immer als was Positives gesehen, sondern ich habe eben auch gesehen, dass das 'ne hohe Belastung war und auch mit vielen Sorgen mit, mit einhergeht. Und, äh, ähm, ja, und so hab ich dann sehr vermessen in mein Abiheft geschrieben: Ich möchte keine Kinder haben, bin drei Wochen, ähm, nach meinem Abitur nach England gezogen und jeder, der mich fragte, ähm, ob ich denn nicht sicherlich bei meinem Vater irgendwann mal anfangen möchte und dann eben bei Orion arbeiten möchte, hab ich gesagt: „Also das ist das Letzte auf der Welt, was ich machen möchte." [lacht]

 

00:04:55,020 --> 00:04:58,070 [Claus Ruhe Madsen]

Das ist zwar jetzt etwas persönlich, aber wie viele Kinder hast du? Also wie oft-

 

00:04:58,070 --> 00:04:59,960 [Maike Rotermund]

Ich hab zwei. [lacht]

 

00:04:59,960 --> 00:05:00,520 [Claus Ruhe Madsen]

Okay.

 

00:05:00,520 --> 00:05:05,180 [Maike Rotermund]

Ja. Ich bin ja sehr froh, dass es manchmal anders kommt, als man denkt beziehungsweise-

 

00:05:05,180 --> 00:05:11,680 [Claus Ruhe Madsen]

Ich würde auch sagen, die meisten würden nach ihr Abi irgendwas gesagt oder behauptet haben, was vielleicht viele Jahre danach dann doch nicht mehr gilt.

 

00:05:11,680 --> 00:05:13,520 [Maike Rotermund]

Ganz genau, ganz genau.

 

00:05:13,520 --> 00:05:53,660 [Claus Ruhe Madsen]

Ja, bei mir war es ja so, Daniel Günther hatte mir seinerzeit gefragt, ob ich nicht hierherkommen will als Minister. Hat gesagt: „Du musst auch nicht in Schleswig-Holstein leben. Du musst kein deutscher Staatsbürger werden und du brauchst auch nicht CDU-Mitglied werden." Ja nun gut, ein Jahr später war das alles hinfällig. Ähm, und, äh, dann sagt er bei mir mal: „Im Vorstand bräuchten man noch zusätzlich jemanden", aber man hätte genug männliche Kandidaten. Dann hab ich Daniel angeschaut und gesagt: „Wenn du mir jetzt sagst, ich muss dafür zwar keine Frau werden, dann bin ich aber hier raus." Also von daher, es ist schon interessant, was man im Leben sich vornimmt, wie das Ganze kommt. Und ja, was, ähm, jetzt haben wir, sind wir ein bisschen abgekommen. Was für Produkte habt ihr denn? Was genau ist denn Orion?

 

00:05:53,660 --> 00:06:11,916 [Maike Rotermund]

Genau. Orion ist eigentlich, man sagt ja heutzutage in der Sexual-Wellness-Branche. Das heißt, wir beschäftigen uns mit, ähm, allen schönen Dingen: Ähm, Love Toys, Wäsche, Dessous, ähm-Wir haben, äh, Drogerieprodukte, also Gleitmittel im Sortiment, aber auch Scherzartikel. Also eine sehr, sehr breite Sortimentsgruppe.

 

00:06:11,916 --> 00:06:16,576 [Claus Ruhe Madsen]

Also aber auch wirklich tatsächlich Produkte, die, glaube ich, in Teilen auch in Schleswig-Holstein entstehen.

 

00:06:16,576 --> 00:06:33,636 [Maike Rotermund]

Ja, zum, ja, unsere Gleitmittel sind tatsächlich in schleswig-holsteinischer Produktion hergestellt. Das war uns damals wichtig. Da haben wir ein Tochterunternehmen und gerade da ist es ja wichtig, dass man da die Qualität auch selber unter Kontrolle hat und, ähm, so ist es zu unserer Produktionsstätte da gekommen.

 

00:06:33,636 --> 00:06:42,376 [Claus Ruhe Madsen]

Also ich glaube, die meisten Schleswig-Holsteiner hätten wahrscheinlich dieses Sortiment beschreiben können, wobei ich eben erstaunt hingehört hab, als du sagtest Scherzartikel.

 

00:06:42,376 --> 00:07:08,256 [Maike Rotermund]

Ja, natürlich. Also zur Sortimentsabrundung gehören natürlich auch immer so Randprodukte dazu in allen möglichen Bereichen. Und, ähm, da sind auch Scherz, diese ganz klassische Scherzartikel dabei, die, äh, hüpfende, ähm, Penisse. Oder wir haben zum Beispiel ganz klassisch früher immer dieser Kugelschreiber, daran erinnern sich die meisten Leute, ähm, früher war es der Kugelschreiber, wenn man den drehte, dann zog sich die Dame aus, dann rutschte sozusagen der schwarze Balken runter und sie stand-

 

00:07:08,256 --> 00:07:12,936 [Claus Ruhe Madsen]

Das kann ich natürlich nicht erinnern, [lacht] das ist klar. Aber ich kenne einen Freund.

 

00:07:12,936 --> 00:07:14,036 [Maike Rotermund]

Ah ja, genau.

 

00:07:14,036 --> 00:07:15,416 [Claus Ruhe Madsen]

Der das berichten könnte.

 

00:07:15,416 --> 00:07:16,455 [Maike Rotermund]

All solche Dinge.

 

00:07:16,456 --> 00:07:26,756 [Claus Ruhe Madsen]

Die sind aber, glaube ich, viele Jahre aus dem Markt, oder, oder gibt es so was noch? Also das ist so eine Erinnerung, würde ich jetzt fast sagen, aus den Achtzigern oder Neunzigern gefühlt so mit so einem Kugelschreiber, der sie irgendwie sich verändert.

 

00:07:26,756 --> 00:07:32,315 [Maike Rotermund]

Ja, also, ähm, es gibt immer noch Produkte, aber die Produktgruppe hat natürlich wesentlich weniger Relevanz als es-

 

00:07:32,316 --> 00:07:38,276 [Claus Ruhe Madsen]

Wollte gerade sagen, also ich denke, diese Scherzartikel ist sicherlich kein, ähm, Cash-Cow fürs Unternehmen.

 

00:07:38,276 --> 00:07:45,796 [Maike Rotermund]

Nein, unser Hauptfokus sind tatsächlich Toys und Wäsche. Das ist wirklich das, womit wir den größten Teil des Umsatzes machen und die Gleitmittel.

 

00:07:45,796 --> 00:08:09,696 [Claus Ruhe Madsen]

Ist es nicht auch da so, dass es einen, einen Imagewandel gegeben hat, also wie, wie, äh, ein erwachsenes Publikum auf, äh, ja, Spielzeuge schaut? Oder, also von so ein, ein-- wiederum, wenn ich einen Blick rückwärts in Siebziger, Achtzigerjahre, was für ein Sortiment es da sicherlich gegeben hat und wie vielleicht heute ein solches Sortiment, auch das Dessous, was du angesprochen hast, hat, glaube ich, eine andere Qualität errungen.

 

00:08:09,696 --> 00:08:43,976 [Maike Rotermund]

Das ist, ähm, ich glaube, man kann das so beschreiben, das ist auch ein bisschen die Entwicklung, was mit den Produkten möglich war. Also über die letzten zwanzig, fünfundzwanzig Jahre haben sich natürlich auch die, die, ähm, die Möglichkeiten verbessert, was man machen kann, welche Materialien zur Verfügung stehen. Das ist teilweise eben bei den Dessous, aber auch genauso bei den Toys. Das ist ganz andere, ähm, inzwischen ist alles auf Silikon umgestellt, was natürlich auch eine ganz andere Haptik hat. Wir haben technisch andere Möglichkeiten. Also sind diese Toys sozusagen mit der Zielgruppe erwachsener geworden, moderner geworden und, äh, sehen viel, viel weniger aus als-

 

00:08:43,976 --> 00:08:47,486 [Claus Ruhe Madsen]

Also von harten Plastikprodukte zu Silikon.

 

00:08:47,486 --> 00:08:47,496 [Maike Rotermund]

Genau.

 

00:08:47,496 --> 00:08:59,116 [Claus Ruhe Madsen]

Also ich persönlich, äh, hatte ja viel mit Möbel zu tun und gelte auch als Haptiker. Ich glaube, das haben viele Menschen, dass es, man möchte natürlich, wenn man eine Ware in der Hand hält, ein sehr angenehmes, äh, Gefühl letztendlich haben.

 

00:08:59,116 --> 00:09:13,976 [Maike Rotermund]

Mm-hmm. Aber das waren die Möglichkeiten, die es damals gab. Also damals waren die, ähm, also mein Vater hat erzählt, als sie den ersten vierzig Fuß Container mit, ähm, Vibratoren eingekauft haben und das war Hartplastik, da waren die sehr, sehr stolz auf das, was sie, ähm, erreicht hatten. Und jetzt ist das natürlich, ähm-

 

00:09:13,976 --> 00:09:15,716 [Claus Ruhe Madsen]

Heute unverkäuflich quasi.

 

00:09:15,716 --> 00:09:22,956 [Maike Rotermund]

Ja, also es gibt sie immer noch, aber, ähm, ja, der Silikon ist eigentlich das Material, woraus die meisten Toys sind.

 

00:09:22,956 --> 00:09:30,796 [Claus Ruhe Madsen]

Ihr verschickt in die ganze Welt. Das heißt, ihr kauft ein in die ganze Welt, aber ihr verschickt auch in die ganze Welt. Was heißt das denn in Zahlen? Oder wie soll man das Ganze verstehen?

 

00:09:30,796 --> 00:10:24,096 [Maike Rotermund]

Ja, möchte ich gerne ein bisschen gerade rücken. Also ich würde sagen, bis zu achtzigtausend Artikel verlassen unser Haus nicht Pakete. Da arbeiten wir dran. Das wäre sehr schön, aber das noch nicht. Ähm, und wir, wir sind, ähm, wir, wir machen ein bisschen, wir sind wie der, wie das Warenhaus. Wir machen ein bisschen alles. Also wir haben selber auch eine Produktentwicklung. Wir haben einen Großhandel, der in die ganze Welt vertreibt. Und wenn ich in die ganze Welt sage, dann wirklich auch von Australien bis Kanada und Südafrika, wo wir Produkte hin verschicken. Und, äh, neben dem Großhandel haben wir auch Onlineshops, ähm, DACH-Region, also klassisch Deutschland, Österreich, Schweiz, ähm, und Dänemark kommt noch dazu. Und dann haben wir auch eigene Läden in Österreich und in Dänemark und eine Schwesterfirma, die die Läden hier in Deutschland betreibt. Die haben ungefähr hundertdreißig Läden hier in Deutschland. Also ja, wir sind überall dabei. [lacht]

 

00:10:24,096 --> 00:10:53,496 [Claus Ruhe Madsen]

Sehr sichtbar auch wenn man beim Handball ist, äh, in Flensburg sind ja die, äh, netten jungen Menschen, die dort den Boden wischen auch, äh, ja, mit ganz deutlich mit euer Werbeslogan zu sehen. Ich würde auch sagen, dass das sehr sy.., viel Sympathie in der Region hat. Aber wie gesagt, auch schon weltweit. Und, äh, dann fragt man sich, warum wolltest du unbedingt nicht in dein Vaters Unternehmen einsteigen und hast ein bisschen erklärt, weil man das zu Hause. Was hat denn den Wandel mit sich gebracht?

 

00:10:53,496 --> 00:11:08,215 [Maike Rotermund]

Ja, ich glaube, es war, ähm, wie wir das vorhin beschrieben hat, so diese, diese Vorbestimmung. Ich wollte nicht so vorbestimmt sein, wie mein Leben verlaufen würde und dann mit ein bisschen Abstand und ich habe einen sehr, sehr hartnäckigen Vater, ähm, der wirklich-

 

00:11:08,216 --> 00:11:09,956 [Claus Ruhe Madsen]

Hast du da was von schon vererbt?

 

00:11:09,956 --> 00:11:45,196 [Maike Rotermund]

[lacht] Ja, in Teilen, glaube ich. Also der ist, der hat immer wieder gefragt und er sagt: "Du darfst Nein sagen, aber du musst vorher zum Praktikum einmal hier noch mal vorbeikommen." Hatte ich ein Schülerpraktikum da gemacht. Nach dem Abi war ich einmal kurz da und er sagte immer: "Wann kommst du denn?" Ich sagte: "Nee, das passt jetzt gar nicht." Und dann nächstes Jahr sagt er: "Ja, wann kommst du denn?" Und so ging das über Jahre hinweg. Und er hat mir auch stoisch immer, ähm, alle Protokolle und Sachen zugeschickt. Also er hat immer versucht, mich einzubinden. Und irgendwann war ich einmal an dem Punkt, dass ich gedacht habe, um Himmels willen, ich habe jetzt gerade drei Monate, ich komme jetzt für ein Praktikum, dann können wir dieses Gesp-, Thema beenden und dann ist auch gut und dann will ich es auch beerdigen. Ähm-

 

00:11:45,196 --> 00:12:03,096 [Claus Ruhe Madsen]

Kannst du das heute verstehen, dass das so nachhaltig ... Also ich habe ja auch ein Unternehmen, ich habe eine Tochter. Man sitzt ein wenig mit dem Gefühl, man möchte niemanden für eine Nachfolge zwingen natürlich. Aber man hat natürlich auch ein bisschen das Wunsch, dass das, was man, das Fundament, was man gebaut hat, auf dem soll natürlich weitergebaut werden.

 

00:12:03,096 --> 00:12:30,304 [Maike Rotermund]

Das ist, glaube ich, genau das. Und, ähm,Es war tatsächlich so, dass man natürlich Unternehmen, deswegen ist es ja auch so spannend, erst wirklich versteht in ihrer Komplexität und, und was alles s-sie ausmacht, welche Menschen sie ausmachen, was alles, ähm, zu beachten und zu bedenken ist und was man alles erschaffen kann, wenn man wirklich im Unternehmen ist. Und ich hab wirklich klassisch am Anfang erst 'n Umlauf gemacht als Praktikantin und bin überall durchgelaufen durch alle Abteilungen.

 

00:12:30,304 --> 00:12:31,344 [Claus Ruhe Madsen]

Wussten die, wer du bist?

 

00:12:31,344 --> 00:12:32,844 [Maike Rotermund]

Ja, natürlich. [lacht] Ja, natürlich.

 

00:12:32,844 --> 00:12:35,863 [Claus Ruhe Madsen]

Also haben die dich auch knallhart zum Kaffeekochen geschickt.

 

00:12:35,864 --> 00:12:40,024 [Maike Rotermund]

Alles. [lacht] Alles. Und, ähm-

 

00:12:40,024 --> 00:12:41,424 [Claus Ruhe Madsen]

Das ist übrigens auch gesund.

 

00:12:41,424 --> 00:12:41,484 [Maike Rotermund]

Ja.

 

00:12:41,484 --> 00:12:45,104 [Claus Ruhe Madsen]

Das will ich einfach mal festhalten. Wenn man nicht sein Unternehmen von bis kennt-

 

00:12:45,104 --> 00:12:45,454 [Maike Rotermund]

Ja.

 

00:12:45,454 --> 00:12:54,144 [Claus Ruhe Madsen]

-dann hat man auch große Schwierigkeiten, dieses zu führen. Wenn man's selber aufgebaut hat, dann ist es ja kein Thema. Wenn man aber einsteigt, wäre es ganz gut, wenn man alle Etagen mal erlebt.

 

00:12:54,144 --> 00:13:08,424 [Maike Rotermund]

Ja, und ich bin eingestiegen mit einer perfekt funktionierenden, selbstständigen Führungsmannschaft, die mein Vater aufgebaut hatte. Also es wäre sehr vermessen gewesen, wenn ich reingekommen wär und mit meinen dann, ich glaub, 27 Jahren gesagt hätte, ich weiß Dinge besser. Also das wäre fatal gewesen.

 

00:13:08,424 --> 00:13:13,964 [Claus Ruhe Madsen]

Konnte dein Vat, äh, Vater dir noch als Führungskraft erleben oder ist er dann auch direkt aus dem Unternehmen raus?

 

00:13:13,964 --> 00:13:43,564 [Maike Rotermund]

Nein, nein, wis, ich hab noch lange da gearbeitet. Ich bin dann irgendwann, ähm, zum Ende der drei Monate hat er gesagt: "Und?" Und ich so: "Ja, also jetzt könnt ich mir das doch schon vorstellen, hier zu bleiben." Ähm, ich bin eingestiegen als Assistenz der Geschäftsleitung und ich war viel, damals wurden noch viel Protokolle geschrieben und darüber hab ich wirklich viel gelernt, weil ich in den Besprechungen saß und häufig danach erst mal zu den Führungskräften gehen musste, gerade wenn's um ei, äh, technische Themen ging und gesagt hab: "Ich hab, ich hab kein Wort verstanden. Können Sie mir das bitte noch mal erklären, weil ich nicht weiß, wie ich das zusammenfassen soll."

 

00:13:43,564 --> 00:13:49,784 [Claus Ruhe Madsen]

Aber weißt du, wie bewundernswert das ist? Die meisten Menschen lassen sich was erklären. Wenn sie's nicht verstanden, sagen sie viel Dank-

 

00:13:49,784 --> 00:13:49,844 [Maike Rotermund]

Ja.

 

00:13:49,844 --> 00:13:59,624 [Claus Ruhe Madsen]

-statt noch mal nachzufragen, weil sie möchten nicht zugeben, dass man einen Sachverhalt nicht verstanden hat. Das find ich aber genau der richtige Weg. Wenn ich etwas nicht verstehe, dann muss man's mir halt noch mal erklären.

 

00:13:59,624 --> 00:14:00,404 [Maike Rotermund]

Ja.

 

00:14:00,404 --> 00:14:06,284 [Claus Ruhe Madsen]

Ähm, du hast vorher ein, ein Wort gesagt, was mich dann doch 'n bisschen getriggert hat, nämlich Produktentwicklung.

 

00:14:06,284 --> 00:14:06,744 [Maike Rotermund]

Ja.

 

00:14:06,744 --> 00:14:14,804 [Claus Ruhe Madsen]

Und wir haben uns mal getroffen in Schleswig und da erzählst du mir von, äh, wie Produktentwicklung stattfinden kann. Kannst du das vielleicht mal alle erzählen?

 

00:14:14,804 --> 00:15:01,403 [Maike Rotermund]

Ja, ja, sehr gerne. Also Produktentwicklung, also wir haben bei uns im, im Unternehmen 'n eigenes Team, das sich sehr viel um Produktentwicklung kümmert im Toybereich und wir haben im Wäschebereich unsere eigene Wäschedesignerin. Also das sind alles unsere eigenen Designs, die wir da haben. Und, ähm, wir arbeiten aber auch genauso, also wenn man in die Produktentwicklung geht, dann, ähm, testet man ja verschiedene Dinge. Wir haben 'n 3D-Drucker, wir gucken, ob irgendwas in der Haptik funktioniert und wir haben uns aber auch einen Ruf erarbeitet über viele Jahre, weil wir uns auch externe Ideen anhören. Also wenn jemand, ähm, irgendwas erfunden hat oder eine Idee hat, dann hat er bei uns immer offene Türen. Wir sagen immer, man, man kommt immer rein. Wir hören uns das auf alle Fälle immer einmal an so. Und so sind wir auch, ähm-

 

00:15:01,404 --> 00:15:02,754 [Claus Ruhe Madsen]

Eines Tages hat's geklopft.

 

00:15:02,754 --> 00:15:15,204 [Maike Rotermund]

[lacht] Ja. Ja, eines Tages hat's geklopft und, ähm, wir haben, ähm, einen Erfinder bei uns stehen gehabt, der aber schon ein fertiges Produkt hatte in diesem Fall. Und, äh-

 

00:15:15,204 --> 00:15:19,743 [Claus Ruhe Madsen]

War der gleich erfolgreich mit seiner Idee? Haben alle dann auch gesagt: "Nehmen wir" und ihr musstet euch da-

 

00:15:19,744 --> 00:15:51,584 [Maike Rotermund]

Nein, gar nicht. Ga-- Also, äh, a-also mein Vater war sehr skeptisch. Also der hätte das Produkt nicht aufgenommen. Also der sagte: "Sieht nicht schön aus, das sieht nicht aus wie 'n Toy." Also so, also der, nee, gefiel ihm nicht. Und wir standen davor und, ähm, und, und, und wir wussten, also wir haben jetzt, entweder haben wir gerade was ganz Tolles vor uns oder den absoluten Flop. Aber der Erfinder war sehr selbstsicher. Er hatte das Produkt nämlich entwickelt zusammen mit seiner Frau und er hatte sich vorgenommen, etwas zu erfinden, was eine Orgasmusgarantie mitbringt so.

 

00:15:51,584 --> 00:15:54,024 [Claus Ruhe Madsen]

Das in sich, in sich ist ja kein schlechter [lacht] Garantie.

 

00:15:54,024 --> 00:16:07,213 [Maike Rotermund]

Das ist schon ein, [lacht] eine sehr, sehr gute Werbeaussage. Genau. Und, äh, Michael Lenke damals war das, stand mit seiner Frau da und er suchte nach einem Vertriebspartner jetzt für sein Produkt und, ähm, und es war wirklich kurz vor der Messe.

 

00:16:07,213 --> 00:16:21,963 [Claus Ruhe Madsen]

Also man muss ja auch mal kurz überlegen, ein Ehemann geht in Keller, bastelt an was rum, kommt nach oben und sagt, äh, zu Mutti: "Ich hab hier was erfunden mit Garantie." Also ob die vielleicht nicht gleich den Mann wieder in Keller schickt, äh, oder also schon-

 

00:16:21,963 --> 00:16:22,334 [Maike Rotermund]

Sie ist-

 

00:16:22,334 --> 00:16:22,954 [Claus Ruhe Madsen]

... sehr speziell.

 

00:16:22,954 --> 00:16:26,994 [Maike Rotermund]

-eine ganz, ganz tolle Frau und eine sehr, sehr geduldige Frau, denn sie hat, [lacht] sie hat-

 

00:16:26,994 --> 00:16:28,324 [Claus Ruhe Madsen]

Also es gab also 'ne längere Produktentwicklung.

 

00:16:28,324 --> 00:16:34,004 [Maike Rotermund]

Es gab eine längere Produktentwicklung und sie sagt auch, nicht alles war gut. [lacht]

 

00:16:34,004 --> 00:16:34,464 [Claus Ruhe Madsen]

Ja.

 

00:16:34,464 --> 00:17:02,504 [Maike Rotermund]

Ja, genau. Und, äh, mit diesem Produkt standen wir da und es war kurz vor der Messe und, ähm, er hatte große Vorstellungen, wie viele Stückzahlen von diesem Produkt wir verkaufen sollten. Wir dachten: "Um Himmels willen, so viel haben wir von einem Toy noch nie verkauft." Und, ähm, wir hatten aber gar nicht viel Zeit, darüber nachzudenken und wir haben dann im per Handschlag gesagt: "Komm, wir machen das gemeinsam." Und, ähm, und dann hat er einen Schachzug gemacht, der wirklich grandios war. Er hat ganz viele Muster verteilt, nämlich an Kolleginnen. Die haben alle Gratisprodukte gekriegt.

 

00:17:02,504 --> 00:17:03,724 [Claus Ruhe Madsen]

Bei, bei euch im Betrieb?

 

00:17:03,724 --> 00:17:26,754 [Maike Rotermund]

Bei uns im Betrieb. Was, ähm, normalerweise macht das, äh, machen wir das nicht, dass wir Leute, also, ne? Wir verhandeln das vertraulich. Wenn jemand was erzählen möchte, erzählt er was, wenn nicht, dann nicht. Das ist, ähm ... Aber jedenfalls kriegte am nächsten Tag unser Vertriebsleiter, der da zu dem Zeitpunkt bei uns der Großhandelsleiter, der bei, damals bei uns arbeitete, kriegte von allen das Daumen hoch. [lacht]

 

00:17:26,754 --> 00:17:26,784 [Claus Ruhe Madsen]

[lacht]

 

00:17:26,784 --> 00:17:33,554 [Maike Rotermund]

Und dann wussten wir, da kann nichts schiefgehen. [lacht] Und dann hatten wir sehr, sehr viele Jahre mit ihm sehr, sehr viel Spaß. [lacht] Das war eine tolle Zusammenarbeit.

 

00:17:33,554 --> 00:17:35,544 [Claus Ruhe Madsen]

Also ein fantastisches Produkt entwickelt.

 

00:17:35,544 --> 00:17:36,664 [Maike Rotermund]

Ja, er hatte ein fantastisches Produkt

 

00:17:36,664 --> 00:17:51,944 [Claus Ruhe Madsen]

Zeigt ja auch, wie wichtig das ist, Offenheit, äh, bei dem Thema zu haben, miteinander reden zu können und dass Mitarbeiter sagen: "Ja, darüber haben wir zwar 'ne, sind wir stillschweigend, aber wenn wir irgendwie trotzdem von etwas überzeugt sind oder vielleicht sogar auch das Gegenteil, dann kann man ja auch das mal offen aussprechen."

 

00:17:51,944 --> 00:18:29,291 [Maike Rotermund]

Ganz genau. Und, äh, und, und das ist Offenheit in vielen Bereichen, also Offenheit, äh, für, für das, für das Produkt und, äh, oder auch Offenheit, also wir haben auch schon 'n Erfinder bei uns stehen gehabt mit halbfertigen Produkten und 'ner Bohrmaschine und 'nem Aufsatz. Und da muss man die Fantasie und die Kreativität haben. Ähm, es war ein junger Mann, der wollte eigentlich 'n, ähm, Raupenantrieb entwickeln. Der hat aber nicht funktioniert. Also die, der Antrieb rührte sich nicht vom Fleck und jetzt hatte er irgendwas, was sich raupenförmig bewegt und er le-überlegte: "Was mach ich denn jetzt damit?" Und so stand er bei uns im Einkauf und unsere, unser Kollege hatte eben die Kreativität und die Fantasie, daraus zu sehen: Okay, das kann ein Produkt werden. So, also, ne, Offenheit für vieles muss man da mitbringen.

 

00:18:29,292 --> 00:18:35,682 [Claus Ruhe Madsen]

Also man muss sehr kreativ und, äh, open-minded. Wie heißt denn so ein Produkt mit Garantie auf Orgasmus?

 

00:18:35,682 --> 00:18:36,222 [Maike Rotermund]

Das ist-

 

00:18:36,222 --> 00:18:39,752 [Claus Ruhe Madsen]

Und ist denn diese Garantie auch mit Rückgaberecht verbunden?

 

00:18:39,752 --> 00:18:44,942 [Maike Rotermund]

Die ist tatsächlich mit Rückgaberecht verbunden und ich würde nicht sagen ja, wenns nicht garantiert ist. [lacht]

 

00:18:44,942 --> 00:18:46,982 [Claus Ruhe Madsen]

Gut, und das ist nach wie vor im Sortiment.

 

00:18:46,982 --> 00:18:55,332 [Maike Rotermund]

Das ist nach wie vor im Sortiment. Äh, die Firma ist, äh, wird inzwischen von jemand anderem geführt. Also Womanizer ist inzwischen, ähm, in einer, in einer großen Gruppe und, äh-

 

00:18:55,332 --> 00:18:58,432 [Claus Ruhe Madsen]

Ach so, das ist nie euer eigenes Produkt dann geworden, sondern war-

 

00:18:58,432 --> 00:19:04,952 [Maike Rotermund]

Wir sind, wir sind der Vertrieb gewesen über viele Jahre, aber die sind inzwischen sehr, sehr, sehr groß geworden. Das hätten wir als Mittelständler gar nicht stemmen können.

 

00:19:04,952 --> 00:19:09,992 [Claus Ruhe Madsen]

Ich stell dir jetzt 'ne Frage, die kannst du gar nicht beantworten: Wie heißt der ISO-Norm, an dem ihr mitgearbeitet habt?

 

00:19:09,992 --> 00:19:12,432 [Maike Rotermund]

[lacht] Oh Gott, die kann ich nicht auswendig. [lacht]

 

00:19:12,432 --> 00:19:12,962 [Claus Ruhe Madsen]

Sag ich doch.

 

00:19:12,962 --> 00:19:13,612 [Maike Rotermund]

Die kann ich nicht auswendig.

 

00:19:13,612 --> 00:19:16,652 [Claus Ruhe Madsen]

Wie kommt man dazu, an einer ISO-Norm mitzuarbeiten?

 

00:19:16,652 --> 00:20:05,012 [Maike Rotermund]

Ähm, wir haben uns, ähm, 2006 tatsächlich einmal zusammengesetzt und haben angefangen, über unsere Produktqualität mehr zu sprechen. Und weil es gar keine Norm für unsere Produkte gab, haben wir uns damals an der Kinderspielzeugrichtlinie orientiert und haben ab da angefangen, alle neuen Produkte nach der Kinderspielzeugrichtlinie zu prüfen beziehungsweise prüfen zu lassen bei renommierten Prüfinstituten. Wir haben mit viel, viel, ähm, Aufwand unsere Lieferanten auch dahin gebracht, diese Kriterien einzuhalten. Und das hat dazu geführt, dass, äh, als tatsächlich vor einigen Jahren eine, der Anstoß gegeben wurde, eine ISO-Norm für Sextoys zu entwickeln, dass, äh, unser Team und ein Kollege von mir da viel mitgearbeitet hat und viele unserer Anforderungen auch übernommen worden sind.

 

00:20:05,012 --> 00:20:13,712 [Claus Ruhe Madsen]

Das find ja auch, klingt wie eine richtige Idee, zu sagen, wer davon Verstand und Ahnung hat, soll mit einwirken und kann dazu beitragen, dass da vernünftige Qualität letztendlich ist.

 

00:20:13,712 --> 00:20:32,612 [Maike Rotermund]

Ganz genau. Die Leute, die in der Praxis sind. Und ich glaube, das ist das, was Mittelstand und Familienunternehmen auch ausmacht, dass man ja selber ein Interesse daran hat, Produkte auf den Markt zu bringen, für die man ja wirklich auch einsteht, weil man mit Namen da oben drinsteht und mit der Verantwortung. Und man möchte ja nichts in den Markt reinbringen, was da irgendjemandem schaden könnte.

 

00:20:32,612 --> 00:20:39,372 [Claus Ruhe Madsen]

Und neben Qualität und Material steht ja dann auch Design. Da gibt's ja auch noch was Spezielles aus eurem Unternehmen.

 

00:20:39,372 --> 00:20:55,272 [Maike Rotermund]

Ja, wir haben, wir haben tatsächlich auch Design Awards, äh, ge, äh, gewonnen. Dafür ist aber hauptsächlich, äh, sind meine Kolleginnen und Kollegen aus dem Produktentwicklungsteam für verantwortlich. Zwei unserer Produkte sind tatsächlich ausgezeichnet mit einem German Design Award. Also da waren wir sehr, sehr stolz drauf. Und, äh, ja.

 

00:20:55,272 --> 00:21:03,252 [Claus Ruhe Madsen]

Ja, das zeigt also Qualität, Material, Umsetzung, die Art und Weise, wie man's macht und dann auch noch bestes Design. Alles aus Flensburg.

 

00:21:03,252 --> 00:21:04,772 [Maike Rotermund]

Alles aus Flensburg, ja.

 

00:21:04,772 --> 00:21:07,372 [Claus Ruhe Madsen]

Da kann man mal sehen, was man im Keller entwickeln kann.

 

00:21:07,372 --> 00:21:08,412 [Maike Rotermund]

Ja, mhm.

 

00:21:08,412 --> 00:21:23,092 [Claus Ruhe Madsen]

So, Orion ist fünfundvierzig Jahre alt und hat seine Wurzeln bei der Firma Beate Uhse. Sie eröffnete 1962 in Flensburg den ersten Sexshop der Welt. Was ist denn dahinter die Geschichte?

 

00:21:23,092 --> 00:21:23,812 [Maike Rotermund]

Ähm.

 

00:21:23,812 --> 00:21:26,292 [Claus Ruhe Madsen]

Das ist dann eine Verwandte von dir?

 

00:21:26,292 --> 00:22:44,071 [Maike Rotermund]

Jein, es ist kompliziert. Also Beate Uhse kam ja nach dem-- Sie war ja Fliegerin und kam zum Ende des Krieges nach Flensburg. Und, ähm, dort lernte sie meinen Großvater kennen, der gerade frisch geschieden war. Und mein Großvater war schon unterwegs mit Haarwasserversand und all solchen Dingen. Und, ähm, ähm, die beiden zusammen, also sie hatte dann damals ja die Schrift X, die sie dann angefangen hatte zu vertreiben, um Verhütungsmethoden, natürliche Verhütungsmethoden eben, ähm, breiter bekannt zu machen. Und in Kombination haben die beiden dann angefangen, ähm, im Pastorat, im Marienkirchhof in Flensburg, einen Versand aufzubauen. Und der wuchs und wuchs und die Sortimente wurden mehr und die Wäsche kam dazu. Also es wurde tatsächlich auch früher Wäsche in Flensburg genäht. Also wir haben immer noch bei unseren Rentnertreffen Kolleginnen, die damals die Näherei mitbetrieben haben. Und, ähm, dann sagte Beate sich: „Jetzt machen wir einen Laden.“ Und, ähm, den wollte sie dann vor Ort machen in Flensburg. Und sie hat sich die Weihnachtszeit ausgesucht, weil sie gedacht hat, da sind die Leute eher friedlich gestimmt. Sie hatte Angst vor den Protesten, die das dann geben könnte. Und so hat sie dann im Winter den Laden in Flensburg eröffnet. Das Fachgeschäft für Ehehygiene, wie es damals hieß.

 

00:22:44,071 --> 00:22:44,891 [Claus Ruhe Madsen]

Ehehygiene.

 

00:22:44,892 --> 00:22:50,482 [Maike Rotermund]

Ehehygiene, ja. Das war ja noch, also da durfte ja Sex nur in der Ehe stattfinden eigentlich.

 

00:22:50,482 --> 00:22:52,032 [Claus Ruhe Madsen]

Und nur hygienisch natürlich.

 

00:22:52,032 --> 00:22:59,182 [Maike Rotermund]

Und nur hygienisch. Es durfte auch nichts, äh, verkauft werden, was irgendwie die Lust steigert, sondern eben nur, also da musste man sehr-

 

00:22:59,182 --> 00:23:00,112 [Claus Ruhe Madsen]

Auch nicht die Wäsche.

 

00:23:00,112 --> 00:23:01,612 [Maike Rotermund]

Nein, da musste man sehr vorsichtig sein.

 

00:23:01,612 --> 00:23:02,452 [Claus Ruhe Madsen]

Warm und praktisch.

 

00:23:02,452 --> 00:23:12,632 [Maike Rotermund]

Genau. Und so arbeiten die Verkäuferinnen auch mit richtig so Drogeriekittel, in so 'nem weißen Kittel. Also es war alles sehr, also eher wie eine Apotheke. Und, ähm, ja.

 

00:23:12,632 --> 00:23:18,052 [Claus Ruhe Madsen]

Gut, das hätte ich jetzt nicht mit Beate-Uhse-Geschäft verbunden. Was man alles lernt.

 

00:23:18,052 --> 00:24:10,572 [Maike Rotermund]

Später nicht mehr. Später nicht mehr, genau. Und, äh, ja, und so sind die gemeinsam weiter gewachsen und gewachsen und, ähm, aber das Leben geht ja nicht immer geradlinig und gut weiter. Ähm, mein Großvater und Beate trennten sich dann in den, ich glaub, Anfang der Siebziger war das, mit einem, ja, äh, Riesen-Riesenstreit und, ähm, dann hat Beate die Firma weitergeführt mit ihrem Sohn aus erster Ehe, mit dem gemeinsamen Sohn, mit meinem Großvater und ihr und mit meinem Vater eben. Also das waren die drei Söhne. Und Anfang der Achtziger kam sie dann dazu, dass sie entschieden hat, ähm, die Firma aufzuteilen. Mein Vater und mein Onkel haben den Versand und den Verlag übernommen und sie hat mit meinem Onkel dann die Läden und die Kinos behalten. So. So teilte sie.

 

00:24:10,572 --> 00:24:11,512 [Claus Ruhe Madsen]

Verlag?

 

00:24:11,512 --> 00:24:31,512 [Maike Rotermund]

Ja, wir haben noch einen alten Verlag in der Firmengruppe. Sehr, sehr viele Bücher, die damals verlegt worden sind. Ja, es gab ja nirgendswo anders irgendwo Aufklärungsmaterial. Also da wurden tatsächlich auch immer noch Bücher verlegt mit „Wie kläre ich meine Kinder auf?" Und sehr, sehr viel Basiswissen, was man ja heutzutage alles im Internet finden kann und auf jedem Social-Media-Kanal. Ja.

 

00:24:31,964 --> 00:24:38,023 [Claus Ruhe Madsen]

Ich glaub, wenn irgendjemand behauptet, noch nie von Beate Uhse oder Orion gehört zu haben, gut, kann ja jeder von sich behaupten.

 

00:24:38,024 --> 00:24:38,544 [Maike Rotermund]

Mhm.

 

00:24:38,544 --> 00:24:56,104 [Claus Ruhe Madsen]

Aber jetzt genau zu wissen, was da überall aufm Regal oder was und wie und in welchen Zeiten, das ist schon sehr bewegend. Was hat das mit dir als Mensch getan, so in Entwicklung in so 'nem Unternehmen zu sein, was vielleicht ja aus der Ehygiene kommt, hin zu hochwertiges, äh, ja, Wäsche und andere Aspekte?

 

00:24:56,104 --> 00:25:03,663 [Maike Rotermund]

Ja, ähm, das ist auch 'n Teilbereich, weil ich geblieben bin. Irgendjemand hat mich mal gefragt, wär ich auch, ähm, wär ich auch geblieben, wenn es Möbelbranche oder in 'ne andere Branche wäre. [lacht]

 

00:25:03,664 --> 00:25:05,704 [Claus Ruhe Madsen]

Jetzt wird die Frage aber wirklich spannend.

 

00:25:05,704 --> 00:25:10,164 [Maike Rotermund]

Jetzt wird sie wirklich spannend. Ich würde ja behaupten, wir haben die schönste Branche der Welt. [lacht]

 

00:25:10,164 --> 00:25:12,744 [Claus Ruhe Madsen]

Ich halte dagegen. Ich erzähle auch, warum.

 

00:25:12,744 --> 00:25:12,824 [Maike Rotermund]

Okay.

 

00:25:12,824 --> 00:25:19,604 [Claus Ruhe Madsen]

Möbler haben wirklich einen fantastischen Bereich, weil Menschen kommen und erzählen, „Wir haben grade geheiratet, wir brauchen Möbel."

 

00:25:19,604 --> 00:25:19,844 [Maike Rotermund]

Ja.

 

00:25:19,844 --> 00:25:38,504 [Claus Ruhe Madsen]

Oder sie kommen und sagen, „Wir sind grade geschieden, jetzt brauchen wir sehr schnell Möbel." Oder, „Wir haben eine Katze, die macht immer das. Wir haben jenen Fußboden, so sieht's bei uns aus." Man zieht quasi bei diesen Menschen ein. Über Stunden berät man sich über sehr Persönliches. Deswegen ist Möbler eine fantastische Branche.

 

00:25:38,504 --> 00:25:44,804 [Maike Rotermund]

Gut, dann halte ich dagegen. Bei uns wird's noch intimer. Und manchmal bekommen wir Sachen zu wissen, die, ähm-

 

00:25:44,804 --> 00:25:45,884 [Claus Ruhe Madsen]

Man nicht wissen will?

 

00:25:45,884 --> 00:25:46,394 [Maike Rotermund]

Nee.

 

00:25:46,394 --> 00:25:46,474 [Claus Ruhe Madsen]

Ach, nee, das war jetzt-

 

00:25:46,474 --> 00:25:49,824 [Maike Rotermund]

Die Menschen sich nicht trauen, woanders irgendwo zu fragen.

 

00:25:49,824 --> 00:25:49,884 [Claus Ruhe Madsen]

Ja.

 

00:25:49,884 --> 00:25:55,584 [Maike Rotermund]

Und bei uns haben sie den, den geschützten Raum, alles fragen zu dürfen. Und, äh, ähm ...

 

00:25:55,584 --> 00:25:57,404 [Claus Ruhe Madsen]

Man verkauft auch Betten im Möbelhaus.

 

00:25:57,404 --> 00:26:03,124 [Maike Rotermund]

[lacht] Haben wir auch. Allerdings haben die, äh, doch andere, äh-

 

00:26:03,124 --> 00:26:03,834 [Claus Ruhe Madsen]

Funktionen.

 

00:26:03,834 --> 00:26:05,214 [Maike Rotermund]

-Funktionen, genau. [lacht]

 

00:26:05,214 --> 00:26:06,484 [Claus Ruhe Madsen]

Rückengerechte Matratzen.

 

00:26:06,484 --> 00:26:12,454 [Maike Rotermund]

Ja. Und wir sehen immer wieder, also wir, wir begleiten ja Menschen genauso und wir sehen immer wieder, dass die Menschen, die zu uns kommen, ähm-

 

00:26:12,454 --> 00:26:14,074 [Claus Ruhe Madsen]

Ich glaub, jede Branche kann fantastisch sein.

 

00:26:14,074 --> 00:26:14,104 [Maike Rotermund]

Genau.

 

00:26:14,104 --> 00:26:18,814 [Claus Ruhe Madsen]

Ich wollte nur verteidigen, [lacht] dass man auch beim Möbler sehr lange bleiben kann.

 

00:26:18,814 --> 00:26:18,824 [Maike Rotermund]

Mhm.

 

00:26:18,824 --> 00:26:24,574 [Claus Ruhe Madsen]

Und ihr habt aber trotzdem ja wirklich 'ne spannende Firmengeschichte mit einer sehr starken Entwicklung, auch gesellschaftlich.

 

00:26:24,574 --> 00:26:24,584 [Maike Rotermund]

Mhm, ja.

 

00:26:24,584 --> 00:26:31,684 [Claus Ruhe Madsen]

Ich glaub, im Bereich Möbel hat man keine große gesellschaftliche Veränderung. Ähm, wie schaust du auf die Zukunft?

 

00:26:31,684 --> 00:27:01,704 [Maike Rotermund]

Wir sehen natürlich 'ne große Verdichtung im Markt, aber es bleibt natürlich auch spannend mit den Produktentwicklungen. Und ich hab jetzt inzwischen schon, bin ich schon so viele Jahre dabei, dass ich sagen kann, ähm, immer wenn man denkt, es kann eigentlich nichts Neues mehr geben, gibt es doch immer wieder noch mal Änderungen. Und, ähm, das Thema Sexualität bewegt die Leute eigentlich immer. Da mag es Rahmenbedingungen geben, wirtschaftliche Rahmenbedingungen oder gesetzliche Rahmenbedingungen und so, die sich immer mal wieder ändern, die gelockert werden, die verschärft werden. Aber wir sehen-

 

00:27:01,704 --> 00:27:06,744 [Claus Ruhe Madsen]

Freizügigkeit entwickelt sich ja mit Sicherheit auch, also Einstellungen zu Themen.

 

00:27:06,744 --> 00:27:07,144 [Maike Rotermund]

Ah.

 

00:27:07,144 --> 00:27:23,904 [Claus Ruhe Madsen]

Offenheit. Na, ich glaub aber, in so, in verschiedene Bereiche, wenn man schaut, in den 70ern war irgendeine Freizügigkeit oder in den 60ern, in den 80ern 'ne andere, in den 90ern. Dann kommt 'ne, ja, Sexualität, die anders erfunden oder entdeckt wird. Also da ist ja schon, das unterliegt ja schon so Megatrends letztendlich.

 

00:27:23,904 --> 00:27:32,874 [Maike Rotermund]

Genau, und es entwickelt sich immer weiter. Und im Moment haben wir natürlich auf der einen Seite, dass man das Gefühl hat, alle sind furchtbar aufgeklärt und gleichzeitig, ähm, eben auch wieder nicht.

 

00:27:32,874 --> 00:27:35,524 [Claus Ruhe Madsen]

Haben sie aber natürlich auch in Teilen sehr falsche Bilder von-

 

00:27:35,524 --> 00:27:36,154 [Maike Rotermund]

Ja.

 

00:27:36,154 --> 00:27:48,564 [Claus Ruhe Madsen]

-äh, Liebe, von Sexualität, weil's natürlich sehr viel Zugang zu sexual oder sexistische oder wie auch immer Materialien, die es vielleicht früher in der Form nicht so einfach gab.

 

00:27:48,564 --> 00:28:22,874 [Maike Rotermund]

Sicherlich auch. Und ich glaube, wir ha- wir haben auch ganz bewusst, ähm, grade in unserem Endkundenbereich den, den Slogan „Lieb doch, wie du willst" und, ähm, alles geht, nichts muss. So, das ist das Wichtige. Und es ist auch nicht verkehrt, ähm, ähm, wenn man sich dafür nicht interessiert. Das ist, ähm ... bleibt aber auch immer spannend. Und was wir aber grade sehen, ist, ähm, natürlich auch grade mit den ganzen amerikanischen Unternehmen, dass es im Moment eher 'ne Wellenbewegung, ähm, gegen die Aufklärung ist. Also weil es immer schwerer wird, Content tatsächlich in den sozialen Medien oder oben im Internet zu-

 

00:28:22,874 --> 00:28:23,664 [Claus Ruhe Madsen]

Gegen?

 

00:28:23,664 --> 00:28:24,304 [Maike Rotermund]

Ja.

 

00:28:24,304 --> 00:28:24,644 [Claus Ruhe Madsen]

Aha.

 

00:28:24,644 --> 00:28:49,263 [Maike Rotermund]

Ja, das ist ... Also wir, alle Unternehmen in unserer Branche und selbst die, die, ähm, die als Sexologin unterwegs sind, also die gar nicht Produkte verkaufen und auch gar nichts, ähm, eigentlich so Anstößiges, sondern die eigentlich nur unterstützen wollen, ähm, haben furchtbare Schwierigkeiten. Grade in Social Media läuft man immer Gefahr, gesperrt zu werden, ähm, oder nicht ausgespielt werden.

 

00:28:49,263 --> 00:28:49,294 [Claus Ruhe Madsen]

Ah, ja.

 

00:28:49,294 --> 00:28:56,384 [Maike Rotermund]

Also ich kann, ich kann als Orion auf Instagram keine Werbung schalten. Ich kann noch nicht mal mehr für einen Buchhalter Werbung schalten.

 

00:28:56,384 --> 00:28:57,224 [Claus Ruhe Madsen]

Interessant.

 

00:28:57,224 --> 00:28:58,424 [Maike Rotermund]

Ja, mhm.

 

00:28:58,424 --> 00:28:59,663 [Claus Ruhe Madsen]

Ja, Anzeige, ja.

 

00:28:59,664 --> 00:29:00,884 [Maike Rotermund]

Mhm.

 

00:29:00,884 --> 00:29:05,964 [Claus Ruhe Madsen]

Gut, man kann auch sicherlich firmenprofilmäßig zeigen, was Mitarbeiter, wie der Weihnachtsfeier läuft und-

 

00:29:05,964 --> 00:29:06,594 [Maike Rotermund]

Genau.

 

00:29:06,594 --> 00:29:08,343 [Claus Ruhe Madsen]

-aber halt nicht produkt-produziert.

 

00:29:08,344 --> 00:29:12,394 [Maike Rotermund]

Man wird sehr, sehr kreativ. Man fängt an, Wege darum zu finden. [lacht]

 

00:29:12,394 --> 00:29:15,464 [Claus Ruhe Madsen]

Wege darum. Ich sagte, ihr macht ja Sportsponsoring auch.

 

00:29:15,464 --> 00:29:16,454 [Maike Rotermund]

Ja, genau.

 

00:29:16,454 --> 00:29:22,124 [Claus Ruhe Madsen]

Und kann es nicht auch sein, dass ihr sogar ein Hotelzimmer auch, äh, [lacht] ausgerichtet oder eingerichtet oder ...

 

00:29:22,124 --> 00:29:25,704 [Maike Rotermund]

Ja, wir haben in, in Flensburg kann man, ähm, ich darf ja keine Werbung machen-

 

00:29:25,704 --> 00:29:25,713 [Claus Ruhe Madsen]

Doch.

 

00:29:25,713 --> 00:29:26,894 [Maike Rotermund]

-aber in einem Hotel. [lacht]

 

00:29:26,894 --> 00:29:32,084 [Claus Ruhe Madsen]

Da sind wir gar nicht so ... Sonst kann man's ja googeln. Deswegen von daher, wo kann man was wie-

 

00:29:32,084 --> 00:29:39,704 [Maike Rotermund]

Genau, in Flensburg in der alten Post, die ja viele Themenzimmer haben, gibt es unter anderem auch ein Orion-Themenzimmer, was man buchen kann.

 

00:29:39,704 --> 00:29:41,284 [Claus Ruhe Madsen]

Warst du schon da?

 

00:29:41,284 --> 00:29:45,544 [Maike Rotermund]

Wir haben's ja alle gemeinsam mit eingerichtet. Ich hab noch nie drin übernachtet, jetzt wo du das sagst, nee.

 

00:29:45,544 --> 00:29:50,463 [Claus Ruhe Madsen]

Das find ich auch 'n spannenden Ansatz, weil damit kann man natürlich in der Tat mal auch 'n bisschen anders sein.

 

00:29:50,464 --> 00:29:50,864 [Maike Rotermund]

Ja.

 

00:29:50,864 --> 00:29:55,144 [Claus Ruhe Madsen]

Das bringt sicherlich nicht Massen an Umsatz, aber ein bisschen Spaß muss sein.

 

00:29:55,144 --> 00:30:06,924 [Maike Rotermund]

Wir müssen eben sehr kreativ sein, wo wir auftauchen und wo, ne, was, was wir machen können, Kooperationen und, ähm, mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten. Also einfach kann ja jeder.

 

00:30:06,924 --> 00:30:10,314 [Claus Ruhe Madsen]

Ist so. Nun sagtest du ja damals auf keinen Fall Schleswig-Holstein.

 

00:30:10,314 --> 00:30:10,344 [Maike Rotermund]

Ja.

 

00:30:10,344 --> 00:30:15,084 [Claus Ruhe Madsen]

Wie ist deine Sicht heute? Das Unternehmen haben wir ja gehört, da bist du mit der Entscheidung ganz gut zufrieden.

 

00:30:15,084 --> 00:31:10,884 [Maike Rotermund]

Ja. Schleswig-Holstein, ich glaube, einmal weg gewesen zu sein, war für mich persönlich gut. Ich hab mich dann aber auch sehr gefreut, wieder zurückzukommen. Und, ähm, ich glaube, es gibt immer wieder Orte und, ähm, dann verbindet man das einfach mit einer Form von Heimat. Und Schleswig-Holstein ist vielleicht für, für Wirtschaft nicht immer der ein, der, der einfachste Punkt, weil es sind eben nicht viele große Unternehmen da, die vor Ort sind. Aber was ich jetzt so kennengelernt habe, ist, dass man unheimlich schnell offen in den Austausch gehen kann und, äh, auf sehr, sehr viel Hilfsbereitschaft und Kooperationsmöglichkeiten stößt. Und da, das, da rede ich von, ähm: „Komm, wir wollen 'ne Azubi-Fortbildung machen. Habt ihr auch Azubis? Dann machen wir das alle gemeinsam." Und sehr, sehr pragmatisch. Oder: „Da fehlen uns Wannen im, im Weihnachten in der Logistik und ein anderes Unternehmen leiht uns Wannen aus." Also-

 

00:31:10,884 --> 00:31:14,704 [Claus Ruhe Madsen]

Aber das ist dann wahrscheinlich so eine gewisse Flensburg-Verbundenheit, die du beschreibst auch.

 

00:31:14,704 --> 00:31:15,214 [Maike Rotermund]

Ja, wahrscheinlich auch.

 

00:31:15,214 --> 00:31:16,783 [Claus Ruhe Madsen]

Die gibt es sicherlich auch, oder?

 

00:31:16,784 --> 00:31:26,384 [Maike Rotermund]

Ja, so Flensburg und über Flensburg hinaus. Ich bin da... Genau. Das ist, ähm, also da, da unterstützt man sich tatsächlich gegenseitig viel und, ähm, ist sehr offen.

 

00:31:26,384 --> 00:31:30,604 [Claus Ruhe Madsen]

Eine starke Heimat. Wie kommt man an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

 

00:31:30,604 --> 00:32:02,744 [Maike Rotermund]

An Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommt man, indem man versucht, präsent zu sein in der Region, weil sonst ganz schnell vergessen wird, wer überhaupt da alles ist. Und am besten sind Kooperationen tatsächlich mit Fachhochschulen, Universitäten. Schulen ist bei uns natürlich immer ein Thema. Das-- Wir sind da sehr, sehr strikt. Bei uns darf keiner unter achtzehn arbeiten. Man könnte das sicherlich anders handhaben, aber das ist, haben wir uns selber auch auferlegt. Und, ähm, und, ähm, wir haben tolle Ansprechpartner. Äh, wir haben Projekte-

 

00:32:02,744 --> 00:32:04,324 [Claus Ruhe Madsen]

Gibt es bei euch auch Werkstudenten?

 

00:32:04,324 --> 00:32:34,223 [Maike Rotermund]

Genau, Werkstudenten, Projekte mit Studierenden, ähm, Masterarbeiten, die wir begleiten, oder Fachvorträge. Die Uni kommt dann auch manchmal und kommt für Fachvorträge ins Unternehmen, kommen die mit einem Kurs, um zu sagen: „Mensch, wir wollen jetzt sehen, wie das in der Praxis gemacht wird." Und das-- Auf der einen Seite ist es ja dieser Vorteil, wenn, wenn die reinkommen und sich bei uns anhören, wie es dann im echten Leben manchmal so aussieht, und gleichzeitig hören wir von denen, was die noch für Ideen haben und was so aus der, der Lehre kommt. Ähm, man lernt immer voneinander. Man lernt immer voneinander. Das ist immer gut.

 

00:32:34,224 --> 00:32:35,004 [Claus Ruhe Madsen]

Absolut.

 

00:32:35,004 --> 00:32:35,044 [Maike Rotermund]

Ja.

 

00:32:35,044 --> 00:32:47,144 [Claus Ruhe Madsen]

Also und ich bin auch überzeugt, ich hab dich ja jetzt ein paar Mal, äh, getroffen. Wenn du erzählst, das ist immer was sehr Faszinierendes, äh, dann sieht man sehr schnell, Menschen kommen ran und wollen hören. Man ist neugierig.

 

00:32:47,144 --> 00:33:20,964 [Maike Rotermund]

Man hat in Schleswig-Holstein natürlich den Vorteil, dass man Work-Life-Balance wirklich leben kann. Und ich glaube, da hat uns tatsächlich auch die Automatisierung und Digitalisierung in der Corona-Pandemie massiv geholfen, dass man vielleicht auch in, mehr im Homeoffice arbeiten kann, dass man nicht die langen Anfahrtswege eben halt vom Land hat. Also man kann auch aufs Land ziehen und dann in Flensburg arbeiten. Ähm, wir haben 'ne ganz andere Lebensqualität, als man das vielleicht in der Großstadt hätte. Und ich glaube, dass es vielen Leuten inzwischen wichtiger geworden ist, die Zeit, die sie haben, ähm, und wie man sie verbringt.

 

00:33:20,964 --> 00:33:23,024 [Claus Ruhe Madsen]

Wie viele Mitarbeiter etwa seid ihr so?

 

00:33:23,024 --> 00:33:25,384 [Maike Rotermund]

Wir sind ungefähr zweihundertzwanzig Mitarbeiter in Flensburg.

 

00:33:25,384 --> 00:33:31,654 [Claus Ruhe Madsen]

Bildet ihr aus oder geht es nur von, ähm, der eine Nachbar spricht den anderen an? Wie macht ihr das?

 

00:33:31,654 --> 00:33:46,604 [Maike Rotermund]

[lacht] Nee, wir bilden tatsächlich aus in, in verschiedenen Ausbildungsberufen, also von Logistik bis klassisch Groß- und Außenhandelskaufmann, ähm, Mediengestaltung. Und unsere allererste Auszubildende arbeitet tatsächlich auch immer noch bei uns.

 

00:33:46,604 --> 00:33:47,464 [Claus Ruhe Madsen]

Ah, großartig.

 

00:33:47,464 --> 00:33:50,494 [Maike Rotermund]

Noch 'ne Weile. Nicht mehr lange, aber noch, noch ein paar Jahre. [lacht]

 

00:33:50,494 --> 00:33:51,364 [Claus Ruhe Madsen]

Mitarbeiter eins.

 

00:33:51,364 --> 00:33:52,304 [Maike Rotermund]

Ja.

 

00:33:52,304 --> 00:33:55,404 [Claus Ruhe Madsen]

Ich hatte übrigens gedacht, dass Beate Uhse ein Kunstname ist.

 

00:33:55,404 --> 00:33:56,784 [Maike Rotermund]

Nee, das ist Beate Uhse.

 

00:33:56,784 --> 00:33:58,024 [Claus Ruhe Madsen]

Die Dame hieß Beate Uhse.

 

00:33:58,024 --> 00:34:07,264 [Maike Rotermund]

Beate Uhse-Buttermund, ja. Geborene Köstlin. Beate Uhse, also der Uhse war der- -Nachname ihres ersten Ehemanns, ja.

 

00:34:07,264 --> 00:34:08,124 [Claus Ruhe Madsen]

Faszinierend.

 

00:34:08,124 --> 00:34:09,844 [Maike Rotermund]

Ja, man lernt nie aus. [lacht]

 

00:34:09,844 --> 00:34:47,024 [Claus Ruhe Madsen]

Vor allen Dingen würde ich jetzt behaupten, das sind so meine ersten Deutschland-, äh, äh, -Erlebnisse. Also nicht im Sinne von direkt in so einen Laden rein, aber dann, das, davon hatte man gehört. Also wir nehmen, also ich, nicht nah genug um. Äh, das ist schon 'ne kleine Reise im Gedächtnis. Ja, also wie, wie du sagst, es ist ein Spezielles, in Schleswig-Holstein zu sein. Heimatgefühl, Flensburg, Netzwerke. Kommen denn auch aus Koblenz Leute und klopfen an und sagen: „Ich möchte hier bei euch arbeiten." Oder ist das so, dass die Fach- und Arbeitskräftesituation oder ganz anders gefragt: Was sind denn die Vorteile von Flensburg und Schleswig-Holstein?

 

00:34:47,064 --> 00:35:10,164 [Maike Rotermund]

Die Vorteile, die, die ich so sehe, ist tatsächlich, dass man, Flensburg so diese kurzen Wege hat. Also ich hab das ja selber erlebt, weil ich das anders-- I-ich hatte in England Anfahrtwege von über einer Stunde und ich hab auch gerne um London herum auf der M25 im Stau gestanden. Und wenn sich ein Flensburger beschwert, dass er im Stau gestanden hat, kann ich nur sagen: Das ist nichts dagegen. [lacht] Und, äh, man hat einfach viele Möglichkeiten-

 

00:35:10,164 --> 00:35:16,264 [Claus Ruhe Madsen]

Dann nur auf dem Weg zum ScandiPark oder- -sonst wo. Ansonsten, glaube ich, oder rüber an der dänische Grenze, wenn-

 

00:35:16,264 --> 00:35:18,244 [Maike Rotermund]

In den Sommerferien, wenn dann der Bettenwechsel ist.

 

00:35:18,244 --> 00:35:31,404 [Claus Ruhe Madsen]

Da kennt man vielleicht dann auch 'n Stau. Beate Uhse ist sicherlich ja prägend gewesen. Ich denke, das wird auch 'ne gewisse Unternehmenskultur letztendlich sein. Ist da irgendwie noch was von übrig?

 

00:35:31,404 --> 00:37:03,444 [Maike Rotermund]

Ich, ich, ich wünschte, ich hätte-- Also wirklich, ich wünschte, ich hätte Beate Uhse tatsächlich besser kennengelernt. Ich bin ja nicht mit ihr verwandt und ich hab auch wenig Berührungspunkte in meinem Leben mit ihr gehabt, anders als Leute immer annehmen. Ähm, dennoch prägt sie mich und sie prägt das Unternehmen auf besondere Art und Weise. Wir haben zum Beispiel einmal im Jahr haben wir unsere Ehemaligen, also unsere Senioren laden wir zum Kaffeetrinken ein und manchmal hab ich das Gefühl, die brauchen mich gar nicht dabei, sondern die sehen sich nur gegenseitig und, und schwelgen in alten Erinnerungen. Und ich find das immer ganz besonders, weil Beate ein Mensch gewesen sein muss, der, der Leute wirklich berührt hat. Also wenn, wenn ehemalige Näherinnen oder Logistikmitarbeiter oder Handwerker zu mir kommen und noch mal mit leuchtenden Augen davon berichten, wie Beate mit ihnen umgegangen ist, wie die, wie gerne sie für sie gearbeitet haben, ähm, das sind so die Werte, glaube ich, die ein Unternehmen auch prägt. Und diese Werte haben auch meinen Vater geprägt und glaube ich auch maßgeblich Orion mit geprägt. Und, ähm, und viele Dinge, die vielleicht nicht so sichtbar sind im Unternehmen, ähm, sie hat irgendwann mal festgelegt, wie Geburtstage abzulaufen haben und, äh, viele Sachen haben wir einfach nicht geändert, weil die einfach gut waren und weil man nichts davon, ähm, ähm, weil man das genauso anwenden kann in den 60ern wie in den 2000ern und 2020ern. Und andere Sachen haben wir übernommen. Also ich glaube, wir haben auch immer noch die gleiche Artikelnummernsystematik, wie es bei Beate Uhse der Fall gewesen ist. Also, äh, weil funktioniert.

 

00:37:03,444 --> 00:37:04,223 [Claus Ruhe Madsen]

Never change a winning system.

 

00:37:04,224 --> 00:37:08,783 [Maike Rotermund]

Never change a winning system, genau. Und, ähm-

 

00:37:08,784 --> 00:37:16,664 [Claus Ruhe Madsen]

Aber auch so vom DNA oder Kulturellen oder Umgang, äh, oder sind einfach Strukturen heute anders?

 

00:37:16,664 --> 00:37:38,544 [Maike Rotermund]

Nein, ich glaub, also, ich glaub, der Umgang wird immer von, von den Menschen geprägt, die im Unternehmen sind. Und es ist 'ne Wechselwirkung. Wen ziehe ich an und wer ist dabei? Ähm, wie, wie, wie agiert man miteinander? Und das sind die Menschen, die dann auch dazustoßen, die Mitstreiter, die man dann gewinnt. Und wie in jedem guten Unternehmen steht und fällt das mit dem, mit den Kollegen, die man hat. Als Unternehmer alleine kann man wenig ausrichten.

 

00:37:38,544 --> 00:37:40,164 [Claus Ruhe Madsen]

Und welchen Chef man hat.

 

00:37:40,164 --> 00:37:40,644 [Maike Rotermund]

Ja, das stimmt.

 

00:37:40,644 --> 00:37:57,984 [Claus Ruhe Madsen]

Liebe Maike, vielen lieben Dank für den Einblick, der wirklich spannend ist. Ein Leuchtturm-, äh, -Unternehmen aus Schleswig-Holstein mit Produkten, die in die ganze Welt ausgehen, von dem wir eigentlich alle wissen, vielleicht nicht alles. Heute haben wir etwas mehr gelernt. Es war großartig, dass du hier bei uns warst. Danke schön.

 

00:37:57,984 --> 00:38:02,604 [Maike Rotermund]

Ich bedanke mich herzlich. Danke.