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„Wir pflanzen für jedes Kind einen Baum.“

im Gespräch mit Gerhard Gollnest von goki

Für hochwertiges Holzspielzeug aus Güster steht „goki“: Das war der gemeinsame Spitzname der Firmengründer Gollnest und Kiesel. Für Gerhard Gollnest zählen heute mehr denn je Verantwortung und Sicherheit – aber vor allem auch der Spielwert für die Kinder. Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen interessiert sich für das zielführende Arbeitszeitmodell, und freut sich, wie goki den Waldbestand in Schleswig-Holstein stärkt. In dieser Folge spürt man, aus welchem Holz echte Unternehmer:innen sind. Viel Spaß beim Reinhören!

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00:00:00,680 --> 00:00:41,160 [Claus Ruhe Madsen]

Zwei Männer gründen 1981 ein Unternehmen und betreiben es mit ihren Familien in Schleswig-Holstein. Das muss nicht automatisch ein Erfolg werden. In diesem Fall gelingt es eindrucksvoll. goki zählt heute zu den drei größten Herstellern von Holzspielzeug in Europa. Die Zentrale liegt im Herzogtum Lauenburg, in Güster. Welche Rolle spielt diese Umgebung für die Arbeitskräfte? Warum ist Sicherheit für goki ein entscheidender Faktor? Und wie gestaltet sich die Zukunft? Diese und noch mehr Fragen stelle ich heute unseren Gast Gerhard Gollnest, Geschäftsführer von goki. Und ich bin Claus Ruhe Madsen, Wirtschaftsminister in Schleswig-Holstein und du hörst den Podcast aus dem echten Norden.

 

00:00:43,570 --> 00:01:07,580 [Off]

Zukunftstalk mit Madsen. Der Podcast für alle, die Schleswig-Holsteins Weg zum ersten klimaneutralen Industrieland begleiten möchten. Es geht um das Leben und Arbeiten im echten Norden, um spannende Wirtschaftsthemen und wichtige Zukunftsbranchen. Außerdem erzählen Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner ihre inspirierenden Erfolgsgeschichten und geben Einblicke in ihre ganz persönliche Work-Beach-Balance. Viel Spaß beim Reinhören!

 

00:01:07,580 --> 00:01:26,720 [Claus Ruhe Madsen]

[Musik] Hallo Gerhard, schön, dass du gekommen bist. Äh, dein Unternehmen goki steht für hochwertiges Holzspielzeug, aber das war nicht von Anfang an so. Erzähl uns doch einmal, wie alles begann. Wobei, vielleicht kannst du auch den Einstieg machen und, äh, mir erklären, warum du so gut Tischtennis spielst.

 

00:01:26,720 --> 00:01:32,620 [Gerhard Gollnest]

Ja, das liegt in meiner Jugend, da haben wir viel Tischtennis gespielt. Ähm, hat allerdings jetzt schon ein bisschen nachgelassen, würde ich sagen.

 

00:01:32,620 --> 00:01:34,300 [Claus Ruhe Madsen]

Ja, das würde ich auch sagen. Nein.

 

00:01:34,300 --> 00:01:35,100 [Gerhard Gollnest]

Oh

 

00:01:35,100 --> 00:01:46,660 [Claus Ruhe Madsen]

Das war schon sehr ordentlich. Ich bin mir nicht sicher, wer von uns gewonnen hat. Da wir aber ja ein bisschen Video material haben und ich da ja löschen kann, wie ich will, bin ich der Überzeugung, dass es ein sehr ausgeglichenes Spiel war.

 

00:01:46,660 --> 00:01:48,440 [Gerhard Gollnest]

Ja, gehen wir mal davon aus.

 

00:01:48,440 --> 00:01:51,680 [Claus Ruhe Madsen]

So, erzähl noch mal: Wie kam das Ganze?

 

00:01:51,680 --> 00:02:01,950 [Gerhard Gollnest]

Es war so, dass wir nach, äh, meiner Ausbildung, sowohl mein Partner als auch ich, wir arbeiteten in der gleichen Firma, ähm, natürlich erst mal ohne Job dastanden. Und in der Zeit-

 

00:02:01,950 --> 00:02:06,130 [Claus Ruhe Madsen]

Ihr arbeitet in der gleichen Firma und erst mal ohne Job. Das habe ich nicht ganz verstanden, den Zusammenhang.

 

00:02:06,130 --> 00:02:09,000 [Gerhard Gollnest]

Ja, weil meine Ausbildung war beendet.

 

00:02:09,000 --> 00:02:09,820 [Claus Ruhe Madsen]

Ah, okay.

 

00:02:09,820 --> 00:02:12,760 [Gerhard Gollnest]

Aber die Firma war auch am Ende.

 

00:02:12,760 --> 00:02:14,760 [Claus Ruhe Madsen]

Das lag nicht an dir.

 

00:02:14,760 --> 00:02:51,930 [Gerhard Gollnest]

Ich will das mal so stehen lassen. [lacht] Ich glaube nicht. Ähm, und, äh, wir wollten natürlich irgendwas Neues anfangen. Es war ja auch nicht die Zeit der Vollbeschäftigung. 60er, 70er Jahre, schwierige Zeit. Ähm, und, äh, mein Partner, Herr Kiesel, hatte Kontakte nach China, war auch in China vorher für, für die alte Firma unterwegs. Ähm, ist dann nach China gereist, hat, äh, gesehen: Was gibt es Günstiges, was wir vielleicht in, in Deutschland verkaufen könnten? Das fing mit Fußmatten an und Tee-Servicen und Leuchtstoffröhren, aber schon relativ schnell sind wir bei der Spielware hängengeblieben.

 

00:02:51,930 --> 00:02:55,510 [Claus Ruhe Madsen]

Hat er immer alles im Koffer eingepackt, mitgenommen oder wie funktioniert so was?

 

00:02:55,510 --> 00:02:57,300 [Gerhard Gollnest]

Das war exakt so.

 

00:02:57,300 --> 00:02:58,100 [Claus Ruhe Madsen]

Tatsächlich?

 

00:02:58,100 --> 00:02:58,880 [Gerhard Gollnest]

Ja. [lacht]

 

00:02:58,880 --> 00:03:02,040 [Claus Ruhe Madsen]

Ja, das klingt ja wirklich ein bisschen, äh, sagen wir mal, interessant.

 

00:03:02,040 --> 00:03:04,960 [Gerhard Gollnest]

Ja, es ist eben vierundvierzig Jahre her, ne.

 

00:03:04,960 --> 00:03:09,799 [Claus Ruhe Madsen]

Okay, ihr merktet dann aber, statt Fußmatte, lieber Spielzeug. Warum?

 

00:03:09,800 --> 00:03:24,600 [Gerhard Gollnest]

Spielzeug hat uns einfach von Anfang an Spaß gemacht und wir hatten sehr schnell, äh, auch die ersten Kunden. Wir haben am Anfang ja selber auf Märkten verkauft. Da haben wir uns dann, äh, Einzelhändler kennengelernt und die haben gesagt: "Äh, könnt ihr nicht für uns was besorgen?"

 

00:03:24,600 --> 00:03:26,040 [Claus Ruhe Madsen]

Also mit zwei Koffer fliegen.

 

00:03:26,040 --> 00:03:42,799 [Gerhard Gollnest]

Dann kommen wir zu zwei Koffern. Dann kamen wir auch zu den ersten Lieferungen per Seefracht, allerdings recht kleine. Das kann man heute sehen, nicht mehr so machen. Man kann jetzt nicht zwei Umkartons bestellen, das geht heute nicht mehr. Früher ging das alles und so sind wir dann klein, aber fein gestartet.

 

00:03:42,800 --> 00:03:52,030 [Claus Ruhe Madsen]

Und wie war es denn mit dem, äh, Namensfindung? Habt ihr da direkt entschieden, wie man das macht? Wir setzen das zusammen aus unseren Nachnamen oder wie ist das denn so gekommen?

 

00:03:52,030 --> 00:03:59,400 [Gerhard Gollnest]

Ja, wir heißen zwar Gollnest und Kiesel, haben uns aber auch immer so genannt. Nur unsere Kunden, die haben uns goki genannt. Die und dann-

 

00:03:59,400 --> 00:04:00,320 [Claus Ruhe Madsen]

Der Kunde ist König.

 

00:04:00,320 --> 00:04:08,220 [Gerhard Gollnest]

Der Kunde ist König und wenn er es dann sowieso sagt und goki hört sich so schlecht für 'ne Spielzeugmarke auch nicht an, da haben wir gesagt, da bleiben wir bei.

 

00:04:08,220 --> 00:04:15,020 [Claus Ruhe Madsen]

Ich glaube auch, wenn Kinder euren vollen Nachnamen immer aussprechen musste, nicht sicher, dass das dann bis Ende gut durchgekommen wäre.

 

00:04:15,020 --> 00:04:16,680 [Gerhard Gollnest]

Das ist wahrscheinlich.

 

00:04:16,680 --> 00:04:22,800 [Claus Ruhe Madsen]

Es gibt ja auch, ohne dass wir Werbung machen wollen, einen dänischen Spielzeugproduzenten aus vier Buchstaben: Lego.

 

00:04:22,800 --> 00:04:23,180 [Gerhard Gollnest]

Ja.

 

00:04:23,180 --> 00:04:25,500 [Claus Ruhe Madsen]

Weißt du, wofür die vier Buchstaben steht?

 

00:04:25,500 --> 00:04:26,140 [Gerhard Gollnest]

Nee.

 

00:04:26,140 --> 00:04:28,020 [Claus Ruhe Madsen]

Spiel, gut, leg godt

 

00:04:28,020 --> 00:04:28,120 [Gerhard Gollnest]

Ja.

 

00:04:28,120 --> 00:04:41,980 [Claus Ruhe Madsen]

Also L-E wie leg, godt, gut spielen. Also von daher, das sind, glaube ich, eingängige Namen, genau wie bei euch. Ihr habt euch dann aber auch irgendwann entschieden, das mit den Koffern hin- und herfliegen, das ist ein bisschen zu kompliziert. Wir fangen selber an zu produzieren.

 

00:04:41,980 --> 00:05:08,670 [Gerhard Gollnest]

Ja, wir haben dann, äh, zunächst nicht selber produziert, sondern ganz am Anfang haben wir entwickelt, äh, Produkte entwickelt, äh, entworfen und dann haben wir sie umsetzen lassen von, äh, Spielwarenfirmen in China. Zu denen haben wir teilweise heute noch Kontakt. Also die haben sich über vierzig Jahre gehalten, die Kontakte und mit denen sind wir auch gewachsen. Und dann später haben wir die eigene Produktion aufgebaut, haben Produ--

 

00:05:08,670 --> 00:05:24,020 [Claus Ruhe Madsen]

Kommt denn dann auch alles so, wie man sich das vorstellt? Also das soll ja hier nicht vorverurteilhaft sein, aber wenn man selber vor Ort im eigenen Produktion ist, kann man natürlich immer einwirken, wenn es um Abweichungen geht. Wenn man mit einem chinesischen Partner arbeitet, ist das ja schon sehr weit weg.

 

00:05:24,020 --> 00:05:37,340 [Gerhard Gollnest]

Ja, man muss sich wie in jeder Partnerschaft da aneinander gewöhnen und, äh, da ist schon nicht alles so gekommen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Einiges konnten wir nachfertigen in Deutschland und einiges konnten wir nicht mehr nachfertigen.

 

00:05:37,340 --> 00:05:40,480 [Claus Ruhe Madsen]

Kam denn auch etwas, was besser war, als ihr erhofft hattet?

 

00:05:40,480 --> 00:05:42,020 [Gerhard Gollnest]

Das ist noch nie passiert.

 

00:05:42,020 --> 00:05:55,540 [Claus Ruhe Madsen]

Ach so. [lacht] Okay, also dann, äh, ist aber natürlich eine ganz zentrale Fragen für alle, äh, die wir mit Kinder zu tun haben und schon mal Kinder und Spielzeug gesehen haben: Qualität. Sicherlich auch eine, ein wichtiger Aspekt.

 

00:05:55,540 --> 00:06:23,176 [Gerhard Gollnest]

Die Qualität war sicherlich auch ein Hauptgrund für die eigene Produktion. Ähm-... Qualitätsanspruch in China war, ich sag's mal vorsichtig, äh, eher mau. Ähm, wir haben ja andere Ansprüche an die Qualität und, äh, haben vor Ort Prüfungen gemacht, haben aber dann, auch wenn die Ware hierherkam, auch wieder geprüft. Also Qualität geht ja immer, ähm, Hand in Hand mit Sicherheit und Sicherheit ist bei Kindern natürlich ein Thema.

 

00:06:23,176 --> 00:06:30,716 [Claus Ruhe Madsen]

Wie könnt ihr das Ganze überprüfen? Fährt ihr dann nach China oder ist es dann tatsächlich so, dass jetzt so viel mittlerweile hier ist, dass ihr das hier vor Ort prüft?

 

00:06:30,716 --> 00:06:52,476 [Gerhard Gollnest]

Wir fahren nach China und wir haben, äh, prüfen da. Wir haben aber auch einen Mitarbeiter, der die Ware vor der Verschiffung prüft. Ähm, die chemischen Prüfungen machen wir in Deutschland, ähm, und, äh, prüfen alles, alle mechanischen, ähm, Eigenschaften des Spielzeuges bei jeder Lieferung immer stichprobenmäßig.

 

00:06:52,476 --> 00:06:57,476 [Claus Ruhe Madsen]

Aber ich glaube, ihr habt ja ein ziemlich riesiges Sortiment. Da stelle ich mir es schon sehr komplex vor.

 

00:06:57,476 --> 00:07:03,076 [Gerhard Gollnest]

Sehr aufwendig, sehr aufwendig. Es, äh, fünf Leute kümmern sich ausschließlich um Qualitätsfragen.

 

00:07:03,076 --> 00:07:05,575 [Claus Ruhe Madsen]

Wie viele Artikel habt ihr denn so in etwa?

 

00:07:05,575 --> 00:07:08,736 [Gerhard Gollnest]

Ja, rund tausendfünfhundert aktuell.

 

00:07:08,736 --> 00:07:14,196 [Claus Ruhe Madsen]

Ja, das ist eine ganze Menge. Oder ist das, weil in einer Schachtel schon acht Teile drin sind?

 

00:07:14,196 --> 00:07:19,076 [Gerhard Gollnest]

Nee, wenn wir das machen würden, also dann kommen schon Millionen zusammen.

 

00:07:19,076 --> 00:07:30,536 [Claus Ruhe Madsen]

Ah ja, okay. Also das heißt, fünf Mitarbeiter sind permanent am kontrollieren, schauen chemische Zusammensetzung. Was für ein Holz nimmt man denn und wie ist das denn damit?

 

00:07:30,536 --> 00:07:42,686 [Gerhard Gollnest]

Ja, wir haben hauptsächlich Buchenholz, Ahornholz, äh, Birkensperrholz. Das sind so die Holzarten, mit denen wir arbeiten, wobei die Buche, ähm, überwiegend aus Europa stammt.

 

00:07:42,686 --> 00:07:46,976 [Claus Ruhe Madsen]

Das liegt aber, glaube ich, auch überwiegend daran, dass Buche aus Europa hauptsächlich kommt.

 

00:07:46,976 --> 00:07:48,376 [Gerhard Gollnest]

Das ist das Hauptproblem.

 

00:07:48,376 --> 00:07:58,436 [Claus Ruhe Madsen]

Ich bin ja alter Möbelhändler und das war immer schon interessant. Wenn aus China Buchenkommoden kommen, dann kann man eigentlich davon ausgehen, dass das Holz nach China gebracht wurde, dort verarbeitet wurden zu Kommoden und die Kommoden zurückkommen.

 

00:07:58,436 --> 00:07:58,656 [Gerhard Gollnest]

Ja.

 

00:07:58,656 --> 00:08:00,036 [Claus Ruhe Madsen]

Das scheint wenig sinnvoll.

 

00:08:00,036 --> 00:08:24,936 [Gerhard Gollnest]

Das ist völlig unsinnig und deswegen sind wir, wir auch dabei, die Produktion nach Europa zu verlagern, weil, äh, dieser Weg, Holz in Europa zu kaufen, nach China zu schicken und wieder zurückzuholen, das ist wirklich aus ökologischer Sicht, äh, völliger Unsinn. Dazu muss man bedenken, dass wir, wenn wir hier in Deutschland Buchenholz kaufen, mehr zahlen, als wenn wir uns das Buchenholz in China kaufen, das ohnehin schon aus Europa kommt.

 

00:08:24,936 --> 00:08:39,236 [Claus Ruhe Madsen]

Verrückt. Also wirklich, Holz ist ein wunderbares Material. Es wächst nach. Natürlich nur dann, wenn man auch was dafür tut. Ich habe irgendwo gelesen, dass ihr für jedes Kind, was in Schleswig-Holstein geboren wird, einen Baum pflanzt. Ist das so?

 

00:08:39,236 --> 00:08:55,396 [Gerhard Gollnest]

Ja, wir pflanzen für jedes Kind einen Baum. Wir pflanzen auch mehr als für jedes Kind einen Baum. Leider sind die Leute mit dem Kinderkriegen ein bisschen hinterher. Also, wir würden uns schon gern wünschen, ein paar Bäume mehr pflanzen zu müssen. Wir sind, ähm, vorweg, da ist noch einiges zu tun.

 

00:08:55,396 --> 00:09:12,536 [Claus Ruhe Madsen]

Da haben wir also eine gemeinsame Aufgabe, weil Daniel Günther hat neulich auch verkündet, weil ja, äh, Markus Söder erzählte, dass kleinere Bundesländer, äh, sich zusammentun sollten und Bundesländer sollte mindestens drei Millionen Einwohner haben. Wir haben irgendwie zwei Millionen neunhundertsiebzigtausend. Daniel Günther meinte, wir haben eine gemeinsame Aufgabe.

 

00:09:12,536 --> 00:09:13,156 [Gerhard Gollnest]

Ja.

 

00:09:13,156 --> 00:09:19,086 [Claus Ruhe Madsen]

Also sagen wir es mal so: Sowohl der Produzent von Holzspielzeug als unser Ministerpräsident wünschen sich mehr Kinder.

 

00:09:19,086 --> 00:09:21,116 [Gerhard Gollnest]

Da gehen wir Hand in Hand. Eindeutig.

 

00:09:21,116 --> 00:09:36,216 [Claus Ruhe Madsen]

Das klingt gut und das wird mit Sicherheit auch unsere Landwirtschaftsministerin freuen, dass sie dann mehr Bäume, mehr Wald hat in Schleswig-Holstein. Aber es ist in der Tat schon ein schöner Gedanke. Ist das etwas, was man auch so mitbekommt? Kunden freuen sich, dass für ihre Kinder Bäume gepflanzt werden.

 

00:09:36,216 --> 00:09:46,676 [Gerhard Gollnest]

Ja, die lieben das. Also wir sind wirklich dafür auch, äh, wir werden darauf immer wieder angesprochen und, äh, ich glaube, das ist so schon was Verbindendes mit unseren Kunden.

 

00:09:46,676 --> 00:09:59,136 [Claus Ruhe Madsen]

Verbindend und, äh, Liebe und, äh, ja, das, der Zusammenhalt. Ihr wart ja ursprünglich zwei Gründer. Ich, wenn ich es richtig verstanden habt, äh, gibt es deinen Mitgesellschafter nicht mehr?

 

00:09:59,136 --> 00:10:01,476 [Gerhard Gollnest]

Ja, der ist vor zwei Jahren verstorben. Ja.

 

00:10:01,476 --> 00:10:04,556 [Claus Ruhe Madsen]

Aber einige Familienmitglieder arbeiten noch-

 

00:10:04,556 --> 00:10:10,056 [Gerhard Gollnest]

Ja, eigentlich sind alle unsere Kinder, wie-- wir haben beide drei Kinder und die sind alle auch-

 

00:10:10,056 --> 00:10:11,756 [Claus Ruhe Madsen]

Also ihr habt fleißig für Bäume gesorgt.

 

00:10:11,756 --> 00:10:14,856 [Gerhard Gollnest]

Also wir waren nicht das Problem. [lacht]

 

00:10:14,856 --> 00:10:16,136 [Claus Ruhe Madsen]

Und die arbeiten im Betrieb?

 

00:10:16,136 --> 00:10:46,156 [Gerhard Gollnest]

Die arbeiten alle zumindest teilweise im Betrieb. Wir haben das eigentlich so geregelt, dass zumindest ein Tag im Betrieb gearbeitet wird, sodass auch, äh, dass die Leute auch einen Bezug haben zu, zu dem Familienunternehmen. Also sie sollen auch wissen, wie, wie, äh, arbeiten ihre Mitarbeiter, wer sind ihre Mitarbeiter, welche Probleme haben ihre Mitarbeiter? Ähm, es geht nicht darum, ähm, Geld zu erben oder Anteile zu erben, sondern das Familienunternehmen weiterzuführen.

 

00:10:46,156 --> 00:10:57,256 [Claus Ruhe Madsen]

Das ist, glaube ich, ein sehr gutes und auch nachhaltiger Sichtweise, die mich fast schon wieder ein bisschen zu den Bäumen bringt. Hast du ein, ein Überblick dessen, wie viele Bäume ihr denn schon gepflanzt habt?

 

00:10:57,256 --> 00:11:00,556 [Gerhard Gollnest]

Ja, es ist über vierhundertsechzigtausend.

 

00:11:00,556 --> 00:11:17,356 [Claus Ruhe Madsen]

Also fast eine halbe Million Bäume. Das ist sehr beeindruckend und wenn ich es, äh, richtig verstehe, ist ja, zieht das so als roten Faden durch das Unternehmen der, der Verantwortlichkeit, der Nachhaltigkeit, aber auch Unterstützung in anderen Bereichen, dass ihr euch engagiert.

 

00:11:17,356 --> 00:11:48,256 [Gerhard Gollnest]

Ja, wir engagieren uns auch in, ähm, Schulbau in der Dritten Welt. Ähm, wir sind ja Kinder gewesen, Herr Kiesel und ich, der, der Sechziger, Siebziger Jahre. Das, äh, war die Zeit des Vietnamkriegs. Das hat uns ziemlich geprägt. Auch, äh, die Entwicklung, ähm, äh, die, die Umweltorganisationen wurden gegründet, äh, nachhaltige Land, äh, Landwirtschaft, äh, fing an, wir hatten auch die ersten Windräder damals und, ähm, da haben wir die erste Schule in Vietnam gebaut.

 

00:11:48,256 --> 00:11:49,996 [Claus Ruhe Madsen]

Und das macht ihr nach wie vor: Schulbau.

 

00:11:49,996 --> 00:12:04,066 [Gerhard Gollnest]

Schulbau machen wir. Wir sind jetzt in Ghana mit einem, mit einem Schulprojekt und würden dieses Schulprojekt auch gerne weiterführen. Dass die Kinder, wenn sie aus der Schule rauskommen, einen Ausbildungsplatz kriegen können, natürlich im Holzbereich. Und wir würden ihnen dann gerne-

 

00:12:04,066 --> 00:12:07,996 [Claus Ruhe Madsen]

Und dann kleine Spielzeugautos automatisiert produzieren.

 

00:12:07,996 --> 00:12:11,536 [Gerhard Gollnest]

Ja, automatisiert, äh, geht im Holzbereich immer nicht so gut, ne?

 

00:12:11,536 --> 00:12:16,756 [Claus Ruhe Madsen]

Na ja, es muss ja geschliffen und CNC-Fräsen und so kann man, glaube ich, schon einen Teil automatisieren.

 

00:12:16,756 --> 00:12:25,684 [Gerhard Gollnest]

Ja, aber ich glaube, dass das, ähm-... in Ghana noch nicht so der, der, der, der Hauptansatz ist. Ich glaub, wir müssen erst mal das Handwerk da-

 

00:12:25,684 --> 00:12:38,304 [Claus Ruhe Madsen]

Absolut. Das war auch ein bisschen mehr ein Spaß dessen, das so auf meine nächste Frage nämlich leiten sollte: Wie, wo siehst du euer Unternehmen in den nächsten Jahren? Wie ist so, so der, die Aussicht?

 

00:12:38,304 --> 00:13:07,184 [Gerhard Gollnest]

Also, was wir längst eingeleitet haben, ist die Rückkehr aus Asien zurück nach Europa. Wir haben in Europa einen großen Markt und das ist auch unser Hauptmarkt. Und, äh, wir haben hier unseren Rohstoff Holz vor der Tür. Wir wollen kurze Wege und, äh, wir sehen Asien auch aus politischer Sicht, äh, etwas kritischer. Wir würden auch gerne in Güster produzieren. Wir haben 'ne sechshunderttausend Kilowatt Anlage auf dem Dach. Wir verbrauchen-

 

00:13:07,184 --> 00:13:09,604 [Claus Ruhe Madsen]

Was heißt, eine Anlage auf dem Dach?

 

00:13:09,604 --> 00:13:13,284 [Gerhard Gollnest]

Photovoltaik, ja, haben wir auf dem Dach. [lacht] Und wir-

 

00:13:13,284 --> 00:13:14,704 [Claus Ruhe Madsen]

Braucht ihr so viel Strom?

 

00:13:14,704 --> 00:13:39,584 [Gerhard Gollnest]

Brauchen wir nicht. Wir haben uns, äh, aber vorgenommen und das halten wir auch ein, dass wir in Europa mehr Strom produzieren, als wir verbrauchen für unsere Produktion. Und, äh, die in Güster nutzen wir nicht aus. Da werden nur fünfzehn Prozent genutzt, äh, und der Rest wird eingespeist. Äh, da liegt es natürlich nahe, dass wir anfangen, in Güster zu produzieren. Da gibt es auch Pläne und an denen arbeiten wir zurzeit.

 

00:13:39,584 --> 00:13:48,823 [Claus Ruhe Madsen]

Das klingt super für den Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein. Ähm, was verbindet denn dir mit den echten Norden und den Menschen hier?

 

00:13:48,824 --> 00:14:19,224 [Gerhard Gollnest]

Also für mich sind die Menschen da relativ offen, auch wenn man ihnen das gar nicht so zugestehen will, normalerweise als Fremder. Und sie sind sehr geradlinig und, äh, ich finde, dass sie, ich sag's mal ganz ehrlich, relativ wenig lügen. Und das mag ich eigentlich auch. Sie sagen einem schon direkt ins Gesicht, wenn, wenn da mal was nicht in Ordnung ist, und sie nehmen es auch nicht unbedingt krumm. Also wir sind wahrscheinlich schon, äh, durch Meer und Wind ein bisschen geprägt.

 

00:14:19,224 --> 00:14:32,904 [Claus Ruhe Madsen]

Ich glaube auch, dass es sehr zusammenhängt. Wenn man, äh, die Wahrheit verträgt, kann man auch besser die Wahrheit aussprechen. Wenn man natürlich sich immer rumdrückt, dann, dann hat das auch am Ende Folgen. Wie ist das denn mit der Gewinnung von Fach- und Arbeitskräfte?

 

00:14:32,904 --> 00:14:59,464 [Gerhard Gollnest]

Wir haben... Es ist natürlich schwieriger geworden, aber wir haben in unserer Region immer die Möglichkeit gefunden, jemanden, der zu uns passt, zu finden, ja. Gerade in, in, äh, unserem Bereich, der nicht so weit weg liegt von Hamburg, sind doch viele Leute, die sagen: "Ich will nicht mehr nach Hamburg fahren und dort arbeiten. Ich arbeite auch für etwas weniger Geld in Güster, denn ich spare auch gut ein, dreiviertel Stunden Fahrzeit hin und zurück."

 

00:14:59,464 --> 00:15:10,464 [Claus Ruhe Madsen]

Ihr habt auch den Nachhaltigkeitspreis im Jahr 2024 erhalten. Das ist wichtig als Unternehmen, aber sicherlich auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wie viele Mitarbeiter habt ihr denn überhaupt?

 

00:15:10,464 --> 00:15:15,984 [Gerhard Gollnest]

Ja, wir sind in Güster hundertzwanzig und insgesamt zweihundertfünfzig Mitarbeiter.

 

00:15:15,984 --> 00:15:18,063 [Claus Ruhe Madsen]

Aufwachsend oder abbauend?

 

00:15:18,064 --> 00:15:23,344 [Gerhard Gollnest]

Äh, nee, gleichbleibend, aber eher mit kleiner Tendenz abbauend mittlerweile in Deutschland.

 

00:15:23,344 --> 00:15:33,764 [Claus Ruhe Madsen]

Also einen stabilen, äh, Unternehmen, der immer noch auch dann hier und da eine Fach- oder Arbeitskraft sucht, falls jemand heute nei, neugierig geworden ist, nehme ich an.

 

00:15:33,764 --> 00:15:34,604 [Gerhard Gollnest]

Ja.

 

00:15:34,604 --> 00:15:34,804 [Claus Ruhe Madsen]

Sehr gut.

 

00:15:34,804 --> 00:15:36,644 [Gerhard Gollnest]

Gerne bewerben. [lacht]

 

00:15:36,644 --> 00:15:45,744 [Claus Ruhe Madsen]

Ich habe auch gelesen, dass ihr auch so ein spezielles Arbeitszeitmodell im Unternehmen habt, der vielleicht auch dazu ein bisschen hilft, Menschen zu begeistern von einem Unternehmen.

 

00:15:45,744 --> 00:16:03,063 [Gerhard Gollnest]

Ja, wir haben Jahreskonten, Stundenkonten und das ist der große Vorteil natürlich im gewerblichen Bereich. Äh, Spielware ist immer noch ein Weihnachtsgeschäft und, äh, die Leute sind natürlich lieber im Sommer zu Hause auf der Terrasse und im Winter, da fällt es nicht schwer, auch mal zehn Stunden zu arbeiten.

 

00:16:03,064 --> 00:16:04,904 [Claus Ruhe Madsen]

Wie war denn das Weihnachtsgeschäft?

 

00:16:04,904 --> 00:16:06,884 [Gerhard Gollnest]

Es hätte besser sein können, aber es-

 

00:16:06,884 --> 00:16:08,664 [Claus Ruhe Madsen]

Das gehört zum Handel dazu, ne?

 

00:16:08,664 --> 00:16:08,794 [Gerhard Gollnest]

Ja.

 

00:16:08,794 --> 00:16:10,124 [Claus Ruhe Madsen]

Wirst du behaupten, jedes Jahr.

 

00:16:10,124 --> 00:16:13,504 [Gerhard Gollnest]

Ist vierzig Jahre schon. [lacht]

 

00:16:13,504 --> 00:16:16,604 [Claus Ruhe Madsen]

Aber war, war es trotzdem zufriedenstellend?

 

00:16:16,604 --> 00:16:17,884 [Gerhard Gollnest]

Äh, ja, am Ende-

 

00:16:17,884 --> 00:16:23,024 [Claus Ruhe Madsen]

Kriegen wir Kinder noch begeistert für Holzspielzeug oder vielmehr deren Eltern, weil die sollen es ja kaufen.

 

00:16:23,024 --> 00:16:33,384 [Gerhard Gollnest]

Ja, wir haben sicherlich andere Probleme der Verschiebung: Wo kommt das Spielzeug her? Und dann haben wir das Temu- und Shein-Problem und darunter leidet hauptsächlich der Handel.

 

00:16:33,384 --> 00:16:38,874 [Claus Ruhe Madsen]

Also, dass viele einfach eine billige Alternative, ohne zu schauen, aus welchem Material.

 

00:16:38,874 --> 00:16:44,524 [Gerhard Gollnest]

Da geht es nicht mehr um Sicherheit, da geht es quasi um, äh, darum, etwas billig zu kaufen.

 

00:16:44,524 --> 00:17:13,884 [Claus Ruhe Madsen]

Gut, das ist mit Sicherheit keine gute Entwicklung. Ich finde aber, mit Blick auf dem, wie ihr das Ganze aufgebaut habt, quasi startend mit nichts. Äh, und ein solches spannendes Unternehmen mit so nachhaltigen Gedanken begeistert uns hier in Schleswig-Holstein. Zeigt, das sind Menschen, die beiden Beine auf dem Boden haben, mit Blick nach vorne, auch nicht mit Sorge die Familie mit einbringt. Habt ihr schon eine Nachfolgeregel oder bleibst du noch die nächsten hundert Jahre?

 

00:17:13,884 --> 00:17:31,584 [Gerhard Gollnest]

Äh, hundert nicht ganz. Also die nächsten fünf, würde ich sagen. Aber es ist so: Äh, die Nachfolge ist, ist eigentlich geregelt. Wir bleiben Familienunternehmen. Es kann natürlich auch ein Fremdgeschäftsführer dazukommen, äh, aber letztendlich ist es geplant, als Familienunternehmen erhalten zu werden.

 

00:17:31,584 --> 00:17:59,624 [Claus Ruhe Madsen]

Großartig! Ich möchte mich bei dir ganz herzlich bedanken. Den Blick hinter der Fassade, was dahinter steckt, wenn man wirklich Nachhaltigkeit denkt, lebt und im Markt bringt. Natürlich auch dazu auffordern, dass jeder Mensch immer auch dann schaut: Welches Produkt kaufe ich? Wo ist dieses Produkt entstanden? Was steht dahinter und was bedeutet das? Weil genauso Menschen wie dir, dir, dein Unternehmen, die Menschen, die dort arbeiten, brauchen wir hier in Schleswig-Holstein. Vielen Dank, dass du heute da warst.

 

00:17:59,624 --> 00:18:02,364 [Gerhard Gollnest]

Ja, bedanke mich.