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"Ich würde raten: Mutig zu sein!"

im Gespräch mit Anja Eggert vom Verband der Schleswig-Holsteinischen Energie- und Wasserwirtschaft

 

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00:00:00,460 --> 00:00:25,380 [Julia Carstens] 

Herzlich willkommen zum heutigen Podcast. Ich spreche heute mit Anja Eggert, Projektmanagerin beim Verband der Energie- und Wasserwirtschaft. Zu unseren Themen gehören, welche Energie sie in die Ausbildung von Fachkräften steckt, wie ihr eigener Karriereweg war und was sie gern an junge Menschen weitergeben möchte. Ich bin Julia Carstens, Staatssekretärin in Schleswig-Holstein und du hörst den Podcast aus dem echten Norden.  

 

00:00:25,380 --> 00:00:51,080 [Off-Sprecherin] 

Zukunftstalk mit Julia Carstens. Der Podcast für alle, die neugierig sind und tiefer in die Zukunftsthemen Schleswig-Holsteins eintauchen möchten. Zu Gast sind Expertinnen und Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen. Sie nehmen uns mit in ihre Spezialgebiete, geben uns faszinierende Einblicke in ihre langjährige Arbeit und sorgen so für den einen oder anderen Aha-Moment. Außerdem erzählen sie ihre persönliche Erfolgsgeschichte. Viel Spaß beim Reinhören und Staunen.  

 

00:00:51,080 --> 00:01:07,179 [Julia Carstens] 

Ja, Frau Eggert, ganz herzlich willkommen. Toll, dass Sie heute hier sind, dass Sie sich auf den langen Weg gemacht haben. Vom Schwarzenbek anderthalb Stunden hier in die Nähe von Kiel. Da sind Sie heute in aller Herrgottsfrühe aufgestanden. Vielen, vielen Dank dafür. Ich freue mich sehr, dass wir uns heute hier treffen.  

 

00:01:07,180 --> 00:01:10,560 [Anja Eggert] 

Ja, ich freue mich auch sehr. Herzlichen Dank für die Einladung.  

 

00:01:10,560 --> 00:01:21,000 [Julia Carstens] 

Ja, Frau Eggert, ich habe gerade eingangs schon ein bisschen erwähnt, was Sie machen als Projektmanagerin. Können Sie uns vielleicht noch mal ein bisschen abholen? Sagen Sie doch mal, wofür steht eigentlich der Verband, bei dem Sie arbeiten?  

 

00:01:21,000 --> 00:03:01,520 [Anja Eggert] 

Ja, der VSHEW, die Kurzform für diesen langen, lange Unternehmens- den langen Unternehmensnamen, steht für, äh, Daseinsvorsorge. Also ganz grob gesagt dafür, dass in jeder Wohnung, in jedem Haus, in jeder, in jedem Industrieunternehmen auch Strom, Wärme und Glasfaser ankommt, aber auch für Energiewende und für Netzwerken. Und wir sind zum Beispiel Interessenvertretung für unsere Mitglieder, die Stadt- und Gemeindewerke gegenüber der Politik. Und ich fasse das ganz gerne so in Bildern zusammen: Man kann sich das so vorstellen wie ein Puzzle. Also jedes Puzzleteil, das ist ein Stadtwerk mit seinem Fachwissen und seinen Herausforderungen, legt es auf den Tisch und der Verband fügt alle diese Teile zusammen und präsentiert sie dann der Politik, zum Beispiel in Positionspapieren, wenn es um Gesetzesänderungen geht, zum Beispiel für das Klimaschutzgesetz oder um schnelleren Glasfaserausbau oder was jetzt ganz aktuell ist, natürlich die Wärmewende, die sich in einem starken Transformationsprozess befindet. Das ist die eine Seite. Nach außen und nach innen geht es ganz viel um Netzwerken, um Kommunikation. Und da bieten wir unseren Mitgliedern so um, ich glaube, wir haben jetzt dreißig Arbeitskreise und Arbeitsgemeinschaften an, wo sich die Verantwortlichen treffen, sich austauschen und da gibt es für jeden Fachbereich ist was dabei, zum Beispiel den Arbeitskreis Vertrieb oder Arbeitskreis Technik, Arbeitskreis, äh, kaufmännische Leitung. Ähm, ja, und wir sorgen dann für den Input, kaufen Expertinnen und Experten ein, die ihr Wissen teilen möchten und für einen gewissen Aha-Effekt sorgen bei den Mitgliedern.  

 

00:03:01,520 --> 00:03:18,540 [Julia Carstens] 

Ja, mit den Stadtwerken hat ja jeder von uns mal zu tun, würde ich mal sagen. Etwas, das eigentlich alle betrifft an der Stelle. Deshalb interessant, noch mal zu hören, was der Verband quasi macht, um dann die Stadtwerke auch zu unterstützen. Was gehört denn zu Ihren konkreten Aufgaben als Projektmanagerin jetzt innerhalb des Verbands?  

 

00:03:18,540 --> 00:04:05,520 [Anja Eggert] 

Ja, zu meinen Aufgaben gehören einige dieser Arbeitskreise, zum Beispiel der Arbeitskreis Erforderungsmanagement, aber auch für die Marketingfachleute biete ich was an. KI ist auch ein Thema und der Arbeitskreis Personal und das duale Studium. Und ich lade die Verantwortlichen aus diesen jeweiligen Bereichen halt ein zum-- für den Termin, zum Austausch, suche dafür dann auch Referenten, Referentinnen. Ich reise viel rum in Schleswig-Holstein. Ich besuche die Werke und frage dann nach: Ne, welche Themen bewegen euch gerade? Weil mein Wissen ist dann ja immer so, ne, Oberflächen an der Oberfläche und braucht dann halt den Input der Fachleute, die dann sagen: „Mensch, hier haben wir jetzt die und das Problem und da wäre mal ganz schön, mal so einen Vortrag zu hören."  

 

00:04:05,520 --> 00:04:36,640 [Julia Carstens] 

Sie haben ja gerade schon so ein bisschen das Thema auch Fachkräfte, Ausbildung angesprochen. Da sind Sie ja schon ziemlich nah dran, auch in Ihrem Job. Und vielleicht jetzt mal Hand aufs Herz: Sie haben auch gerade schon vom Thema Energiewende gesprochen und wir wissen ja, dass gerade viele junge Menschen sich für diese Jobs interessieren, wenn es um das Thema Energiewende geht, Thema auch Sinnhaftigkeit des Jobs und so weiter. Da fällt einem vielleicht nicht als Erstes sofort ein: „Mensch, da muss ich ja bei meinem örtlichen Stadtwerk arbeiten. Wie ist das denn? Haben Stadtwerke Probleme, neue Fachkräfte zu gewinnen?  

 

00:04:36,640 --> 00:05:05,740 [Anja Eggert] 

Das haben sie genau auf den Punkt getroffen. Also die Stadtwerke sind noch nicht so im Mindset der jungen Leute. Also nicht, wie man so schön sagt, nicht sexy genug, nich. Und da müssen wir noch so ein bisschen mehr Attraktivität transportieren. Also die haben ja viel zu bieten an Vielfalt, an Aktivitäten, an Fachkompetenz, die da gefragt ist, damit wir eben alle gut leben können. Und es ist aber nicht so auf der ersten Prioritätenliste, wenn man sich mit jungen Leuten unterhält. Da ist noch einiges, einiges zu tun.  

 

00:05:05,740 --> 00:05:16,200 [Julia Carstens] 

Und wo könnte man da aus Ihrer Sicht ansetzen? Also was müsste man machen, um das Image, sage ich mal, der Stadtwerke ein bisschen in diese Richtung zu lenken? Also zukunftsweisender Arbeitgeber zu sein?  

 

00:05:16,200 --> 00:05:57,400 [Anja Eggert] 

Also es fängt auf jeden Fall damit an, dass man transportiert und die Zielgruppe überhaupt erst mal erreicht, was wir eigentlich machen. Und Generation Z, ja, interessiert sich ja für Klimaschutz. Wir sollten uns alle dafür interessieren, aber die sind da am stärksten von betroffen und auch engagiert. Und die zu erreichen, die jungen Leute, und sagen: „Hier beim Stadtwerk kannst du was tun. Du kannst für nachhaltige Energieversorgung sorgen. Du kannst die Elektromobilität vorantreiben, ne, dass wir auf diesem Wege da etwas tun. Und da müssen wir vielleicht mal die Brille der jungen Leute aufsetzen, wo die sich bewegen und sie da abholen, wo sie auch, wo sie sich tummeln, nämlich zum Beispiel in den sozialen Medien.  

 

00:05:57,400 --> 00:06:27,420 [Julia Carstens] 

Ich weiß, dass Ihnen besonders das Thema auch Duale Studium am Herzen liegt, was ja schon einige auch anbieten in dem Bereich. Vielleicht können Sie uns dazu ein bisschen was erzählen, was da so Ihre Aufgabe ist, was die Stadtwerke da machen, was der Verband da vielleicht auch macht und dann würde mich auch interessieren, wie so der aktuelle Stand ist. Ich weiß, dass Sie ja auch zusammenarbeiten mit der FH Westküste. Holen Sie uns doch mal so ein bisschen ab, wie ist so das Zusammenspiel und was bieten Sie den Studierenden, die zu Ihnen kommen oder die an die FH Westküste kommen? 

 

00:06:27,515 --> 00:06:56,816 [Anja Eggert] 

[Stille] Ja, genau. Also das ist eine, eben ein Weg, den wir vor vier Jahren gestartet sind. Eine Kooperation von der Stadtwerken, FH Westküste und Verband. Weil wir uns gesagt haben, wir als Team, das man immer stärker und schließen sich Stadtwerke zusammen, die ein duales Studium anbieten. Und die FH Westküste ist damals an uns herangetreten und hat gesagt, in Anführungsstrichen, ihr könnt euch doch euren Studiengang stricken. Ne? So, Stadtwerke-Studiengang. Ganz so ist es natürlich nicht.  

 

00:06:56,816 --> 00:06:58,155 [Julia Carstens] 

Hört sich auf jeden Fall gut an.  

 

00:06:58,195 --> 00:07:43,436 [Anja Eggert] 

Hört sich schon mal gut an, genau. Und die Stadtwerke haben dann auch angebissen und haben gesagt, „Ja, kann man was draus machen. Und die Fachhochschule Westküste ist gestartet mit dem Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen, also vor vier Jahren. Und da hatten wir sechs Stadtwerke, die gesagt haben, „Machen wir mit. Also die Fachhochschule Westküste bietet die Theorie, die Stadtwerke die Praxis. Und für die Stadtwerke ist das erst mal eine Investition, also eine bezahlte Ausbildung. Jeder duale Student, duale Studentin erhält tausendvierhundert Euro Gehalt. Das machen auch alle, äh, Stadtwerke gleich. Aber die Stadtwerke haben in den ersten vier Semestern noch nicht viel davon, weil die Studierenden an der Fachhochschule sind und studieren. Und auch in den vorlesungsfreien Zeiten ist oft Urlaub noch zu berücksichtigen.  

 

00:07:43,436 --> 00:07:45,336 [Julia Carstens] 

Und da kriegt man auch schon tausendvierhundert Euro?  

 

00:07:45,336 --> 00:07:46,335 [Anja Eggert] 

Ja, genau.  

 

00:07:46,336 --> 00:08:02,616 [Julia Carstens] 

Das ist ja schon, also es ist ja schon bemerkenswert, muss man sagen. Das ist ja schon nicht schlecht. Man studiert und kriegt quasi für Studieren in den ersten vier Semestern, ohne dass man überhaupt quasi proaktiv da in den Stadtwerken schon war, tausendvierhundert Euro. Das ist ja schon außergewöhnlich und für Studierende schon ziemlich interessant, wahrscheinlich.  

 

00:08:02,616 --> 00:08:24,296 [Anja Eggert] 

Genau. Und das zeigt aber auch, wie die, wie weit die Stadtwerke halt schauen, ne? Dass sie sagen, das ist eine Investition. Sie wissen ja auch nicht, ob die Studierenden nach dem Studium bleiben beim Stadtwerk. Wann sie das erste Mal profitieren, ist das fünfte Semester. Da haben die Studierenden, schreiben dann ihre Facharbeiten und da sind sie ein ganzes Semester im Werk. Vorher natürlich auch, aber halt nicht so viel, ne? So.  

 

00:08:24,296 --> 00:08:25,075 [Julia Carstens] 

Mhm.  

 

00:08:25,075 --> 00:09:46,876 [Anja Eggert] 

Und dann wird mit den Stadtwerken zusammen ein Thema ausgewählt oder in den ersten vier Semestern merken sie selber schon so, wo ihre Stärken sind. Einer hat mir zum Beispiel berichtet aus dem Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen. Das ist ja so eine super Mischung, finde ich, so Betriebswirtschaft und Technik, ne? So 'ne Kombi. Und er sagte aber, „Ja, aber ich möchte mal in die Personalentwicklung, ne? Dafür mache ich das und gerne auch in der Energiewirtschaft und andere wollen in den technischen Bereich. Also da ist dann sehr viel möglich. Mittlerweile haben wir sogar fünf, äh, Studiengänge. Also zum-- Die Fachhochschule Westküste ist ja sehr umtriebig, nicht? Und hat dann noch fünf weitere Studiengänge aufgebaut. Zum Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen ist dann als zweiter Studiengang hinzugekommen, der sehr gut angenommen wurde, Green Technology. Also da geht es halt das nachhaltige Bauen und Planen von Gebäuden. Dazu kam dann noch der Studiengang Elektrotechnik und Informationstechnologie. Da interessiert die Stadtwerke, insbesondere alles, was so Smart Technologie angeht. Und jetzt haben wir auch noch ganz neu den Studiengang Green Processing Engineering. Da geht es um Verfahrenstechnik. Das finde ich auch ganz spannend. Da geht es also, also, ne, ist so ganz grob an der Oberfläche, so Batterie und Akkuspeicher, nicht? Wie kann man die Energie auch erhalten, die man irgendwo generiert? Und was natürlich in aller Munde ist, gerade KI, künstliche Intelligenz.  

 

00:09:46,876 --> 00:09:47,216 [Julia Carstens] 

Ja.  

 

00:09:47,216 --> 00:09:57,276 [Anja Eggert] 

Also da haben die Stadtwerke auch, also sie waren begeistert, dass dieser Studiengang auch dazu gekommen ist und sie haben auch ziemlich guten Zulauf von den Studieninteressierten.  

 

00:09:57,276 --> 00:10:18,976 [Julia Carstens] 

Mhm. Nun ist es ja auch so, Sie haben gerade gesagt, sehr umtriebig, die FH Westküste. Die Westküste in Schleswig-Holstein ist ja eine, ich sage mal, aufstrebende Region, aber vielleicht im Moment noch nicht so der Hochschul-Hotspot Nummer eins. Aber was würden Sie denn sagen, an der FH Westküste ist anders oder vielleicht sogar besser, wenn man jetzt zum Beispiel in einer Großstadt studieren würde?  

 

00:10:18,976 --> 00:11:10,695 [Anja Eggert] 

Was ich jetzt, äh, kennengelernt habe von der Fachhochschule Westküste, wir-- Auch dadurch, dass wir jährlich immer einen Praxistag haben, also wo jetzt die Lehrenden der Fachhochschule zusammenkommen und die Studierenden, aber auch die Kontaktpersonen aus den Werken. Da trifft sich halt alles, ne? Und dann werden, äh, Facharbeiten vorgestellt und jeder lernt was daraus, ne? Die Stadtwerke, finde ich sehr spannend, wurde mir dann auch gesagt: „Ja, jetzt habe ich auch selber andere Impulse, Ideen, mit welchen Facharbeiten ich meine eigenen Studierenden betrauen kann. Da geht es wieder so dieses Best Practice abgucken. So ein Abgucken ist ja in dem Falle durchaus erlaubt. Und die Lehrenden an der Fachhochschule, die bekommen auch viel mehr mit, was passiert wirklich in der Praxis, ne? Weil die Studierenden sagen: „Okay, ich habe das gelernt in der Theorie und das habe ich in der Praxis an Projekten gemacht. Und da habe ich selber auch so einen Einblick bekommen, wie der Umgang ist-  

 

00:11:10,695 --> 00:11:10,996 [Julia Carstens] 

Mhm.  

 

00:11:10,996 --> 00:11:53,195 [Anja Eggert] 

Schon mal zwischen Professoren und Studierenden, ne? So, der Titel Professor, finde ich, der ist ja schon sehr respekteinflößend, ne? Aber das sind alles ganz normale Menschen und es ist alles sehr viel auf Augenhöhe. So, das finde ich sehr, sehr sympathisch. Und die jungen Leute, die berichten halt, dass sie gesehen werden. Also man kennt sie mit Namen, ne? Man kennt nicht nur die Professoren, sondern auch die Studierenden, sind-- Man kennt sie mit Namen und sie können nicht so leicht untergehen. Ist ja immer so, wenn man gesehen wird, dann guckt man auch immer, dass man alles am Laufen hält und für die nächste Klausur was macht. Oder es wird dann auch mal gefragt: „Mensch, ich habe von dir noch gar keine Unterlagen. Wie sieht's denn aus? So.  

 

00:11:53,195 --> 00:13:17,556 [Julia Carstens] 

Ja, ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt, gerade auch allgemein für uns in Schleswig-Holstein. Und dafür ist das jetzt vielleicht ein Beispiel, auch die FH Westküste. Hier sind halt die Wege kurz und so wie Sie gerade beschreiben, ähm, ist es schon so, dass man sich auch untereinander kennt. Und ich könnte mir vorstellen, dass auch die Kooperation sowohl für die Studierenden positiv ist mit den Stadtwerken und mit der FH Westküste, als auch natürlich für die Stadtwerke selbst. Und da auch die Bedeutung der Stadtwerke noch mal nach vorne geschoben wird, will ich sagen, weil die Stadtwerke-- Ich hatte vorhin eingangs gesagt, jeder hat ja öfter mal mit Stadtwerken zu tun, aber was das eigentlich bedeutet, was die Stadtwerke auch für eine Kraft haben als Arbeitgeber in Schleswig-Holstein. Ich glaube, dreitausendfünfhundert Mitarbeitende bei uns in Schleswig-Holstein, dreihundert Auszubildende. Also es ist ja schon auch wirklich ein, ein Zweig, der viele Beschäftigte hat bei uns in Schleswig-Holstein. Und da, ich hatte es gerade schon gesagt, dreihundert Auszubildende, ist so ein bisschen die Frage: Wie sieht's denn da aus? Also die dual Studierenden haben wir gerade schon so ein bisschen besprochen, aber wie sieht's aus auf der Seite derjenigen, die gerne eine Ausbildung machen wollen bei den Stadtwerken? Wie gehen Sie auf die zu und haben die Stadtwerke dort Herausforderungen, auch genug Auszubildende zu bekommen oder bieten Sie ein so breites Portfolio, wie Sie es ja auch gerade schon beschrieben haben, auch für die Ausbildung, sodass sie ein wirklich auch interessanter Arbeitgeber für die jungen Leute sind, die eine Ausbildung machen wollen? 

 

00:13:17,784 --> 00:14:43,144 [Anja Eggert] 

Also, da ist die Situation so, das höre ich von den Personalern, äh, ganz oft, dass im kaufmännischen Bereich ist es, äh, noch weniger schwierig, Nachwuchs, Ausbildungsnachwuchs zu finden. Schwierig wird es in den technischen Bereichen. Und das kann einerseits daran liegen, dass vielleicht zu wenig Lehrer da waren für die MINT-Berufe, dass man auch mehr die Mädchen anspricht und, und stärkt. Da könnte man vielleicht auch noch was machen. Und was sich übrigens beim dualen Studium jetzt in diesem Jahr erstmalig ändert, ne. Also, die ersten Jahre waren nicht so... Viele haben ja immer geweint, „Ja, wann bewerben sich die Mädchen mal“, ne, so. Und dieses Jahr haben wir tatsächlich so fünfundzwanzig Prozent Mädchen dabei und hoffen auch sehr, dass sie dabei bleiben. Und jetzt aber zurück zu den Ausbildungen. Also die, äh, Stadtwerke machen natürlich, auch wenn wir im Verband viel machen, machen natürlich auch ihr eigenes Ding. Ne, also die besuchen die Schulen. Da gibt's dann, also Schule, Messen, da stellen die Stadtwerke sich als Arbeitgeber vor, bieten auch ganz viele Praktika an und das kommt auf beiden Seiten gut an, weil jede Seite dann merkt, okay, harmoniert das, matcht das, passt das, ne? Ohne dass man da großartige Verpflichtungen eingeht, Ne? Aber im technischen Bereich ist es schwierig, wenn man zum Beispiel Elektroniker für Betriebstechnik sucht. Das tut sich ein bisschen schwer oder Fachangestellte für Bäder, äh, werden hin händeringend gesucht, die so was lernen wollen.  

 

00:14:43,144 --> 00:15:08,743 [Julia Carstens] 

Aber darf ich da direkt mal nach-- äh, fragen? Weil das sind ja so Dinge sehr speziell. Da muss man ja erst mal auf, als junger Mensch auch drauf kommen, dass es so einen Ausbildungsberuf vielleicht sogar gibt. Vielleicht interessiere ich mich eigentlich dafür, aber weiß es vielleicht auch gar nicht, weil ich gar nicht weiß, dass es so einen Ausbildungsberuf gibt. Da müssen doch die Stadtwerke wahrscheinlich auch eine Idee haben, wie man, Sie haben gerade schon ein paar Sachen gesagt, wie man an die jungen Leute so rangeht. Aber in der Tat ist es ja so, erst mal darauf kommen, was es alles gibt.  

 

00:15:08,743 --> 00:16:31,103 [Anja Eggert] 

Genau, erst mal darauf kommen und dafür muss man die jungen Leute wieder erreichen und dann müssen wir mit sozialen Medien unbedingt arbeiten und mit bewegten Bildern. Also die Agentur, mit der wir zusammenarbeiten, die das duale Studium, die Plattform auch begleitet, mit der planen wir jetzt auch eine Plattform für Azubi-Recruiting aufzubauen. Und da sollen dann auch Ausbildungsberufe nicht nur in, in Worten dargestellt werden, wie man das Beispiel in einer Printanzeige sieht, ne, hier wir suchen Auszubildende als, sondern mit bewegten Bildern. Und am besten, dass junge Leute, die schon in der Ausbildung sind, 'n Selfie machen, ein Kurzvideo und das dann auf Instagram einstellen oder, ne, wo überall es möglich ist. Und einige Stadtwerke machen da schon sehr gut. Die haben ihre Auszubildenden sehr gut eingebunden, ne, und machen da für sich dann auch, lassen die Auszubildenden halt sprechen zu zukünftigen Auszubildenden. Und das ist, glaube ich, immer noch der beste Weg, weil da wird einem auch zugehört, ne? Also, ich kann ja viel erzählen in meinem Alter und du hast gut reden, lass mal, ne? Aber wenn einer in dem berechtigten Alter sagt, „Mensch, das ist cool hier und hier kann ich das und das machen. Und die Idee ist dann auch, so einen Arbeitsalltag mal darzustellen, ne, so. Und das macht viel mehr aus, dass jemand mal sagt, okay, ich fange heute an, fahr auf eine Baustelle oder ich habe den und den Kollegen, der zeigt mir heute das und das, ne, und das so anfassbarer zu machen.  

 

00:16:31,103 --> 00:16:33,404 [Julia Carstens] 

Und ab wann soll es diese Plattform geben?  

 

00:16:33,404 --> 00:16:45,863 [Anja Eggert] 

Die wird im nächsten Jahr starten, ne? Also, wir haben jetzt, ich habe jetzt zehn Stadtwerke, die zugesagt haben, dass sie mitmachen. Erst mal, ne, beim dualen Studium hatten wir sogar noch kleiner angefangen und das, äh, muss dann erst mal wachsen.  

 

00:16:45,863 --> 00:16:46,064 [Julia Carstens] 

Mhm.  

 

00:16:46,064 --> 00:16:59,444 [Anja Eggert] 

Und ja, da wird es jetzt ein Kick-off-Meeting geben mit der Agentur zusammen, wo alle Stadtwerke dann ihren Input geben können, was für Stellen sie eigentlich ausschreiben wollen, welche Berufe es eigentlich sind. Da bin ich auch mal ganz gespannt, weil das weiß ich so im Detail auch gar nicht.  

 

00:16:59,444 --> 00:17:30,424 [Julia Carstens] 

Ja, ja, spannend. Ähm, nun sitzen wir hier ja auch ein bisschen zusammen, zwei Frauen, die sich auch n bisschen über den eigenen Werdegang unterhalten wollen. Und, ähm, Sie als Frau jetzt im Verband, viel mit Stadtwerken, äh, zu tun. Da würde mich natürlich auch interessieren, wie sind Sie eigentlich dazu gekommen? Also, wie war Ihr Lebensweg bisher, vielleicht Ihr beruflicher? Und über welche Stationen hat der Sie so geführt, dass Sie jetzt dort sind als Projektmanagerin, wo Sie sind, ähm, um mit diesen spannenden Themen jeden Tag dann auch zu tun haben?  

 

00:17:30,424 --> 00:17:48,704 [Anja Eggert] 

Ja, also mein Berufsweg hat ganz anders angefangen. Also von der Ausbildung her bin ich Fremdsprachenkorresponentin für Englisch, Spanisch, Französisch, hab ich mal gelernt. Hab dann Jahre später meinen Industriefachwirt noch gemacht, den Ausbilderschein. Und letztes Jahr, glaubt man gar nicht, aber habe ich meinen Bachelor in Kulturwissenschaften gemacht-  

 

00:17:48,704 --> 00:17:48,774 [Julia Carstens] 

Aha.  

 

00:17:48,774 --> 00:20:11,091 [Anja Eggert] 

-im Fernstudium. Also dieses lebenslange Lernen, äh, hat mich halt immer begleitet und immer, wenn ich merke, oh, jetzt wird's 'n bisschen zu, zu locker, jetzt muss mal wieder 'ne Herausforderung her und, ja. Und ich lerne Spanisch noch. Und also das Lernen und Weiterentwickeln, so, das begleitet mich. Und ich habe meine Berufslaufbahn, habe ich gestartet in der Pharma-Branche und war da neunzehn Jahre tätig, hab angefangen in der Geschäftsentwicklung, was jetzt erst mal so niemandem wirklich was sagt. Da ging es aber darum, international zu gucken, welche Forschungsprojekte werden initiiert, laufen irgendwo bei bestimmten Unternehmen und welche können eingekauft werden und dann weiterentwickelt werden. Ne? Also da ging es ganz speziell um Hautprodukte, ne, Akne, Psoriasis und alles, was man so erleben kann. Und dann eine spätere Station war dann auch noch das OTC-Geschäft. Also da geht es dann darum, welche Medikamente over the counter in der Apotheke einfach ohne Rezept verfügbar sind. Und da habe ich dann einen Apothekenaussendienst mit aufgebaut. Das war sehr spannend, äh, und Messen begleitet. Also es war eine sehr umtriebige, äh, Zeit, aber die Globalisierung ist halt nicht ohne. Die hat dann auch da zugeschlagen. Das Unternehmen wurde verkauft und ich hätte mit nach Mannheim gehen können. Das wollte ich aber nicht. Ne? Mein Mann hatte hier auch einen guten Job und ich hab gesagt, nö- So aus dem Norden weg wollte ich sowieso nicht und da musste ich mich halt umorientieren. Und ich war, paar Jahre vorher war ich Mutter geworden und hatte auch Teilzeit angefangen, weil ich halt Zeit für unsere Tochter haben wollte. Und damals war, das war zweitausendsechs, war das noch nicht so einfach mit Teilzeitjobs, also in einem neuen Job. Wenn sie in einem Unternehmen groß geworden sind, sagen sie, ich arbeite erst Teilzeit, okay. Aber dann im neuen Job war gar nicht so einfach. Also was für mich passte, ne, und zu meiner Qualifikation auch passte. Und dann habe ich überlegt, ja, das machst du jetzt was ganz anderes und habe mich dann-- Ich wollte immer schon mal gerne für die Zeitung schreiben, aber da dachte ich, ach, probierst du mal, ne, so für die lokale Presse und habe dann durch meinen Marketing-Background, die PR-Anzeigen im-mmm-bekommen. Und die Unternehmen waren immer sehr glücklich und sagten dann, "Ja, das bin ja genau ich". Und dann habe ich halt festgestellt, oh ja, das kann ich, die Unternehmen so zu beschreiben, dass sie sich auch wiedererkennen. Und die Unternehmen haben oft die Eigenheit zu sagen, mein Haus, mein Auto, mein Boot. Ne, also was kann ich? Wir bieten, wir machen. Und ich habe dann immer gefragt, ja und was ist der Kundennutzen? Ne, also Dienstleistung in Kundennutzen übersetzt.  

 

00:20:11,091 --> 00:20:11,472 [Julia Carstens] 

Mhm.  

 

00:20:11,472 --> 00:20:39,172 [Anja Eggert] 

Und das hat viele Jahre super gut funktioniert. Und dann war mal irgendwie Saure-Gurken-Zeit und ich hatte dann in einer lokalen Zeitung nach einer PR-Anzeige geguckt, die ich für einen Kunden erstellt hatte. Und da war dann eine Anzeige und da stand drin, wir suchen für den Erziehungsurlaub für vier Monate Unterstützung. Und dann habe ich gesagt, die finden ja nie jemanden für vier Monate. Da bewirbst du dich jetzt einfach mal. Und das war jetzt der Verband. Und aus diesen vier Monaten sind dann elf Jahre geworden. So kann's passieren.  

 

00:20:39,172 --> 00:20:53,792 [Julia Carstens] 

Okay, ja, ist ja auch nicht ganz ohne und schon ganz schön mutig, sich von einer Stelle, festen Stelle quasi auf eine für vier Monate befristete Stelle zu bewerben. Aber da hatten Sie quasi Lust, auch noch mal was ganz anderes zu machen. Das war ja dann schon was anderes, als Sie vorher gemacht haben.  

 

00:20:53,792 --> 00:20:56,492 [Anja Eggert] 

Genau, nee, die, [ahhhm] da war ich freiberuflich tätig.  

 

00:20:56,492 --> 00:20:56,822 [Julia Carstens] 

Okay.  

 

00:20:56,822 --> 00:21:02,081 [Anja Eggert] 

Ausschließlich, ne, die, die Phase. Und deswegen ist mir das gar nicht schwergefallen-  

 

00:21:02,081 --> 00:21:02,111 [Julia Carstens] 

Okay.  

 

00:21:02,111 --> 00:21:14,312 [Anja Eggert] 

-und da mal reinschnuppern können, ne? So, und ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir das vorher Verbandsarbeit kannte ich vom Papier und Energiewirtschaft war jetzt auch nicht so in meinem Fokus.  

 

00:21:14,312 --> 00:21:14,331 [Julia Carstens] 

Hmmm.  

 

00:21:14,331 --> 00:21:19,932 [Anja Eggert] 

So ähnlich, wie es manchen jungen Leuten heute geht. Strom kommt aus der Steckdose, Wasser fließt, alles prima, ne?  

 

00:21:19,932 --> 00:21:20,492 [Julia Carstens] 

Mhm.  

 

00:21:20,492 --> 00:21:26,791 [Anja Eggert] 

Aber es war mega spannend oder es ist mega spannend, sich in dieses Thema einzuarbeiten und ich habe schon sehr viel gelernt.  

 

00:21:26,792 --> 00:22:07,312 [Julia Carstens] 

Und wie ist das, wenn Sie vielleicht im Verband, aber auch wenn Sie mit den Stadtwerken zu tun haben, sich da mal anschauen, Frauen in Führungspositionen? Dort ist es ja oft leider noch so, dass die Führungspositionen, sage ich mal, nicht fünfzig fünfzig gleich verteilt sind. In einigen Bereichen schon, muss man sagen und wir sehen auch viele Fortschritte. Aber wie sehen Sie das denn in Ihrer Branche, sage ich mal? Ist da noch ein bisschen Nachholbedarf? Sie haben vorhin auch gesagt, dass Sie jetzt froh sind, dass das duale Studium jetzt fünfundzwanzig Prozent junge Frauen auch anfangen, was gut ist. Aber natürlich muss das Ziel auch sein, Frauen trotz vielleicht auch mal kurzer Zeiten von Teilzeit, weil man hat ja auch Familienplanung vielleicht an der einen oder anderen Stelle, dann auch in Führungspositionen zu bekommen. Wie beurteilen Sie das in Ihrer Branche?  

 

00:22:07,312 --> 00:22:25,202 [Anja Eggert] 

Das ist wirklich noch so ein dunkler Fleck. Da ist auf jeden Fall Nachholbedarf, Aufholbedarf. Aber ich kann Ihnen jetzt gar nicht genau sagen, ob's an den Frauen liegt oder, oder an dem maskulinen Umfeld. Ne, da will ich jetzt kein Urteil fällen, aber es sind wirklich wenig Frauen in Führungspositionen, also auf Geschäftsleitungsebene, ne.  

 

00:22:25,202 --> 00:22:25,232 [Julia Carstens] 

Mhm.  

 

00:22:25,232 --> 00:22:33,380 [Anja Eggert] 

Auf der mittleren Ebene ist es sehr, doch schon sehr, sehr feminin, nicht? Aber so auf Geschäftsführungsebene ist das noch 'n bisschen mau.  

 

00:22:33,380 --> 00:22:35,972 [Julia Carstens] 

Mhm. Also da gibt's schon noch 'n bisschen was zu tun.  

 

00:22:35,972 --> 00:22:43,132 [Anja Eggert] 

Ja, da gibt's was zu tun und kann man den Frauen nur Mut zusprechen und sagen, es wird überall nur mit Wasser gekocht, auch bei den Stadtwerken.  

 

00:22:43,132 --> 00:22:58,812 [Julia Carstens] 

Mhm. Also haben Sie das Gefühl quasi, die Frauen könnten noch 'n bisschen mehr nach vorne gehen. Manchmal sind's ja auch so die Rahmenbedingungen, die so 'n bisschen dafür sorgen, dass der-- Man spricht's nicht so gerne aus, aber der Karriereknick nach den Kindern ist ja schon einer, den man schlecht wegdiskutieren kann in vielen Lebensläufen.  

 

00:22:58,812 --> 00:23:21,371 [Anja Eggert] 

Ja, das ist tatsächlich so. Die Erfahrung hab ich auch gemacht. Es ist wirklich nicht einfach und man muss sich als Frau, als Mutter auch sagen, dass die Kinderphase, es ist nur eine Phase von maximal fünfzehn Jahren und danach soll's ja irgendwie wieder weitergehen. Und wenn man dann nicht von null anfangen will, es ist gut, sich immer zwischendurch was aufrechtzuhalten und um denn dann wieder-  

 

00:23:21,371 --> 00:23:21,562 [Julia Carstens] 

Mhm.  

 

00:23:21,562 --> 00:23:22,532 [Anja Eggert] 

-durchzustarten.  

 

00:23:22,532 --> 00:23:34,512 [Julia Carstens] 

Ja, sehr, sehr spannend. Also auch in dieser Branche noch 'n bisschen was zu tun. Nun weiß ich, dass Sie ja auch ein Ehrenamt selber haben. Vielleicht können Sie uns dazu noch 'n bisschen was erzählen und was sie dazu motiviert hat.  

 

00:23:34,512 --> 00:23:37,312 [Anja Eggert] 

Ja, tatsächlich gebe ich Deutschunterricht für Menschen mit-  

 

00:23:37,312 --> 00:23:37,341 [Julia Carstens] 

Mhm.  

 

00:23:37,341 --> 00:24:15,712 [Anja Eggert] 

-Migrationshintergrund. Liegt vielleicht auch daran, ich wollte-- Zweiter Berufswunsch gewesen neben journalistischen Aktivitäten. Ich wollte ursprünglich als Kind wollte ich mal Lehrerin werden. Und das ist immer noch, schwebt immer noch so 'n bisschen im, im, im Hinterkopf so rum und dann habe ich durch Zufall, muss ich ganz ehrlich sagen, das ist manchmal wirklich so die Zufälle, dann fliegt einen was an. Wahrscheinlich hat man im Unterbewusstsein beschäftigt man sich damit und dann sieht man es auch mehr, ne, was man denn da liest. Auf jeden Fall habe ich auf Facebook einen Aufruf gesehen von einem Verein. Der sitzt allerdings in Berlin, nicht in Schleswig-Holstein. Aber ja, wir brauchen Unterstützung für Deutschlehrkräfte und ich wollt's gerne lernen. Ich gebe den Unterricht ja online.  

 

00:24:15,712 --> 00:24:16,370 [Julia Carstens] 

Mhm.  

 

00:24:16,371 --> 00:24:30,161 [Anja Eggert] 

Also, die ganzen Onlinetechniken, das hat mich gereizt und könnte mir auch vorstellen, wenn die Rentenzeit irgendwann mal kommt, dann Menschen zu unterstützen und Deutschunterricht zu geben. Also, trotzdem, ne, also in der Rente wollte ich jetzt nicht einfach nur so-  

 

00:24:30,161 --> 00:24:30,262 [Julia Carstens] 

[lacht]  

 

00:24:30,262 --> 00:25:12,732 [Anja Eggert] 

-vor mich hinsitzen, sondern immer noch was tun und dann Deutschunterricht anzubieten für Menschen, die in Deutschland arbeiten wollen. Und deswegen ist das eine Win-Win-Geschichte. Ich gebe jetzt Unterricht und lerne dadurch aber auch ganz viel, ne. Also auch von den Menschen selber, aber auch von der-- Ich hab da kein Lehramtsstudium, aber von der Pädagogik, von der Didaktik, wie geht man da ran? Wie gestaltet man eine Onlineunterrichtsstunde? Und ich bin total begeistert, wie viel Nähe man aufbauen kann zu den Lernenden, obwohl es online ist, ne. Also es ist ganz, ein ganz toller Kontakt. Und ja, ich habe gelernt, wie man so eine-- oder so anderthalb Stunden sind das immer einmal die Woche, wie man das lebendig gestalten kann, sodass die Lernenden auch Spaß dran haben und Erfolgserlebnisse haben.  

 

00:25:12,732 --> 00:25:59,552 [Julia Carstens] 

Dann haben sie ja wahrscheinlich auch mit Fachkräften aus ganz unterschiedlichen Bereichen und Berufen zu tun und irgendwie passt das ja auch zu ihrem Leben, muss man sagen. [lacht] In den ganz unterschiedlichen Bereichen mal reinzuschnuppern, da immer wieder was Neues lernen zu wollen. Ähm, so habe ich jedenfalls den Eindruck, dass sie da eigentlich ganz vorne mit dabei sind. Thema lebenslanges Lernen, für sie eigentlich-- Ja, sie leben das, würde ich sagen. Das, das finde ich ganz, ganz toll. Und in-- Noch toller finde ich natürlich, dass Sie, wie ich weiß, ein Kind des Nordens sind und natürlich auch hier geblieben sind. Sie haben gerade gesagt, Sie hätten auch nach Mannheim gehen können in Ihrer Karriere. Haben Sie nicht gemacht. Sie haben dem Norden die Treue gehalten. Was würden Sie denn sagen, macht für Sie Schleswig-Holstein, den echten Norden hier aus? Und warum sollte man vielleicht ja auch als ausländische Fachkraft, äh, nach Schleswig-Holstein kommen und hier arbeiten?  

 

00:25:59,552 --> 00:26:24,611 [Anja Eggert] 

Ja, also wenn ich jetzt daran denke, was macht Schleswig-Holstein für mich aus, da kommen ja so zuerst Kindheitserinnerungen, muss ich ganz ehrlich sagen. Also ich bin ja in Nordfriesland geboren, in Tönning, und hab dann bis zu meinem achten Lebensjahr in Dithmarschen gelebt und danach ging es dann nach Glinde, Kreis Stormarn und jetzt bin ich im Herzogtum Lauenburg. Also ich bin zwar nicht viel im Ausland rumgekommen außer im Urlaub, aber innerhalb Schleswig-Holstein dann-  

 

00:26:24,611 --> 00:26:27,152 [Julia Carstens] 

Paar Kreise schon abgehakt bei uns.  

 

00:26:27,192 --> 00:27:12,871 [Anja Eggert] 

Genau, paar Kreise abgehakt. Genau. Und also der Bereich Dithmarschen, ich hab dann-- Meine Tante lebt da noch, schöne Grüße an Sarzbüttel auf diesem Wege. Und ja, ich hab da ganz viele, die ganzen Ferien immer verbracht. Ja, also meine Schwester und ich, wir haben dann da mit Rübenernten mitgemacht und meine Tante hat immer toll gekocht. Da gab es dann eben so typischen Mehlbeutel mit Kirsch-Kirschsoße und Pfannkuchen und also diese ganzen Leckereien. Und was mir ganz besonders gut gefällt, was ich jedem nur empfehlen kann, ist mal so eine Runde Wattlaufen in der Nordsee. Also manche sind ja traurig, wenn das Wasser nicht da ist und ich freue mich immer, wenn das Wasser nicht da ist, weil man dann so eine schöne Runde durchs Watt gehen kann und sich das Watt so durch die Zehen glitschen lassen kann. Das finde ich sehr schön.  

 

00:27:12,871 --> 00:28:07,132 [Julia Carstens] 

Und das sollte man auch mal versuchen, wenn man hier vielleicht, wie gesagt, als ausländische Fachkraft herkommt, einfach mal ins Watt gehen, 'ne Runde, 'ne Runde Wattwandern. Ich kann das auch nur empfehlen. Ich komme nämlich aus der Nähe von Cuxhaven und bin zwar keine gebürtige Schleswig-Holsteinerin, aber auch immer gerne an der Westküste unterwegs, weil ich das nämlich auch besonders gerne mag, muss ich sagen. Und auch sonst, muss man ja sagen, hat unser Land hier viel zu bieten, um hier wirklich glücklich zu leben, würde ich sagen, und auch gut zu arbeiten, weil es einfach ein sehr gutes Miteinander bei uns ist, ist mein Eindruck, und kurze Wege. Jeder kennt jeden irgendwie, man hat schnell Kontakte und deshalb ist es wirklich toll, auch hier zu uns zu kommen. Vielleicht noch die Frage: Sie haben ja in Ihrer beruflichen Tätigkeit in der Tat auch viel mit jungen Menschen zu tun. Was würden Sie denen denn raten, so am Anfang des, nicht mehr Berufsweges, sondern natürlich am Anfang, wenn man sich überlegt, was will ich eigentlich vielleicht mal machen? Welche Richtung könnte ich gehen? Will ich 'n Studium machen? Will ich 'ne Ausbildung machen? Was würden Sie denen raten?  

 

00:28:07,132 --> 00:28:53,982 [Anja Eggert] 

Also ich würde ihnen raten, mutig zu sein, nicht? Und da guck ich jetzt auch wieder auf die jungen Frauen, die sind doch immer noch 'n bisschen eher zurückhaltender. Aber vielleicht ist es auch nur meine Wahrnehmung, vielleicht ist es bei den jungen Herren genauso. Aber mutiger zu sein, sich mehr zuzutrauen und vielleicht auch mal, ja, sich jemanden an die Seite zu holen, zu sagen, ich hab Gefühl-- das Gefühl, ich kann das gut. Wie siehst du mich da, nicht? Sich auch mal so ein bisschen von außen Input zu holen. Wenn ich nur über sich selber nachdenkt ohne Input von außen, dann ist das nicht so richtig zielführend. Und ansonsten würde ich sagen, es muss nicht unbedingt ein Studium sein und das ist auch so ein kleines Plädoyer fürs Handwerk. Gerade jetzt im Zeitalter von KI, glaube ich, Handwerk hat wirklich goldenen Boden, weil was die KI eben nicht kann, ist handwerkliches Arbeiten zum Beispiel.  

 

00:28:53,982 --> 00:28:54,232 [Julia Carstens] 

Mhm.  

 

00:28:54,232 --> 00:29:44,891 [Anja Eggert] 

Also da trotzdem so auf die innere Stimme hören, bin ich eher praktisch, bin ich eher Theoretiker, weil für viele Menschen ist auch ein Studium gar nichts, ne? Wenn ich lieber was mit Händen mache, warum soll ich dann studieren? Und diese Fragen mit jemandem zu klären, zu dem man Vertrauen hat, ne, so, dass man da mal guckt, Mensch, wer kann mir da helfen? Also das wäre so ein, äh, Tipp. Und auf der anderen Seite ist es ja aber auch so, die jungen Leute müssen ja viel länger arbeiten, sich auch von dem Gedanken zu lösen, oh, jetzt lerne ich was und das muss ich mein Leben lang machen. Das ist ja nicht so, das sieht ja an meinem-- sieht man ja an meinem Lebenslauf auch, ne? Also es sind immer ganz viele Veränderungen möglich, aber Hauptsache, und das ist eigentlich der wichtigste Tipp, mach zu Anfang etwas zu Ende. Eine Sache zu Ende machen, eine Ausbildung, ein Studium und danach kannst du dich immer noch verändern und irgendwas Neues dazulernen, so.  

 

00:29:44,891 --> 00:30:05,591 [Julia Carstens] 

Ja, ich komme noch mal zurück zu den jungen Frauen. Sie haben ja gerade gesagt, ein bisschen haben Sie das Gefühl öfter mal zurückhaltender. Warum ist das aus Ihrer Sicht so? Und was müssten denn junge Frauen im Verhalten aus ihrer Sicht oder man darf natürlich nicht alle über einen Kamm scheren, aber die, die Ihnen so bisher aufgefallen sind, eigentlich ändern oder was wäre eine andere Herangehensweise, die Sie empfehlen würden?  

 

00:30:05,591 --> 00:30:53,992 [Anja Eggert] 

Es ist natürlich schwierig. Man hat seinen, man hat seinen Charakter, ne? So, und wenn man denn eine zurückhaltendere Natur hat, dann, dann ist das so. Aber so von innen heraus zu sagen, ich kann das jetzt, ne? Ich kann das jetzt und lass dann nicht meinen männlichen Kollegen den Vortritt und geh dann eben mal Kaffee holen, ne, während der Kollege dann sich auf das Projekt konzentriert. Da wäre wirklich meine Empfehlung, öfter mal Nein zu sagen. Und das sage ich auch aus eigener Erfahrung, weil ich mir das auch so ein bisschen antrainieren musste. Bevor ich Ja sage, überlege ich mir, hm, sollte ich jetzt vielleicht einfach mal Nein sagen, um nicht in dieses Helfersyndrom zu verfallen und nur weil einer gerade in die leere Kaffeetasse guckt und schnell loszulaufen, ich koche mal schnell welchen. Das kann auch der Kollege machen. Und dann kann ich mich aufs Projekt konzentrieren und mich auf die Ergebnisse konzentrieren.  

 

00:30:53,992 --> 00:30:57,632 [Julia Carstens] 

Ja, ist glaube ich 'n ganz wichtiger Punkt. Bisschen mehr auf sich selbst gucken vielleicht.  

 

00:30:57,632 --> 00:30:59,911 [Anja Eggert] 

Absolut, absolut. Genau, genau.  

 

00:30:59,911 --> 00:31:09,391 [Julia Carstens] 

Vielleicht können Sie noch 'n bisschen was zum dualen Studium sagen. Wie ist da die Kapazität? Gibt es auch schon junge Leute, die das Studium jetzt beendet haben und was ist dann die Perspektive?  

 

00:31:09,391 --> 00:31:52,351 [Anja Eggert] 

Ja, also wir haben in den vier Jahren, wo diese Kooperation jetzt schon läuft, haben wir fünfundvierzig Studienplätze besetzen können und in diesem Jahr haben auch die ersten Studierenden ihren, den Bachelor gemacht. Also das Studium dauert ja sieben Semester und das haben wir auch richtig gefeiert zusammen mit der FH Westküste und den Stadtwerken. Und diese sechs jungen Leute stehen jetzt der Wirtschaft zur Verfügung und ein junger Mann ist dabei, der möchte seinen Master auch noch machen, aber die anderen sind happy mit ihrem Bachelor und haben auch wirklich supergute Positionen in den, äh, Stadtwerken. Da ist zum Beispiel als Transformationsmanager, als Projektingenieur sind die tätig und haben auch wirklich 'n gutes Gehalt. Und das ist dann wieder so eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.  

 

00:31:52,351 --> 00:32:01,552 [Julia Carstens] 

Ja, also Aufruf, sich das mal anzuschauen und vielleicht ist das ja was für den einen oder die andere, sich dieses duale Studium mal genauer anzugucken und vielleicht dann auch zu machen an der FH Westküste.  

 

00:32:01,552 --> 00:32:03,692 [Anja Eggert] 

Genau, das wär prima. Richtig.  

 

00:32:03,692 --> 00:32:34,911 [Julia Carstens] 

Ja, Frau Eggert, ich bedanke mich ganz, ganz herzlich für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen sowohl für alle Aktivitäten des Verbandes alles, alles Gute fürs duale Studium weiterhin, dass das alles weiterhin so gut läuft. Aber da bin ich ganz, ganz sicher, weil die Stadtwerke da wirklich auch interessante Angebote machen für nach vorne gerichtete Arbeitsplätze, natürlich auch für die Ausbildungsplattform und dann auch für Sie persönlich natürlich alles Gute und weiterhin viel Erfolg bei den vielen Aktivitäten, die Sie so machen, die Sie hierher geführt haben, ja auch heute. Vielen Dank und noch 'n schönen Tag.  

 

00:32:34,911 --> 00:32:46,012 [Anja Eggert] 

Ja, ich bedanke mich auch ganz herzlich für das Gespräch. Hat ganz viel Spaß gemacht.